Begegnung mit Meyerbeer

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Lutz Görner stellte Giacomo Meyerbeer vor. Am Klavier: Nadia Singer.

Lüdenscheid - Er ist geradezu vernarrt in Franz Liszt. Der Rezitator Lutz Görner hat ein Großprojekt angelegt, hat es „Kosmos Liszt“ genannt und will zwölf Teile präsentieren bis ins Jahr 2020. Mehrfach schon war er mit Teilen davon zu Gast im Kulturhaus, so auch am Freitagabend mit Briefen Heinrich Heines an den Komponisten Giacomo Meyerbeer.

„Ich freue mich, dass Sie alle neugierig sind“, begrüßte der Rezitator das Publikum und stellte den „Protagonisten“ des Abends vor: Giacomo Meyerbeer, den erfolgreichsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Mit auf der Bühne wie schon oft: Die Pianistin Nadia Singer. Die Musik, die Görner für sein Programm ausgewählt hat, stammt aus „Robert der Teufel“ (Cavatine und Nonnenwalzer), unter anderem die Pastorale aus „Die Hugenotten“ und „Die Schlittschuläufer“ aus „Der Prophet“. Franz Liszt transkribierte einst die Opern Meyerbeers, um sie massentauglich zu machen.

Meyerbeer wurde als Kind reicher jüdischer Eltern als Jakob Liebmann Meyer Beer 1791 in eine reiche Familie in Berlin geboren. Dem Vater gehörten Zuckerfabriken in ganz Europa. Schon früh glänzte er als Pianist und Komponist. Bekannt wurde er als Giacomo Meyerbeer mit den Opern aus seiner Pariser Zeit, die im französischen Stil entstanden. Mit 26 Jahren, so erzählte Görner zwischen den Klavierstücken aus dem Leben des Komponisten, sei dieser aus Affinität zu Italien dahin gekommen, behördlich genehmigt seinen Namen in Giacomo Meyerbeer zu ändern. Überhaupt hatte man immer mal wieder das Gefühl, dem Komponisten sicher schon mal irgendwo begegnet zu sein, so detailreich stellte Görner ihn vor.

Aufmerksam verfolgte das Publikum den Briefwechsel des bedeutendsten deutsch-jüdischen Dichters Heinrich Heine mit dem bedeutenden deutsch-jüdischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Amüsante Episoden waren da zu hören, verbunden mit einem Einblick in die Gesellschaft der damaligen Zeit. Bis in viele Einzelheiten stellte Görner die Meyerbeer-Opern vor, das Bühnenbild, die Statisten, die Opernsänger, ihre Kleidung, ja selbst die Schlittschuhläufer konnte man sich am Ende vorstellen.

Die Pianistin Nadia Singer stand musikalisch im Mittelpunkt, spielte ohne Noten mal zarte, mal furiose Passagen. Hochkonzentriert machte sie die Kulturhausreihen zu Opernsesseln und Lust auf mehr. So nutzte in der Pause der eine oder andere die Gelegenheit, nicht nur mit Görner und Singer ins Gespräch zu kommen, sondern sich auch die Biografie Meyerbeers später samt Autogramm mit nach Hause zu nehmen.

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