Lüdenscheiderin zieht nach fristloser Kündigung vors Gericht

LÜDENSCHEID ▪ Gegen ihre fristlose Kündigung im Juni 2011 durch eine radiologische Gemeinschaftspraxis wehrte sich am Mittwoch in der Lüdenscheider Zweigstelle des Arbeitsgerichts Iserlohn eine 42-jährige Medizinisch-Technische Röntgenassistentin. Der Vorwurf: Fehlerhaft ausgeführte Röntgenaufnahmen hätten die Anfertigung neuer Bilder nötig gemacht. Zudem habe die Frau bei der Archivierung geschludert.

„Immer wieder gab es Unregelmäßigkeiten. Fast an jedem zweiten Arbeitstag hatten wir etwas zu bemängeln“, sagte einer der Radiologen als Vertreter aller Gesellschafter der Praxis und rechnete vor, wie hoch die Strahlenbelastung durch zusätzliche Röntgenaufnahmen ist.

Arbeitsrichter Körnig wunderte sich über den erheblichen Aufwand, den die Praxis hatte, um festzustellen, welche ihrer Mitarbeiterinnen die beanstandeten Aufnahmen gemacht hatte. Erst mit der Umstellung auf digitale Speicherung im Sommer 2011 habe lückenlos dokumentiert werden können, wer die Bilder gemacht habe, trug der Praxisvertreter vor. Genau an diesem Punkt setzte die massive Kritik des Richters ein. Es falle nicht in das Aufgabengebiet der Angestellten, für eine lückenlose Dokumentierung der Röntgenvorgänge und die Minimierung der Strahlenbelastung der Patienten geradezustehen. „Es sind die Ärzte, die für die organisatorischen Rahmenbedingungen zu sorgen haben. Sie als Verantwortlicher müssen Fehler, wie die von Ihnen beschriebenen, ausschließen. Diese Verpflichtung dürfen Sie nicht auf Ihre Angestellten ausgliedern“, belehrte Richter Körnig den beklagten Arzt. Eine Dokumentation sei immer möglich – ob handschriftlich oder per EDV. „Es muss immer nachvollziehbar sein, welcher Mitarbeiter welche Aufnahme gemacht hat. Das ist eine gesetzliche Verpflichtung“, betonte Körnig. Hier hakte auch der Anwalt der Klägerin ein. Bei der „schlampigen“ Organisation der Praxis den Angestellten die Schuld zuzuweisen, sei nicht in Ordnung.

In Anbetracht der Tatsache, dass auch das Kündigungsschreiben fehlerhaft und somit unwirksam sei, schlug der Richter einen Vergleich vor: Die Praxis solle eine Abfindung in Höhe von 7000 Euro und 13000 Euro ausstehendes Gehalt zahlen. Auf den Vorschlag, diesen Vergleich überprüfen zu lassen, reagierte der Anwalt der Klägerin verschnupft. Diese Hintertür akzeptierte er genauso wenig wie das späte Einlenken der Anwältin der radiologischen Praxis. „Jetzt reicht es. Das Gericht muss entscheiden“, so der Anwalt der Klägerin. ▪ Thomas Krumm

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