Eltern kämpfen für ihren Sohn

Lukas aus Lüdenscheid  hat einen IQ von 140: Warum kriegt er keine Stelle?

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Carsten und Silke Lehmann setzen sich dafür ein, dass ihr Sohn Lukas nach seinem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz bekommt.

Lüdenscheid – Lukas Lehmann ist 15 Jahre jung und wird im Sommer den Realschulabschluss an der Freien Christlichen Hauptschule (FCH) am Schäferland machen. Doch etwas ist anders.

Seine Noten sind gut. In Mathe und Englisch läuft es auf sehr gut hinaus, in den restlichen Fächern auf zwei bis drei. Beste Voraussetzungen eigentlich, um sich erfolgreich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. „Aber wir haben bisher auf Bewerbungen nur Absagen oder gar keine Antwort erhalten“, sagen seine Eltern Silke und Carsten. 

Lukas hat Freunde und soziale Kontakte

Sie machen es daran fest, dass Lukas Asperger-Autist ist und daran, dass diese Diagnose und ihre Auswirkungen nur unzureichend bekannt sind. „Lukas ist kein typischer Autist, sondern hat eine leichtere Form von Autismus. Er hat zwar Probleme, sich auf eine neue Situation einzustellen, aber das braucht nur etwas Zeit. Dann gewöhnt er sich ein. Er hat Freunde und soziale Kontakte.“ 

Intelligenzquotient von 140 

Lukas habe schon mit acht Monaten laufen können und bereits mit elf Monaten gequasselt wie ein Wasserfall, sagen sie. Im Kindergarten fiel auf, dass er sich abschottete, wenn es ihm zu bunt und laut wurde. Er reagierte sauer. Anfangs ging man von einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) aus. Bei einer frühkindlichen Diagnose fiel sein hoher Intelligenzquotient auf. Er lag bei 140. 

Weg durch Schulen und Institutionen

Ein Test im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke ergab eine atypische Form von Autismus. Es folgten zahlreiche Therapien und eine Frühförderung über die Lebenshilfe. Besonders intensiv war die Therapie im Autismus-Therapie-Zentrum Dortmund und in Hagen. 

In der Schule stand Lukas eine Integrationskraft zur Seite. Drei Jahre ging’s zur Hermann-Gmeiner-Schule am Dickenberg. Lukas gewann Freunde, das Umfeld war stabil. „Als die Schule geschlossen wurde und der Umzug nach Gevelndorf folgte, war das für ihn daher schwierig. Aber es ging, und weil es klappte, wehrten sich Silke und Carsten Lehmann, als man ihnen riet, Lukas anschließend in einer Förderschule zu unterrichten. 

"Er ist nicht dumm"

„Er war ja nun einmal nicht dumm. Auch eine automatische Anmeldung an der Hauptschule Stadtpark, die uns mitgeteilt wurde, haben wir nicht akzeptiert. Die Schule war zu groß. Über einen Tag der offenen Tür an der Freien Christlichen Hauptschule kamen wir auf die Schule am Schäferland. Der Schulleiter sagte: ,Wir probieren das’. Und es war die richtige Entscheidung. Wir mussten immer kämpfen für unser Kind. Aber er war und ist für uns immer ein ganz normales Kind mit Ecken und Kanten, und wir müssen uns nicht für ihn entschuldigen“, betonen Silke und Carsten Lehmann. 

Jeder Autist hat eine andere Inselbegabung 

„Wir wollen auch kein Mitleid. Wir wollen nur aufräumen mit dem Klischee, dass ein Asperger-Syndrom keine weitere und gute Entwicklung zulässt. Jedes Autist ist anders, und jeder Autist hat eine andere Inselbegabung.“ 

Lukas brauchte noch nie eine Bedienungsanleitung

Bei Lukas ist es besonders die Mathematik. „Er programmiert zum Beispiel Spiele selbst. Seine Englischkenntnisse sind ebenfalls außergewöhnlich. Bei einer Klassenfahrt unterhielt er sich schnell fließend mit den Gasteltern. Lukas hat noch nie eine Bedienungsanleitung gebraucht. Vieles bringt er sich selbst bei. Er ist lernfähig, freundlich, manchmal vielleicht etwas pingelig. 

Eltern: "Lukas ist kein Psychopath"

Sein Problem ist, dass alle Geräusche im Umfeld auf ihn einprasseln, die wir gar nicht hören. Deshalb braucht er möglichst ein ruhiges Umfeld, und er braucht manchmal Zeit, Emotionen zu erkennen. Aber Lukas ist kein Psychopath, er hat nur seine speziellen Eigenheiten“, sagen die Lehmanns. „Deshalb sollten ihm Firmen eine Chance zum Vorstellungsgespräch und persönlichem Kennenlernen geben.“ 

Schulleiter stellt gutes Zeugnis aus

Wolfgang Mattstedt, Leiter der Freien Christlichen Schule am Schäferland, unterrichtet Lukas Lehmann in Mathematik und ist sicher: „Wer Lukas unter Berücksichtigung seiner speziellen Fähigkeiten einen Ausbildungsplatz bietet, kriegt einen guten Mann.“

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