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Versicherungsexperte klärt auf: Wer kommt für die Schäden auf?

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Von: Hans-Georg Gottfried Dittmann

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Bei Autos, so sagt Kurt Nörenberg aus Lüdenscheid, sei die Regulierung von Hochwasserschäden relativ unproblematisch.
Bei Autos, so sagt Kurt Nörenberg, sei die Regulierung von Hochwasserschäden relativ unproblematisch. © Cornelius Popovici

Überflutete Straßen, weggeschwemmte Autos, eingestürzte Häuser und zerstörte Brücken – der Starkregen und das Hochwasser haben Teile von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verwüstet.

Märkischer Kreis – Es gibt zahlreiche Vermisste und Tote. Wenn Menschen sterben, sind Sachschäden zweitrangig. Doch spätestens, wenn das Wasser weg ist, stellt sich die Frage, wer für die Schäden aufkommt. Überflutete Straßen, weggeschwemmte Autos, eingestürzte Häuser und zerstörte Brücken – der Starkregen und das Hochwasser haben Teile von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verwüstet. Es gibt zahlreiche Vermisste und Tote. Wenn Menschen sterben, sind Sachschäden zweitrangig. Doch spätestens, wenn das Wasser weg ist, stellt sich die Frage, wer für die Schäden aufkommt.

Jetzt fragen sich viele Betroffene, welche Versicherung für die Schäden aufkommt.

Autos

Bei Autos sei das relativ unproblematisch, berichtet Kurt Nörenberg, Ehrenvorsitzender des Bezirksverbandes Hagen/Arnsberg und Landesspressesprecher NRW im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Für Unwetterschäden am Auto, Wohnmobil oder Wohnanhänger kann eine Teilkaskoversicherung aufkommen. Diese greift bei Schäden, für die keine dritte Person verantwortlich gemacht werden kann.

Zum Beispiel nach Überschwemmungen, Sturm, Hagel, Blitzschlag oder Brand besteht Schutz bei Beschädigung, Zerstörung, Totalschaden oder Verlust des Fahrzeugs und der mitversicherten Teile. Kaskoversichert ist der Wiederbeschaffungsaufwand des Fahrzeugs. Je nach Tarif können unterschiedliche Selbstbehalte vereinbart werden. Wer nur die vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung hat, muss den Schaden aus eigener Tasche zahlen.

Manche Extremrisiken können allerdings einen Extraschutz benötigen. Bei einer Vollkaskoversicherung ist ein Teilkasko-Schutz bereits inklusive, ergänzt Nörenberg und schränkt ein: Lawinen, Erdrutsch und Erdsenkung seien oft extra abzusichern. Es komme aber auf den Tarif an, manche Anbieter versichern diesen Extraschutz bereits mit. Der vereinbarte Selbstbehalt der Kasko wird zwar fällig, sagt Kurt Nörenberg. Doch in der Schadenfreiheitsklasse der Vollkasko werde man nicht hochgestuft: „Dort betrifft es ja den Bereich der inkludierten Teilkasko, für die es keine Schadenfreiheitsklassen gibt.“

Eine besondere Warnung gilt den Autofahrern. Wer mutwillig ausprobiert, ob er mit dem Wagen ein überflutetes Straßenstück schafft und dann stecken bleibt, geht leer aus. Besonders Geländewagenfahrer, sagt Nörenberg, schienen manchmal verblüfft zu sein, wenn ihr Wagen es nicht schaffe, weil ein Wasserschlag in Sekunden den Motor zerstört. Dann habe man plötzlich nicht nur kein Auto mehr, sondern auch die Geldquelle Kasko-versicherung sei versiegt.

Auch im Vorfeld seien Fahrzeughalter besser wachsam und sollten potenzielle Gefahren meiden. Wer etwa trotz Hochwasserwarnung sein Auto am Hafenbecken parke, handle möglicherweise grob fahrlässig und bekomme den Schaden nur anteilig ersetzt,

Wohnhäuser/Hausrat

Für Folgen von Naturgewalten, wie unter anderem Sturm und Hagel, die auch große Schäden anrichten können, versicherte man, so nennt es Kurt Nörenberg, „schon immer“ die Immobilie durch Gebäude- und den Haushalt durch Hausratversicherungen. Doch für die jetzigen Schäden, die durch das Unwetter und Rückstaus in der Kanalisation entstehen, seien nur Elementarschadenversicherungen zuständig. Diese deckten dann aber nicht nur Hochwasserschäden ab, sondern auch Schäden, die durch Erdrutsche, Lawinen, Schneedruck, Erdsenkung und sogar durch Erdbeben entstanden sind.

„Bei einem guten Vermittler wird eigentlich immer auf diesen Aspekt hingewiesen“, sagt Nörenberg

Die Höhe der Entschädigung hängt ab von der Versicherungssumme, vom Ausmaß des Schadens und davon, ob eine Selbstbeteiligung vereinbart ist.

Erweiterte Police

Die Wohngebäudeversicherung mit erweiterter Naturgefahrendeckung übernimmt die Kosten für:

Die Hausratversicherung mit erweiterter Naturgefahrendeckung sichert den kompletten Hausrat ab:

Die schlechte Nachricht: Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben in NRW nur 40 Prozent der Haushalte einen solchen Versicherungsschutz. „Deshalb werden wahrscheinlich die meisten Hausbesitzer keine Entschädigung durch ihre Versicherung erhalten und leider die Schäden selbst bezahlen müssen“, stellt Kurt Nörenberg fest. „Für viele kann das einen wirtschaftli-chen Ruin bedeuten, sofern sie nicht staatliche Unterstüt-zung erhalten.“

Betriebe

Auch Firmen können ihre Betriebsunterbrechungsversicherung mit einem Schutz gegen Elementarschäden komplettieren. Sollte es dann zu einem Schadensfall durch einen Starkregen wie jetzt kommen, kann die Betriebsunterbrechungsversicherung das Unternehmen optimalerweise finanziell so stellen, als hätte diese erzwungene Unterbrechung niemals stattgefunden. Die Versicherungsleistung wird in der Regel ab dem ersten Tag des Ausfalls beziehungsweise nach Ablauf einer vereinbarten Karenzzeit bis zur Wiederaufnahme der ordnungsgemäßen betrieblichen Tätigkeit erbracht.

Gewässerschäden

Nicht versichert bei Elementarschadenversicherungen sind Gewässer- und Hausschäden, die durch das Auslaufen von Heizöl entstehen, wenn das Hochwasser den Keller überflutet und sich die Tanks aus ihrer Verankerung reißen beziehungsweise „auf-schwimmen“. Das Heizöl mischt sich dann mit dem Brackwasser. „Für diese Ölschäden am eigenen Haus und die Gewässerverunreinigung, für die der Tankbesitzer haftet, reicht eine um Elementarschäden erweiterte Gebäude- oder Hausratversicherung nicht aus“, betont Nörenberg. „Deshalb sollten Hauseigentümer mit Ölheizungen, selbst wenn sie sich absolut sicher vor Überschwemmungsschäden fühlen, an eine Gewässerschadenhaftpflicht- beziehungsweise Öltankversicherung denken, die auch eigene Öl-Schäden am Haus abdeckt.“

Richtiges Verhalten

Für alle Betroffenen, so sagt Kurt Nörenberg, gilt: Informieren Sie so schnell wie möglich Ihren betreuenden Versicherungskaufmann, noch bevor Aufträge an Handwerker vergeben werden. Dort erhalten sie auch wertvolle Tipps, wie Sie zum Beispiel bei den Aufräumarbeiten vorgehen sollten.“

Mieter wenden sich an ihren Vermieter. Der Schaden sollte möglichst gering gehalten werden. Hausbesitzer sollten also zum Beispiel zerstörte Fenster provisorisch abkleben und herumliegende Gegenstände wegräumen. Die Versicherung bezahlt die notwendige Wiederherstellung beziehungsweise Sanierungsmaßnahmen, etwa wenn es darum geht, den Keller trockenzulegen oder die Bodenbeläge zu erneuern. Schäden an der Einrichtung, Haushaltsgeräten und Kleidung sind hingegen Sache der Hausratversicherung – sofern die Betroffenen auch hier einen Schutz gegen weitere Naturgefahren vereinbart haben.

Um unnötige Risiken zu vermeiden, sollten Wasserschäden nicht übereilt und ohne Fachkenntnisse behoben werden, rät Kurt Nörenberg. Als Erstes lohne sich ein Blick auf die Versicherungs-Policen. „Die Betroffenen sollten nachsehen, ob sie in ihrer Wohngebäudeversicherung beziehungsweise Hausratversicherung eine Absicherung gegen weitere Naturgefahren vereinbart haben“, falls ja, bezahlt die Versicherung die notwendigen Sanierungsmaßnahmen, etwa wenn es darum geht, den Keller trockenzulegen oder die Bodenbeläge zu erneuern. Schäden an der Einrichtung, Haushaltsgeräten und Kleidung sind hingegen Sache der Hausratversicherung – sofern die Betroffenen auch hier einen Schutz gegen weitere Naturgefahren vereinbart haben.

Um unnötigen Risiken zu vermeiden, sollten Wasserschäden nicht übereilt und ohne Fachkenntnisse behoben werden. Wenn etwa der Keller überflutet sei, dürfe er erst ausgepumpt werden, wenn der Wasserstand außen sinke.

„Sonst wird das Mauerwerk unterspült oder aufgeschwemmt und es entstehen Risse. Im schlimmsten Fall ist die Statik des Gebäudes in Gefahr“, erklärt Kurt Nörenberg. Betroffene können allerdings damit beginnen, die Sachen aus dem Keller zu räu-men und zu trocknen.

Sobald der Wasserspiegel falle, sei Eile angesagt: Schlamm und Dreck sollten entfernt werden, bevor alles trockne. Dann folge die erste Bestandsaufnahme. Die Versicherungen schickten hierfür einen Gutachter.

Ob Wände und Böden getrocknet werden können oder ein Austausch notwendig ist, entscheidet laut Kurt Nörenberg am besten eine Fachfirma. Die Versicherung gegen weitere Naturgefahren brauche hierfür einen Kostenvoranschlag. Die Bewohner könnten die Arbeiten jedoch unterstützen, indem sie viel und intensiv lüften.

Für die Versicherung sei es zudem wichtig, dass alle beschädigten Gegenstände genau aufgelistet werden. „Wir empfehlen immer, alle Schäden zu fotografieren – auch Gegenstände, die nur noch für die Mülltonne taugen oder im Container landen. Dann ist die Abwicklung hinterher einfacher“, erläutert Kurt Nörenberg.

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