STL: "Wachstumszenith überschritten"

In Lüdenscheid wuchert das Grün an allen Ecken

Blühende Rosen als „Straßenbegleitgrün“ – das ist an der Teutonenstraße auch Anliegern zu verdanken.

LÜDENSCHEID ▪ „Wir sind in der Aufholphase. Der Wachstumszenith ist überschritten“, stellt STL-Werkleiter Heino Lange mit Blick aufs Grün fest. Das, so scheint es den Lüdenscheidern, überwuchert die Stadt an allen Ecken und Enden.

Der Eindruck dürfte sich auch in den nächsten zehn Spar-Jahren nicht ändern, vermutet er. Zahlenvergleiche zeigen ihm: Der Standard von früher ist Vergangenheit.

In den 80er-Jahren seien 30 Gärtner für die Stadt im Einsatz gewesen sowie 14 für Sportplätze und ähnliches. Heute gebe es noch 15 Mitarbeiter mit unterschiedlichen Einsatzgebieten in der Abteilung für Grünflächenunterhaltung: je zwei für Kommunalfriedhöfe, Baumschnitt und Straßenbegleitgrün, zwei bis drei für Spielplätze und Sportanlagen, ein bis zwei auf Sportplätzen, und im Schnitt fünf Leute für die Pflege von Grünflächen. Alle zusammen kommen auf rund 7200 Arbeitsstunden.

2006 konnten noch 14 000 bis 15 000 Arbeitsstunden für die Grünpflege in Lüdenscheid geleistet werden. Zur Halbierung der Arbeitsleistung komme der weitgehende Verzicht auf den Einsatz von Dritten, so Lange weiter. Rund 500 Kilometer Gehwege und 300 Kilometer Straßen sind hingegen geblieben. „Feuerwehrtätigkeit“ nennt Lange das, was möglich ist. Auf 500 000 Euro beläuft sich der Etat für Grünpflege noch. Tendenz: sinkend.

Für STL-Mitarbeiter seien die Einsatzpläne – inklusive zeitlicher Vorgaben – sehr strukturiert, nach dem Motto: Was kann man schaffen, Entsorgung der sich ansammelnden Grünabfälle eingerechnet? Doch wenn man montags planmäßig anfangen wolle und am Wochenende war Sturm – dann müsse man die nächsten Tage nur Folgen beseitigen und der Pflegeplan für die Woche sei geplatzt. Priorität hätten bei der Pflege und Kontrolle Schulwege und Spielplätze, Kreuzungen und Sichtbereiche sowie die Innenstadt.

Angesichts dessen, dass neu angelegte Flächen wie die rund um Treppenanlage und Tunneleingang am Sauerfeld binnen kürzester Zeit verwahrlosen, stellt sich die Frage nach der Planung. Der STL sei schon in einem frühen Stadium eingebunden, wenn es um Neuanlagen und Veränderungen gehe. Dabei weise man immer auf erforderliche Pflege hin. Aber deshalb könne man schließlich nicht auf Grünanlagen verzichten, findet Lange. Man müsse eben mit Einschränkungen leben: „Dass das keinem gefällt, ist klar.“ „Mal eben“ lasse sich aber auch neu Angelegtes nicht pflegen: „Wie viele Leute soll ich denn ‘mal eben’ was machen lassen?“

Bei Pflichtaufgaben, zu denen die Grünpflege gehöre, unterliege man zudem gesetzlichen Bestimmungen. Das heißt, Kräfte wie Asylbewerber, dürften keine Grünanlagen pflegen, sondern höchstens wilde Müllkippen räumen. Ähnliches gelte für die, die beim STL ihre Sozialstunden ableisteten. Hartz-IV-Kräfte gebe es – im Gegensatz zu früher – kaum noch. Das komme erschwerend hinzu.

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