Mann (38) lässt Joint im Schülerkreis herumgehen - verurteilt wird er wegen eines anderen Vergehens

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In dem Rucksack des Angeklagten befanden sich zwölf Gramm Marihuana, 37 Gramm Amphetamin und 21 Gramm Ecstasy.

Lüdenscheid – Die lautstarke Empörung einer jungen Frau über ihr angeblich geklautes Handy veranlasste Nachbarn am 24. Juli 2019 gegen drei Uhr morgens zu einem nächtlichen Anruf bei der Polizei. Die Beamten begegneten der Quelle des ruhestörenden Lärms nicht in der benannten Wohnung, sondern schon zuvor am Loher Wäldchen.

In Begleitung der 16-Jährigen ohne Handy, die wegen des vermuteten Diebstahls angeblich zur Polizei wollte, befanden sich zwei Männer: Ein 38-jähriger Lüdenscheider versteckte beim Herannahen der Beamten einen Rucksack hinter einem Baum. Sein Begleiter erweiterte das Spontandepot um eine blaue Sporttasche.

Die Polizisten wunderten sich und fanden in der Sporttasche nichts. In dem Rucksack befanden sich hingegen zwölf Gramm Marihuana, 37 Gramm Amphetamin und 21 Gramm Ecstasy. Der 38-Jährige bestritt gegenüber den Beamten, dass der Rucksack ihm gehöre. Er habe ihn gefunden. Seine Personalpapiere im Drogenrucksack erzählten allerdings etwas Anderes.

Und so legte der 38-Jährige im Landgericht Hagen ein umfassendes Geständnis ab. „Der Rucksack ist von ihm hinter dem Baum versteckt worden“, erklärte Verteidiger Dominik Petereit im Namen seines Mandanten. „Er bedauert es. Er räumt es unumwunden ein.“ Das brachte der Angeklagte mit Blick auf die gefundenen Drogen selbst zum Ausdruck: „Ich schäme mich zutiefst.“

Zuvor hatte der Verteidiger die Interessen seines Mandanten in einer langen internen Beratung mit dem Staatsanwalt und der 9. großen Strafkammer vertreten. Einiges war aus dem Weg zu räumen: Am Tatbestand des Besitzes einer nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln ließ sich nichts deuteln: Das Gewicht von Amphetamin und Ecstasy-Pillen überschritt zweifach die Grenzwerte zur nicht geringen Menge. Damit lag die Mindeststrafe bei einem Jahr.

Ein Klappmesser, das der 38-Jährige bei sich hatte, nährte den Verdacht eines „bewaffneten Handeltreibens“. Das hätte die Mindeststrafe auf fünf Jahre gesteigert. Das eingeklappte Obstschnitz-Messer, das gar nicht kurzfristig einsatzfähig gewesen wäre, spielte bei der Urteilsfindung letztlich keine Rolle. Ein gravierender Vorwurf war die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige. Denn vor der nächtlichen Szene am Loher Wäldchen war der Angeklagte in seiner Wohnung von drei Frauen und seinem männlichen Sporttaschen-Begleiter besucht worden.

Dabei hatte er einen Joint gedreht, der die Runde gemacht und dabei ein bis zwei 16-jährige Mädchen nicht ausgelassen hatte. Eine von ihnen hatte bei der Polizei noch gewusst, dass sie mal an der Tüte gezogen hatte. Vor Gericht wollte sie davon allerdings nichts mehr wissen, was ihr einige Ermahnungen zum Thema „Wahrheitspflicht vor Gericht“ einbrachte. Sie blieb merkwürdig standhaft und erzählte von ihrer etwas mitgenommenen Verfassung bei der polizeilichen Vernehmung: „Ich war betrunken. Ich habe gesagt, ich hatte gezogen, und ich hatte gar nicht gezogen.“

Die Richter beschränkten sich bei der Urteilsfindung letztlich auf das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, das sie als minderschweren Fall einstuften. Dafür gab es letztlich eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. „Gegen den Angeklagten spricht eigentlich nichts“, würdigte der Vorsitzende Richter Christian Hoppe den persönlichen Eindruck und das „von Reue getragene Geständnis“ des nicht vorbestraften Angeklagten mit „festen beruflichen Bindungen“. Nur in einem Punkt glaubten die Richter seinem Bericht über die Pläne in jener Nacht nicht: „Wir haben Ihnen nicht abgenommen, dass Sie die Drogen zur Polizei bringen wollten.

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