Mädchen-Schule Atefa: Kindergarten gegründet

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In den Wintermonaten bleibt die Atefa-Schule von Dezember bis Mitte März geschlossen.

LÜDENSCHEID/ESTALEF -  Nach dem verheerenden Erdbeben in Afghanistan und Pakistan gibt es von Seiten des Lüdenscheider Vereins Eschan gute Nachrichten aus der afghanischen Stadt Estalef: In diesem Jahr machte der sechste Schülerjahrgang der Mädchen-Schule Atefa Abitur.

Die Schülerinnen sind die ersten, die über die volle Zeit von zwölf Jahren die Schule in Estalef besuchten.

Darüber hinaus laufe der Unterricht an der Schule ohne Probleme, wie der Vorsitzende des Vereins, Dr. Anwar Nabiyar, mitteilt. Angesichts der Meldungen der vergangenen Monate aus Afghanistan, insbesondere seit der Besetzung von Kunduz durch die Taliban, gebe es bei allen Gesprächen und Vorträgen über die Atefa-Schule immer wieder Fragen wie: Wie sieht es in Estalef aus? Kann der Unterricht überhaupt stattfinden? Gibt es Drohungen?

„Es gibt keine Zwischenfälle, der Unterricht an der Atefa-Schule läuft ohne Einschränkungen und ohne Bedrohungen. Die jungen Frauen studieren, ohne dass es ernste Probleme gegeben hat“, erklärt Dr. Anwar Nabiyar. Das sei umso erfreulicher, da neben den Unruhen in einigen Provinzen auch die Zentralverwaltung immer noch nicht funktioniere.

Dr. Anwar Nabiyar hat mehrmals in der Woche Kontakt mit Farida, der Schulleiterin der Atefa-Schule, sowie mit Marsia, der Betreuungslehrerin der Studentinnen. „Marsia trifft wiederum mindestens einmal im Monat die Studentinnen, weil dann die monatlichen Stipendiengelder ausgezahlt werden.“

Sollte es in seltenen Fällen aber einmal Schwierigkeiten – in der Regel finanzielle Probleme – geben, rufen die Studentinnen im Notfall direkt bei Dr. Nabiyar an. Beispielsweise meldete sich vor kurzem eine Studentin der Hebammenschule in Kabul bei Dr. Nabiyar. „Sie stammt aus Estalef, hat ihr Abitur allerdings nicht an der Atefa-Schule, sondern an einem anderen Gymnasium gemacht. Die Familie hatte bisher unter großen Opfern die Ausbildung finanziert – bis plötzlich der Vater gestorben war“, heißt es in dem Schreiben. Die Studentin konnte die Gebühren nicht mehr bezahlen und war deshalb von einer Zwischenprüfung ausgeschlossen worden. „Nach Rücksprache mit Stipendiengebern konnten wir zusagen, die Finanzierung bis zum Examen aus dem Stipendienpool zu übernehmen.“

Dank der vielen Spenden habe die Arbeit für die Atefa-Schule und die Studentinnen eine stabile finanzielle Basis: „Durch die Patenschaften ist die Unterstützung der Schülerinnen langfristig abgesi-chert. Und alle Stipendien für das Studium sind durch feste Zusagen oder Vorauszahlun-gen bis zum Ende finanziert.“

Diese Verlässlichkeit werde auch von den Menschen in Estalef dankbar wahrgenommen. Ein Grund für die Unterstützung durch die Bevölkerung liege auch darin, dass der ganze Ort von der Hilfe profitiere. Beispielsweise sorgen die Renovierungsmaßnahmen und Neubauten der Schule regelmäßig für Arbeit für die Männer im Ort. Die Arbeitslosigkeit liege bei weit über 50 Prozent. „Solche Baumaßnahmen wie auch der Transport der Lehrerinnen aus Kabul sind nur möglich aufgrund von größeren Einzelspenden oder dank der Spendensammlungen, zum Beispiel aus Anlass von runden Geburtstagsfeiern – einer dieser Jubilare war auch der Bürgermeister von Lüdenscheid, Dieter Dzewas. Dafür sind wir sehr dankbar“, teilt der Verein mit.

Dass die Lehrerinnen und auch einige verheiratete Studentinnen kontinuierlich arbeiten beziehungsweise studieren können, hänge damit zusammen, dass – ziemlich einmalig – ein Betriebskindergarten existiert, in dem Kleinkinder betreut werden.

Weitere Infos zum Verein Eschan und seiner Arbeit für die Atefa-Mädchenschule in Afghanistan gibt es online unter www.bergstadt-gymnasium.de (Links: Schule/Partnerschulen/Estalef).

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