Erika Krampe - ein Leben im Puppenhaus

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Die 72-jährige Erika Krampe ist sehr glücklich und zufrieden mit ihren vielen Puppen, die sie innerhalb von 20 Jahren gesammelt hat

LÜDENSCHEID - Erika Krampe ist seit zwei Jahrzehnten eine leidenschaftliche Sammlerin von Puppen und Kaffeekannen. Heute gehören die rund 200 Püppchen zu ihrem Leben. Ihre erste Puppe bestand aus Nylonstrümpfen und war ein

Die Wohnung der 72-jährigen Erika Krampe wirkt auf den ersten Blick ganz normal. Aber dieser Eindruck ändert sich schnell. Schon beim Eintreten in den ersten Raum sind unzählige Puppen zu sehen, die sorgfältig auf vielen Regalen an der Wand, über der Tür und auf dem Schrank aufgereiht sind. Sie haben unterschiedliche Größen, Farben und Formen.

Die Puppen sind aus verschiedenen Materialien hergestellt und alle individuell gekleidet. Im Flur steht ein Regal mit diversen Kaffeekannen. Auch im Schlafzimmer liegen ein paar Puppen in einem Puppenwagen aus früherer Zeit. Im Wohnzimmer befinden sich weitere Kaffeekannen und nahezu einhundert Puppen. Sie sitzen auf dem Sofa, auf den Regalen und auf der Fensterbank. Es wirkt, als gehe man durch eine große Puppenstube.

Angefangen hat die Sammelleidenschaft mit Kaffeekannen

Angefangen hat die Sammelleidenschaft der 72-Jährigen in den 80er-Jahren mit Kaffeekannen. Sie hat rund 150 Kannen vor allem auf Trödelmärkten erworben. Und irgendwann hat sie dann ihre Liebe zu Puppen entdeckt. Sie besitzt heute ungefähr 200 Exemplare. „Früher wohnte ich zusammen mit meinem Ehemann in einem größeren Haus. Damals hatte ich viel mehr Platz und fast 50 Puppen mehr als heute.“

Die meisten stammen aus der ehemaligen DDR. Einige hat sie aus Spanien oder Rumänien. Erika Krampe erinnert sich an die Schaufensterpuppe aus Rumänien: „Ich habe dieses Püppchen dort gesehen und wollte es direkt haben. Doch der Ladeninhaber wollte es mir nicht verkaufen, da es nur zur Dekoration diente. Aber ich war hartnäckig, bekam das Püppchen schließlich doch und war sehr glücklich.“

Die ältesten Exemplare sind 114 Jahre alt

Diese Puppe gehört zu Erika Krampes Lieblingen. 

Die ältesten zwei Exemplare sind aus dem Jahre 1900 und somit 114 Jahre alt. „Ich liebe meine Puppen“, schwärmt die 72-Jährige. Einige ihrer Lieblinge bekommen sogar Namen. „Diese hier heißt Clara“, erklärt sie und zeigt auf eine Puppe in einem roten Samtkleid. Als Auswahlkriterium ist vor allem das Gesicht ausschlaggebend und nicht die Marke. Außerdem betont sie, dass sie ihre Celluloid-Puppen am liebsten hat. Natürlich müssen diese auch gepflegt werden.

 „Ich öle sie mit Babyöl ein, damit sie nicht porös werden. Die anderen entstaube ich ab und zu“, erläutert Erika Krampe. Dafür investiert sie unterschiedlich viel Zeit. Besonders im Winter kümmert sie sich um ihre Sammlung. Ihr ist es wichtig, dass die Puppen lächeln und nicht so abgenutzt aussehen. „Ich habe mal eine schäbig Aussehende für fünf Euro bei einem Picknick mitgenommen. Zu Hause habe ich sie geschminkt, ihre Haare gebürstet und ihr ordentliche Kleidung angezogen“, erzählt die Sammlerin. „Danach sah sie nicht mehr traurig aus“, sagt sie zufrieden.

Bei größeren steht ein Besuch in der Puppenklinik an

Kleinere Schäden repariert sie selbst und bei größeren steht ein Besuch in der Puppenklinik an. „Einmal bin ich nach Bonn gefahren, um die Risse im Gesicht einer Puppe wieder richten zu lassen.“ Manchmal näht sie auch Kleidung für kleinere Stücke: „Vor einiger Zeit habe ich einen Overall für mein kleinstes Püppchen genäht.“

Nicht nur in den Regalen sitzen ihre Sammelstücke, sondern auch auf dem Sofa oder in Kinderwagen sind sie sorgfältig aufgereiht.

Ihre erste Begegnung mit einer Puppe hatte sie Weihnachten 1945: „Ich war vier Jahre alt und mit meiner Familie auf der Flucht aus Pommern. Ich verbrachte die Feiertage auf einem Bauernhof. Meine Freundin bekam eine Puppenstube mit zwei beiliegenden Püppchen geschenkt. Ich wollte eins davon haben und habe mich mit ihr darum gestritten. Weil ich so traurig war, hat meine Tante mir daraufhin aus Nylonstrümpfen eine eigene Puppe genäht.“

Sie bedauert, dass sie diese heute nicht mehr hat. Als Kind war es ein „tolles Erlebnis“, wenn man eine Puppe bekam, da sie damals teuer und somit etwas ganz Besonderes waren. Umso trauriger war sie, als sie mit einer Puppe aus Pappmaschee an der Ems gespielt hatte. „Ich habe gesehen, wie die Puppe sich auflöste – und am Ende hatte ich nur noch ihren Kopf in meinen Händen“, erinnert sich die Hobby-Sammlerin. Heute ist Erika Krampe sehr glücklich und zufrieden mit ihrer Sammlung. „Ich könnte mich niemals von meinen Puppen trennen. Sie sind ein Teil meines Lebens.“

Die Puppenstube

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