Lüdenscheiderin mit griechischen Wurzeln wirbt für Toleranz

Dimitra Kiriakidou ist viele Kommentare zur Krise in Griechenland leid.

LÜDENSCHEID ▪ „Wenn ihr den Pokal holt, verkauft ihr den dann, um eure Schulden zu bezahlen?“ – Dimitra Kiriakidou (33) ist sie so leid, die dummen Sprüche. Ihr - wir - die. Die Unterscheidung ist fein für Griechen, die in Deutschland leben.

Denn mit dem, was „da“ passiert, können sie sich nicht identifizieren. „Ich kann nichts dafür; keiner hier kann das.“

Das sehen offensichtlich auch immer mehr Griechen so, die in Deutschland Arbeit und Perspektiven suchen. Die Lüdenscheider Bevölkerungsstatistik verzeichnet diese Veränderung. In den Vorjahren verließen mal 31, mal 38 Griechen die Bergstadt; der große Umschwung kam 2011. Da steht in der Statistik plötzlich ein Plus von 143 Griechen. Menschen, Schicksale, die hier weitergehen. Allzu oft wird auch ihr Neuanfang begleitet von überflüssigen, verletzenden Kommentaren, findet die Lüdenscheiderin. Alles werde in einen Topf geworfen. Das macht sie wütend. „Ich wünsche mir mehr gesundes Denken“, sagt sie, die weiß, wovon sie spricht.

Hier ist sie Griechin. In Griechenland, wo sie mit der Familie ihren Urlaub verbringt, ist sie „irgendwie die Deutsche“. Beides hat seinen Stellenwert. „Ich kenne das Leben hier, dass alles einen Rhythmus hat, alles irgendwie geregelt ist.“ Das schätzt sie. In Griechenland könnte und wollte sie nicht leben. Aber der Stolz auf ihre Herkunft ist ungebrochen, wird eher stärker, je plumper die Anspielungen werden.

Geboren und aufgewachsen in Werdohl, lebt und arbeitet die Mutter eines achtjährigen Sohnes hier. Der besucht zweimal die Woche nachmittags die griechische Schule. Deren Bestand scheint nun zumindest fürs nächste Schuljahr gesichert; 170 Kinder aller Klassen halten hier sprachliche und kulturelle Verbindung zu ihren Wurzeln. Das sei wichtig auch für Griechen, die jetzt kämen.

Sie kennt ein Ehepaar in den Vierzigern, das nun nach Lüdenscheid zurückgekehrt sei, nachdem es vor 20 Jahren in Griechenland sein Glück versuchen wollte. Jetzt geht dort nichts mehr. „Die einfachen Leute leiden.“ Im Sommer kommen die beiden Kinder nach, 12 und 14 Jahre alt. Jobs haben die Eltern schon, über eine Leiharbeitsfirma. Es ist ein Anfang. Auch für diese Kinder sei es wichtig, dass die griechische Schule gerade jetzt erhalten bleibe. Sie bewahrt ein Stück Heimat, erleichtert den Übergang. „Die sind nicht aus Spaß hier. Aus Spaß verlässt man nicht Haus, Freunde und Familie“, sagt die Deutsch-Griechin. Wenigstens Fußball sollte in diesen Tagen noch Spaß machen, auch wenn der Freitag heikel wird. Doch: „Wir haben alle Flaggen zu Hause, weil wir nur den Fußball sehen.“

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