Mängel an der ARG: „Die Zeit ist stehen geblieben“

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Der Trakt der Gesamtschule in Südrichtung wird aufwendig saniert. Große Teile der Fassade sind allerdings nach wie vor in einem unschönen Zustand, zeigt Bisterfeld auf. Die Optik schrecke viele Eltern ab und rücke die Schule in ein schlechteres Licht.

Lüdenscheid - „Wir leisten hier an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule (ARG) tolle pädagogische Arbeit. Aber nach außen hin, vor allem bei den Eltern, entsteht durch die äußerlichen Gegebenheiten ein völlig falscher Eindruck.“

Schulleiter Frank Bisterfeld und der Didaktische Leiter Markus Ignatzek haben eine konkrete Forderung an die Stadt Lüdenscheid: „eine systematische Modernisierung der Schule.“ Hervor geht diese aus dem jüngsten Gesamtschulforum, eine interne Veranstaltung mit Eltern und Schülern, bei der auch Mitglieder der Verwaltung und Vertreter der Politik anwesend waren. 

1246 Schüler, 102 Lehrer und 36 Klassen mit durchschnittlich mehr als 30 Schülern – „wir sind die größte Schule Lüdenscheids, die Nachfrage steigt in jedem Schuljahr, aber trotzdem ist die Zeit stehen geblieben – renoviert wurde hier seit den 90ern nicht mehr“, sagt Bisterfeld. Nicht nur eine Modernisierung, auch eine Vergrößerung der Schule durch einen Neubau sei wichtig. 

Schulleiter Frank Bisterfeld bemängelt den optischen Zustand der Gesamtschule. Renoviert wurde seit den 90er-Jahren nicht mehr.

Zur Erinnerung: An der ARG findet seit diesem Jahr eine große Baumaßnahme statt. Sie beinhaltet unter anderem eine teilweise Erneuerung der Fassade und der Fenster an dem Gebäude sowie die Sanierung der Unterdecken zum Außenbereich der Schule. Investiert werden dafür 1,22 Millionen Euro – zehn Prozent davon übernimmt die Stadt Lüdenscheid, die übrige Summe stammt von Fördergebern. 

„Das hat insbesondere auch energetische Gründe“, sagt Bisterfeld. Denn die Fenster entsprechen zum großen Teil nicht dem heutigen Standard, ließen Wärme im Winter raus und Hitze im Sommer rein. 

„Ausstattung wichtig für Erziehungsarbeit“ 

Dennoch: „Mehr als zwanzig Jahre hinterlassen ihre Spuren.“ Sichtbar werden die an Teilen der Fassade und beim Gang durch die ARG: Beschmierte Wände, sichtlich unfertige Ausbesserungen, veraltetes Mobiliar und mangelnde Ausstattung in den Klassenräumen, wie unter anderem fehlende Gas- und Wasserzugänge in den Fachräumen etwa für Chemie, stehen auf dem von der Schulleitung erstellten Bedarfsplan. 

„Wir wissen, dass die Stadt knapp bei Kasse ist und es auch an anderen Schulen Missstände gibt. Brandschutzmaßnahmen und andere große Baustellen hatten natürlich Priorität“, betonen Bisterfeld und Ignatzek. Dennoch: Die Ausstattung werde für die Erziehungsarbeit an den Schulen immer wichtiger und „wir müssen auf die Notwendigkeit für alle aufmerksam machen“. 

Die Ausstattung muss dringend erneuert werden, fordert die Schulleitung. Gas- und Wasserzugänge fehlen oder sind defekt.

Der Investitionsstau an den Schulen und der Bedarf an der ARG ist auch der Stadt bekannt. Beim Gesamtschulforum dabei waren Matthias Reuver, Fachdienstleiter Jugend, Bildung und Sport, sowie Kerstin Kotziers, Fachbereichsleiterin Schulen. 

„Das Treffen hat womöglich einen Ruck in der Politik ausgelöst, da wollen wir nicht einfach drüber hinweg gehen“, sagt Reuver. Sicherheitsmaßnahmen wie Brandschutz seien vorerst relevanter gewesen, doch die ästhetischen Maßnahmen seien auch wichtig. „Es ist möglich, dass einige Punkte in Zukunft verlagert werden“, sagen Reuver und Kotziers. 

„Die weiterführenden Schulen sind dran“ 

Bei der Gesamtschule gehe es immerhin nicht „nur“ um Verschönerungen sondern auch um Funktionsfähigkeit. Gemeinsam mit den Schulen werden die Bedarfslisten eingesehen und gegebenenfalls angepasst, erklärt Reuver. 

„Wir haben viel im Grundschulbereich gemacht, nun sind vermehrt die weiterführenden Schulen dran.“ Er sei zudem überzeugt: „Die Gesamtschule wird in den Schulentwicklungsfokus geraten. Ich bin gespannt, was kommen wird.“ 

Seit den Pfingstferien findet an der ARG eine große Baumaßnahme statt. Derzeit wird in dem Zuge auch das Lehrerzimmer renoviert.

Noch mehr in den Fokus der Eltern zu rücken, das wünscht sich die Schulleitung der ARG. „Hinter top ausgebildeten Kräften stehen die räumlichen Gegebenheiten. Das schreckt viele Eltern ab und vermittelt einen falschen Eindruck“, sagen Bisterfeld und Ignatzek. 

Dabei sei es wichtig, dass auch mehr Kinder mit einer Empfehlung für das Gymnasium an die Gesamtschule kämen. „Das hebt das Niveau und macht vieles leichter, denn: Kinder lernen auch voneinander, auch das bedingt Chancengleichheit, die uns hier so wichtig ist“, sagt Ignatzek.

Das sagen die Vertreter der Politik:

„Eine gute Veranstaltung, bei der offen gesprochen wurde“: Ratsmitglieder aus CDU, SPD, Grünen, Linke und FDP waren beim Gesamtschulforum der ARG dabei und traten mit der Schulleitung, den Eltern und Schülern in den Dialog. Sie sind sich einig: „Wir müssen eine Lösung finden und die bisherigen Prioritäten womöglich noch einmal überdenken.“ 

Denn: „Bedarf und Mängel in dieser Form und Höhe waren uns gar nicht so bekannt“, sagt Oliver Fröhling (CDU). Die genannten Themen müssten in die Haushaltsplanberatungen aufgenommen werden. Jens Voß (SPD) betont: „Insbesondere der Chemieraum muss in näherer Zeit angepackt werden.“ 

Die Schwierigkeit: „Wir sind noch im HSK (Haushaltssicherungskonzept). Wenn wir etwas neu machen wollen, müssen wir dafür etwas anderes streichen. Wir müssen eine gute Lösung finden“, sagt Andreas Stach (Grüne). Unberechtigt seien die Forderungen aber keinesfalls. 

„Eine Abstimmung mit der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW) ist erforderlich, was die Dringlichkeiten angeht“, sagt Jens Holzrichter (FDP). Über eine Aufstockung müsse diskutiert werden, betont Michael Thomas-Lienkämper (Linke): „Die Rahmenbedingungen [sind] eine Zumutung. [...] Die Gesamtschule erfährt nach meinem Empfinden nicht dieselbe Wertschätzung wie z.B. die Gymnasien vor Ort.“

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