Luftschutzbunker im Brighouse-Park entdeckt

Nach der Untersuchung der überraschend entdeckten Stahlbetonröhre, die nirgendwo verzeichnet war, wurden die Eingänge wieder zugemauert.

LÜDENSCHEID - Als Thomas Meilwes an einem Montagmorgen im April sein Büro in der Umweltabteilung des Rathauses betrat, wurde er von einer rätselhaften Neuigkeit überrascht: Am Freitag sei im Boden des Brighouse-Parks bei Ausschachtungsarbeiten für den neuen Abenteuerspielplatz ein „Keller mit Stahltür“ entdeckt worden.

Meilwes eilte in den Park, und was er dort zu seinen Füßen sah, war eine Betontreppe, die in die Erde führte. Der Breckerfelder Landschaftsplaner Friedhelm Ebbinghaus hatte hier den gewölbten Gehweg abflachen wollen, doch die Arbeiter waren zu ihrer Verblüffung auf eine Betonkante gestoßen. „Ich habe dann einen Bekannten angerufen, der früher bei der Stadt gearbeitet hatte, und ihn gefragt, was das sein könnte“, berichtet Meilwes. Der erfahrene Ex-Kollege tippte auf einen vergessenen Splitterschutzbunker aus dem zweiten Weltkrieg, wie er auch im Garten der Villa Hueck zu finden ist – und lag damit goldrichtig, wie sich später herausstellte.

Denn nach einiger Buddelei konnte die Tür, die aus Blech war, geöffnet werden. Dahinter, zweimal um 90 Grad abgewinkelt, tat sich ein enger, mannshoher Gang auf, der in Richtung Sauerfeld führte – geschätzte 15 Meter lang. Dort, wo zu Kriegszeiten der Ausgang gewesen sein musste, fand sich jedoch nur noch Schutt. „Offenbar war der Ausgang vor Jahrzehnten weggerissen worden, wahrscheinlich bei der Verbreiterung des Sauerfeldes“, vermutet Thomas Meilwes. Sicher feststellen ließ sich das aber trotz einiger Nachforschungen bisher nicht.

Nur soviel ist klar: „Könnte man durch diesen Ausgang heute noch ins Freie gelangen, stünde man tatsächlich ziemlich genau im Wartehäuschen“, schmunzelt Meilwes. Das geht auch aus dem inzwischen erstellten Lageplan des Luftschutzbunkers hervor, der sich als einfacher Gang mit zwei Eingängen entpuppte. Die Abwinkelungen sollten die maximal 30 Insassen vor dem Luftdruck von Bombenexplosionen schützen. Durch einen schmalen Spalt konnte Meilwes aufs Sauerfeld gucken: „Man blickte von dort unten genau auf die Beine der wartenden Fahrgäste.“

Die Enge des Bunkers empfand Meilwes nach eigenen Worten als bedrückend: „Wenn da tatsächlich Leute an der Wand saßen, hätte man sich eben noch an ihnen vorbeiquetschen können.“

Als der längliche Bunker vermessen war, stellte sich heraus, dass er genau unterhalb des Gehwegs verläuft. Über Jahrzehnte waren die Lüdenscheider also durch ihren Park flaniert, ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, worauf sie da herumliefen. An den Bunker erinnerte sich jedenfalls niemand mehr, den Meilwes befragte – auch eine Bekannte, die in einem Haus direkt am Park aufgewachsen war, konnte ihm nichts mehr zu der unterirdischen Anlage erzählen.

Pflichtgemäß verständigte der Stadt-Beschäftigte die Münsteraner Denkmalbehörde, um den historischen Wert des Fundes einschätzen zu lassen. Zudem mussten seine Kollegen von der städtischen Bauaufsicht prüfen, ob der Bunker womöglich einsturzgefährdet ist – darüber sollen schließlich bald Kinder auf Spielgeräten herumtollen. Um die Stärke der Bunkerdecke festzustellen, wurde sie durchbohrt. Das Resultat: Der Gang kann erhalten bleiben.

Der herbeigerufene Experte der Münsteraner Denkmalschutzbehörde bewertete den Bunker jedoch weder als historisch wertvoll noch als erhaltenswert. Tatsächlich fand sich darin laut Thomas Meilwes außer verwitterten Holzkonstrukten nichts mehr. Ob die enge Betonröhre jemals ein Zufluchtsort für Menschen war, ist nicht bekannt.

In der Folge wurde die Decke des noch intakten Eingangs im Park eingerissen, die Bunkerröhre zu beiden Seiten vermauert und zubetoniert – allerdings so, dass man die Anlage jederzeit wieder öffnen kann. Denn ob sie für Nachgeborene in Jahrzehnten möglicherweise doch eine historische Bedeutung erlangt, kann heute niemand wissen. Bauordnungsamt und Denkmalschützer erhielten Lagepläne und die bei der aufwändigen Untersuchung geschossenen Fotos.

Die Pläne für den Spielplatz mussten wegen des spektakulären Fundes nicht geändert werden – er hatte die Landschaftsbauer allerdings wertvolle Zeit gekostet. Sie schütteten den Bunker sofort nach der Untersuchung wieder zu, berichtet Meilwes.

Der Gehweg im Park bleibt auch künftig gewölbt, denn die Kante des Bunkers steht zu hoch für eine Absenkung. Somit wäre alles beim alten – nur, dass Spaziergänger künftig wissen, dass sie auf einem Stück Kriegsgeschichte stehen. Gegossen in Stahlbeton.

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