Mann in Lüdenscheid festgenommen

Sprengsatz in RB 25: Ex-Verfassungsschutzpräsident Maaßen spricht von „Anschlag“

Hans-Georg Maaßen
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Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Mit einem Tweet zum Bombenleger aus dem Sauerland hat der ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, bei Twitter eine rege Diskussion ausgelöst. Auch weil er die Herkunft des 21-jährigen Tatverdächtigen öffentlich machte. Gegenüber unserer Zeitung sprach er von einem versuchten Anschlag.

Lüdenscheid – Der mutmaßliche „Bombenleger“, der einen laienhaft zusammengebastelten Sprengsatz in der RB 25 deponierte, ist nach seinem Geständnis wieder auf freiem Fuß. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf – wie berichtet – mit. Bislang schließen die der Zentralstelle Terrorismusverfolgung unterstellten Ermittler eine Verbindung des 21-Jährigen zu einer terroristischen oder extremistischen Vereinigung aus.

Sprengsatz in RB25 gefunden: Ermittler überprüfen Hinweise auf mögliche Verbindungen zu terroristischen oder extremistischen Vereinigung

„Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Die bei der Durchsuchung seiner Wohnung sichergestellten Gegenstände werden noch überprüft“, sagte Holger Heming. Was genau in der Wohnung gefunden wurde, wollte der Oberstaatsanwalt mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

21-Jähriger gesteht das Ablegen des Pakets - um auf soziale prekäre Lage aufmerksam zu machen

Der nicht vorbestrafte 21-Jährige hatte gegenüber den Ermittlern eingeräumt, dass er das mit Schwarzpulver und Nägeln gefüllte Paket am 2. Oktober in der RB 25 abgelegt hatte. Er sei unzufrieden mit seiner prekären sozialen Lage gewesen und habe mit seiner Tat öffentliche Aufmerksamkeit erregen wollen, hieß es. Nach Informationen unserer Zeitung wohnte der junge Mann in Plettenberg. Dort wurde auch seine Wohnung durchsucht.

Womöglich reiner Zufall, dass eine Reinigungskraft und nicht ein Fahrgast die „Bombe“ fand

Eine Reinigungskraft hatte den verdächtigen Gegenstand in einer Zugtoilette des abgestellten Zuges entdeckt. Womöglich ist es nur einem Zufall zu verdanken, dass das Bomben-Paket nicht von einem Fahrgast entdeckt wurde und so zu einer deutlich größeren Gefährdungslage geführt hätte. Wann und wo der 21-Jährige die RB 25 bestieg und sie wieder verließ, wollte Oberstaatsanwalt Heming ebenfalls nicht sagen.

Für große Twitter-Resonanz sorgte ein Tweet von Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, der die Berichterstattung des Funke-Portals „Der Westen“ über die Festnahme in Lüdenscheid thematisierte. Das Online-Medium hatte bei dem Tatverdächtigen von einem „Sauerländer“ geschrieben. Maaßen tweetete am Samstag (10. Oktober) dazu: „Der Vollständigkeit halber: Der Sauerländer ist 1999 in Syrien geboren und verfügt als Asylbewerber über eine Aufenthaltsgestattung.“ Mehr als 2.300 Retweets, mehr als 5.500 Gefällt-mir-Angaben und mehr als 400 Kommentare erhielt das Posting bis Montagabend – teilweise verbunden mit Kritik an Medien und Ermittlungsbehörden, in einigen Fällen auch mit fremdenfeindlichen Äußerungen.

Generalstaatsanwaltschaft will „Äußerung des Herrn Maaßen“ nicht kommentieren

Zum Tweet des ehemaligen Verfassungsschützers sagte Oberstaatsanwalt Heming: „Es ist nicht Aufgabe der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, die Äußerung des Herrn Maaßen via Twitter vom 10. Oktober 2020 zu kommentieren.“ Unsere Redaktion hat auch Maaßen eine schriftliche Anfrage zu seiner Motivation für den „Sauerland-Tweet“ gestellt.

Am Dienstagmittag äußerte sich Maaßen gegenüber unserer Zeitung. Er spricht anders als die Ermittlungsbehörden von einem „versuchten Bombenanschlag“: „Es drängt sich [eher] die Frage auf, warum in der Presseberichterstattung die Information weggelassen wurde, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter des versuchten Bombenanschlages um einen syrischen Asylbewerber handelt. Diese Information ist ausgesprochen relevant, um unter anderem die aktuelle Bedrohungssituation beurteilen zu können.“

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