Haus Kirchplatz 3 gewürdigt

LWL-Denkmal des Monats steht in Lüdenscheid

Das Haus Kirchplatz 3 (rechts) ist für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe das „Denkmal des Monats“.

Lüdenscheid - Eines der ältesten Wohnhäuser am Kirchplatz vor der Erlöserkirche ist für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das „Denkmal des Monats“.

Damit würdigt der Verband, so heißt es in einer Mitteilung, die „schonende Instandsetzung“, die man 2013 finanziell unterstützt habe. Frühere Eingriffe und morsche Holzteile hätten das Dachwerk des wahrscheinlich 1723 errichteten Hauses am Kirchplatz 3 so geschwächt, dass eine ungünstige Lastenverteilung entstanden sei und die Bruchstein-Fassade des Hauses nach außen gedrückt habe. Dass der Eigentümer die Probleme in Absprache mit Denkmal-Experten behoben und dabei die historische Bausubstanz geschont habe, ist dem LWL die Monatsauszeichnung wert.

Mit Hilfe des Landschaftsverbandes, der demnach das statische Konzept eines Tragwerkplaners finanzierte, wurde die Sanierung unterstützt. Dazu erläutert LWL-Denkmalpflegerin Danae Votteler: „So konnte die Konstruktion des Sparrendachs, das eine für Wohngebäude ungewöhnliche Form hat, an einigen Punkten ertüchtigt werden, ohne dass die historische Bausubstanz durch unnötige Eingriffe beeinträchtigt wurde.“ Man habe die wenigen horizontalen Verbindungen mit den durchgehenden Balken durch zusätzliche Spanngurte ergänzt und Knotenpunkte des hölzernen Dachwerks wieder verbunden. Und weiter: „Das leicht schiefstehende Außenmauerwerk der Fassade wurde mit einigen Eisenstäben im Mörtelbett, die als ‘Vernadelung’ bezeichnet werden, im Gefüge stabilisiert und mit Ankern an die Querwände im Inneren verbunden.“

Aus dem Umstand, dass sich der Kirchplatz auf einem Bergsporn befindet, folge, dass das Gebäude zum Platz hin zwei Geschosse habe und auf der anderen Seite durch die Hanglage drei Geschosse. Es diene nach wie vor als Wohnhaus und habe heute eine Breite von fünf Fensterachsen. „Vermutlich war es ursprünglich aber schmaler und hatte nur eine Breite, die drei Fensterachsen entspricht, ähnlich anderer Häuser am Kirchplatz“, wird Danae Votteler weiter zitiert.

Die „Brandakte von 1723“ zähle noch zwei Häuser auf dem heutigen Grundstück. Deshalb vermutet Votteler, dass die zusammengelegt worden seien, worauf auch der Keller hinweise: Demnach gibt es einen tonnengewölbten Kellerraum und einen mit Kreuzgratgewölbe. „Wir gehen davon aus, dass das Gebäude nach dem großen Stadtbrand von 1723 entstanden ist und dabei auf einen älteren Keller gebaut wurde“, so die LWL-Denkmalpflegerin.

Der Stadtbrand, so vermutet die Fachfrau, könne auch der Grund für den Einbau der sogenannten Ollern sein: Diese regionaltypische aber selten anzutreffende Lehmdecke sei über der obersten Geschossdecke eingezogen worden. Die dicke Lehmpackung hätte das Haus geschützt, wenn das Dach Feuer gefangen hätte, heißt es. Der Zugang zum Dachboden wurde vermutlich durch eine eiserne Klappe gebildet. Die zugehörige Einrahmung aus Sandstein mit dicken Eisenkloben habe sich erhalten.

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