Echtes Leben in der digitalen Plastikwelt

+
Vor knapp einem Jahr gründete die 22-jährige Elisa Ochmann den Blog Zunder. Heute folgen ihr regelmäßig rund 1000 Follower und lesen ihre Posts über ihre Interessen. Alles von sich preisgeben würde sie aber nicht: „Private Dinge müssen privat bleiben.“

LÜDENSCHEID -  Sich von der „Internet-Plastikwelt“ nicht verbiegen zu lassen und sich selbst treu bleiben – das ist das Credo von Elisa Ochmann. Die 22-jährige Lüdenscheiderin gründete vor knapp einem Jahr den Blog Zunder, auf dem sie über Mode, Lifestyle und Design schreibt.

Von Alisa Kannapin

Obwohl sie in der digitalen Welt auch von Berufswegen sozusagen „zuhause“ ist, sind ihr die wahren Werte des echten Lebens wichtiger.

Mit der Idee, einen eigenen Blog zu gründen, spielte Elisa Ochmann bereits vor Jahren. „Ich hab mich damals aber nicht getraut und hatte Hemmungen, weil man mit einem Blog natürlich sehr in der Öffentlichkeit steht und es ein Stück weit ja auch Selbstdarstellung ist. Also habe ich die Idee erst einmal wieder verworfen“, erklärt die 22-Jährige, die sich nicht nur für Mode, sondern auch für Grafikdesign und Journalismus interessiert. Daher wollte sie nach ihrem Abitur auch zunächst Modejournalismus an der Akademie für Mode und Design (AMD) in Düsseldorf studieren.

Letztlich scheiterte das Studium aber an der Finanzierung, da die AMD eine Privatschule ist. Um im kreativen Bereich bleiben zu können, begann sie 2010 eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Print und Digital.

Mit der Lehre kam mehr Erfahrung in der digitalen Welt und damit war auch der Wunsch nach einem professionellen Blog wieder präsent. Ein Name war auch schon gefunden. „Die Idee für Zunder hatte mein Freund, als er damals seine eigene Website gestaltet hat. Er hat den Namen für sich selbst dann doch nicht verwendet und ich fand ihn super.“ Denn Zunder steht für den Zündstoff, den Elisa Ochmann mit ihrem Blog vermitteln möchte, der Gedanken anregen und inspirieren soll.

Seit dem Blogstart im Juni vergangenen Jahres widmet sich die Lüdenscheiderin fast täglich den Themen Lifestyle, Mode und Design und kann so auch das Schreiben und ihre Affinität für Digitales miteinander verbinden. „Einen reinen Outfit-Blog anzubieten, wäre mir zu langweilig gewesen. Durch die verschiedenen Themengebiete bleibt es abwechslungsreich.“

Nachdem sie anfangs aufgeregt noch jeden einzelnen neuen Leser zählte, ist Ochmann heute viel gelassener geworden. Grund genug hat sie, denn mittlerweile lesen bis zu 1000 Follower (Anhänger) ihre veröffentlichten Beiträge. Täglich investiert sie nach Feierabend bis zu zwei Stunden in den Blog. „Viele denken, dass Bloggen nichts mit Arbeit zu tun hätte, aber das Ganze ist schon sehr zeitintensiv.“ Vor allem Outfitposts würden mit der späteren Bearbeitung der Bilder sehr lange dauern.

Mit der steigenden Leserschaft kamen auch die Anfragen von Unternehmen, die mit Ochmann eine Kooperation eingehen wollen. Für Otto promotete sie beispielsweise die neue Fernsehwerbung oder erstellte einen Vintage-Shopping-Guide für Expedia. Für diese Kooperationen erhält Ochmann ein Gehalt oder darf beispielsweise Kollektionsteile der Unternehmen behalten, wie zuletzt bei der Modemarke Hallhuber. Für den Taschen Verlag, der hochwertige Kunstbücher anbietet, stellt sie großformatige Bücher über Mode-Design vor und erhält dafür im Gegenzug die Rezensionsexemplare kostenlos.

Käuflich ist sie aber nicht und sie ist kritisch bei der Wahl der Kooperationspartner. „Ich habe letztens eine Anfrage von einer Kosmetikmarke bekommen, die ich aber abgelehnt habe. Ich kenne mich mit Make-up nicht so gut aus, um meine Leser in der Hinsicht beraten zu können. Und wenn das der Fall ist, lasse ich so was.“ Ihr ist wichtig, authentisch zu sein. „Ich denke, dass meine Leser merken, wenn ich hinter etwas nicht stehe. Kooperationen kennzeichne ich auch immer als Werbung.“

Doch der Blog-Alltag hat auch seine Schattenseiten. „Im Internet ist oft viel mehr Schein als Sein. Man lässt sich leicht von Blogs beeinflussen und manchmal auch einschüchtern.“ Das gelte vor allem für jüngere Frauen und Mädchen, denen es oft an gesundem Selbstbewusstsein mangele. Aber auch sie selbst beneide manchmal andere Blogger für ihren Lebensstil oder das perfekte Outfit. „Man fragt sich dann, wie die das schaffen, jeden Tag so gestylt auszusehen und wie sie sich teure Markenartikel leisten können. Das kann im schlimmsten Fall einen enormen Druck verursachen“, sagt Ochmann. Letztlich seien aber auch die vermeintlich perfekten Blogger einfach nur Menschen.

Um dieser Scheinwelt entgegen zu wirken und Oberflächlichkeiten kritischer zu beleuchten, hat die 22-Jährige die Rubrik „Live, Love, Laugh“ eröffnet. „Ich möchte einfach zeigen, dass nicht alles, was in der Internet-Plastikwelt vorgegeben wird, auch im realen Leben so ist und möchte an die wichtigen Werte im Leben erinnern.“

Weitere Informationen unter http://zunderzunder.blogspot.de/

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare