Audi gerammt: 76-Jähriger wegen Fahrerflucht verurteilt

Lüdenscheid - Weil er einen Audi rammte, wurde ein 76-Jähriger jetzt zu 800 Euro Strafe und neun Monaten Führerschein-Sperre verurteilt. Der Mann gab vor Gericht an, den Audi nicht gesehen zu haben.

Nein, einverstanden ist er (76) überhaupt nicht mit dem Strafbefehl. Unfallflucht? „Nein! Wenn ich jemandem Schaden zugefügt habe, dann stehe ich dazu.“ Er sei schließlich Christ und Blaukreuzler und habe „noch nie“ einen Unfall gebaut. Strafrichter Lyra ist aber an einer ganz anderen Information interessiert. „Sagen Sie, was machen denn die Augen und Ihre Konzentrationsfähigkeit?“ Die Antwort des Rentners: „Mir geht’s noch sehr gut.“

Nach Überzeugung des Richters hapert es bei dem alten Mann allerdings an ungetrübter Wahrnehmung. Einen herannahenden Audi A 4 am hellen Tage schlicht zu übersehen, das ist zwar auch anderen Autofahrern schon passiert. Den schwarzen Wagen aber zu rammen, ihn dann immer noch nicht als Auto zu erkennen und seelenruhig von dannen zu kurven, das kommt dem Richter fragwürdig vor.

Also fragt er. Und der Zeuge in dem Audi antwortet – und berichtet von dem Unfall am 3. Mai. Wie er von der Friedrichstraße geradeaus auf die Martin-Niemöller-Straße fuhr und „plötzlich von links“ vom Kirchheim-Parkplatz der Ford Focus kam. „Es gab einen dumpfen Knall und das Auto wackelte.“

Die Version des betagten Angeklagten klingt anders. „Ich habe einen kleinen Schlag gespürt, rechts vorne, und war der Meinung, ich bin vielleicht an einen Bordstein geraten.“ Ein Auto habe er gar nicht gesehen. Der Zeuge reagiert gelassen. „Dann hatte ich wohl eine Tarnkappe auf.“ Die beiden Wagen stießen an den vorderen Kotflügeln zusammen. Allein am Audi entstand ein Schaden von mehr als 3000 Euro.

Der Unfallverursacher bemerkte die Beulen an seinem Auto erst, als die Polizei bei ihm zu Hause auftauchte und den Ford aus der Garage holte. Ein Polizist: „Er war sich keiner Schuld bewusst. Aber bei dem Schadenbild – das musste man einfach merken. Wir reden hier ja nicht über einen kleinen Kratzer.“

Richter Andreas Lyra bescheinigt dem Angeklagten, er wirke „unbedarft und recht offen“. Aber: „Ich kann einfach nicht nachvollziehen, dass Sie kein Auto gesehen haben.“ Die Oberamtsanwältin beantragt eine Strafe von 800 Euro und neun Monate Führerschein-Sperre. Der Richter entspricht dem Antrag in vollem Umfang. Und sagt zum Verurteilten: „Vielleicht ist es psychologisch begründbar – und Sie haben gedacht: Augen zu und durch.“ - Olaf Moos

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