Lüdenscheider „Wüterich“ vor Gericht uneinsichtig

LÜDENSCHEID ▪ Mit einem besonders deftigen Fall hat es seit Mittwoch das Landgericht Hagen zu tun. Hier muss sich ein 69-jähriger Lüdenscheider wegen unzähliger Vorwürfe verantworten. Die scheinbar nicht enden wollende Anklageschrift reicht von Sachbeschädigung über Beleidigung bis hin zu Körperverletzung und Bedrohung.

So soll es der Angeklagte zwischen August und Dezember letzten Jahres immer wieder auf Nachbarn und Polizeibeamte abgesehen haben. Mit anscheinend wachsender Begeisterung war er bei jeder Gelegenheit mit üblen Beschimpfungen und Todesdrohungen auf sie losgegangen. Zudem hat er laut Anklage einem Behinderten den Beutel samt Behindertenausweis, in einem Supermarkt mehrere Tafeln Schokolade, einen Schal und in einer Metzgerei Brotaufstrich gestohlen. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er sich dann noch an der Erlöserkirche am Nummernschild des Pfarrers vergriffen. Auch sollen mehrere zerkratzte Autos auf sein Konto gehen. Nach weiteren Vorwürfen soll er die Diebstahlswarnungen in einem Supermarkt und den Lattenzaun der Richard- Schürmann-Realschule zerstört haben.

Vor Gericht gab der Mann gestern zunächst an, sich nicht an die Vorfälle erinnern zu können. Dann konnte er sich plötzlich doch zu einzelnen Vorwürfen äußern. So gab er die Zerstörung eines Blumenbeetes mit einer für ihn völlig logischen Erklärung zu: „Das habe ich gemacht, die waren kaputt.“ Auf die Frage des Richters, wie das denn bei gerade neu gepflanzten Blumen sein kann, fand der Angeklagte keine Antwort. Die hatte er aber beim Zaun der Schule parat. „Das haben die Schüler gemacht. Die treffen sich da immer nachmittags zum Trinken.“

Was die unzähligen Beleidigungen anbelangte, gab er sich unschuldig: „So etwas habe ich nicht gesagt. Ich möchte keinen beleidigen.“ Er vermutete hinter all den Anschuldigungen einen Komplott der Nachbarn. „Die wollen mich ins Gefängnis stecken. Ich tu doch keinem was. Ich bin ein friedlicher Nachbar“, so seine Erklärung.

Das sahen die vielen Zeugen jedoch gänzlich anders. Sie bestätigten gestern die Vorwürfe und legten sogar noch nach. So schilderten sie, dass der Angeklagte immer wieder Müll auf der Straße verteile. Auch spiele er sich als Sheriff auf, indem er sich Autofahrern die in der 30er-Zone zu schnell unterwegs seien, in den Weg stelle, sie bedrohe und beleidige.

Im Mittelpunkt des Prozesses steht die Frage, ob für den 69-Jährigen aufgrund einer psychischen Erkrankung die Unterbringung in einem psychiatrisches Krankenhaus in Betracht kommt. Am 21. Juni wird der Prozess mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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