Görners "Hausbesuch" bei Ludwig van Beethoven

+
Der Rezitator Lutz Görner beleuchtete das Leben Beethovens. - Fotos: Schwager

Lüdenscheid - Liszts glühendes Pathos zum Tode Beethovens, dessen Wirkung er mit jener, die Rauchwolke und Flammensäule für das Volk Israel bedeuteten, verglich, stand am Anfang des Abends. Am Ende spielte Pianistin Nadia Singer als Zugabe Paganini von Liszt.

Lutz Görner, „die lyrische Stimme Deutschlands“, machte mit seinem Programm über Leben und Musik Ludwig van Beethovens Halt im Kulturhaus. Ein überaus unterhaltsamer wie informativer Abend, der vieles erhellte und – wohl dem Format geschuldet – einiges unterließ.

Breiten Raum nahmen Listz’sche Lobred’, aber auch die epische Aufbereitung der Beerdigung Beethovens ein. Stimmig und ausgewogen verlief der Abends ab der Schilderung der Lebensumstände Beethovens am Ende seines Lebens. Da hinein setzte es den zweiten Satz aus Sonate Opus 110, das „Allegro molto f-Moll“. Pianistin Nadia Singer agierte mit großer Lust an dem düster schroffen Satz, bei dessen Unruhe sie es trefflichst beließ und den herben Charakter ob der Fülle an Synkopen auf den Punkt brachte.

Nadia Singer, dies belegte sie eindrücklich mit dem zweiten Satz der Hammerklavier-Sonate, wie auch mit einer fulminanten Interpretation des dritten Satzes der Mondschein-Sonate, war der große Gewinn dieses Abends. Dies ist auch Lutz Görner anzurechnen, da er der Gilde aufstrebender Pianisten gegenüber offen ist und in seinem Rahmen zu fördern versucht.

Fulminante Interpretationen am Klavier: Nadia Singer.

Was Singer mit dem dritten Satz der Waldstein-Sonate, vor allem aber mit der Sonate „Appassionata“ (Sonate 23, f-Moll Opus 57) auf dem Boesendorfer-Flügel in den Saal brachte, das lässt mehr als hoffen, bedeutete einen Lichtblick für eine allmählich in Schnelligkeit und Perfektion erstarrende Gilde. Bei Nadia Singer gehen ein hohes Maß an Ausdrucksfähigkeit und Virtuosität erfreulicherweise einher.

Lutz Görner eröffnete an diesem Abend einige Fenster in Richtung Beethoven, ermöglichte so ein tieferes Verständnis der Person. Ein klitzekleiner Hinweis auf Beethovens Verhältnis zur französischen Revolution und Napoleon, zu Kant und der Aufklärung hätte schon sein können. Er war der einzige der Wiener Klassiker, der als leidenschaftlicher Anhänger der Freiheit auf moralischer Basis lebte. Für ihn waren Ausüben der Kunst und ein Leben nach humanistischen Werten untrennbar verbunden.

Ein Wiedersehen mit Lutz Görner und Nadia Singer gibt es im kommenden Jahr bei einem „Open Air“ mit dem Programm „Eine italienische Nacht“, da Görner aus Bocaccios „Decamerone“ liest und Nadia Singer spielt Liszt-Bearbeitungen von Rossini, Paganini, Donizetti, Bellini und anderen. - usc

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare