Innovatives Medizinprodukt

Lüdenscheider Unternehmen erhält NRW-Effizienzpreis

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Preiswürdig: Die innovative Antriebstechnik für Spülpistolen (rechts vorne) spart Batterie- und Elektronikmüll (links vorne). Olaf Thiessies (links), Geschäftsführer von UTK Solution, und Mitarbeiter Friedrich-Wilhelm Köllenbach stellen das Medizinprodukt vor.

Lüdenscheid – Der Effizienzpreis des Landes Nordrhein-Westfalen geht nach Lüdenscheid: Die Firma UTK Solution mit ihrem Geschäftsführer Olaf Thiessies hat die Auszeichnung für die Entwicklung eines ressourceneffizienten Produktes bekommen: eine Spülpistole mit wiederverwendbarer Antriebseinheit für den medizinischen Bereich, genannt „Blue Lavage“. Der Preis wurde in Köln verliehen. 38 Unternehmen hatten sich beworben.

Müll zu verursachen, ist nicht effizient. Müll zu vermeiden – das ist effizient. Doch in der Medizintechnik ist Wiederverwendung aus hygienischen Gründen ein Problem. „Das Thema Umweltschutz ist bei allen angekommen“, sagt hingegen Olaf Thiessies, der sich mit seiner 2011 gegründeten Firma an der Sedanstraße auf Medizinprodukte spezialisiert hat. 

Gute Kontakte in die Medizinbranche, die Mitarbeiter Friedrich-Wilhelm Köllenbach mitbrachte, sorgten dafür, dass UTK Solution die Bedürfnisse des Marktes, von Krankenhäusern und Ärzten, immer besser kennenlernte. Und die speziellen Probleme ebenfalls. 

Zum Beispiel die Ressourcenverschwendung bei Operationen. So kommen – etwa beim Einsetzen von Knieprothesen – Spülpistolen zum Einsatz, die gleichzeitig säubern und absaugen können. Dadurch werde das OP-Gebiet nicht überschwemmt. Wenn ein Knochen zum Beispiel an das Implantat angepasst werden müsse, gerieten Knochenreste und Knochenmehl in die Wunde. Eine Kochsalzlösung spüle das ab, Reste würden zusammen mit der Flüssigkeit sofort wieder abgesaugt. „Es gibt viele Anwendungen, wo sich Spülen und Absaugen ideal anbietet.“ Dabei sei die Saugleistung immer größer als die Spülleistung. 

Bislang, so erzählt Olaf Thiessies, würden diese Komplettprodukte nach wenigen Minuten Anwendung weggeworfen. Pro Einsatz würden so bis zu acht Batterien entsorgt, dazu kämen ein Elektromotor sowie Kabel und Metallteile aus unterschiedlichen Materialien. Beispielhaft hochgerechnet auf 200 000 Anwendungen im Jahr kämen so allein 1,6 Millionen Batterien zusammen sowie Tonnen von Sondermüll. Thiessies: „Da haben wir gedacht: Das kann nicht sein.“ Das sei ein irrsinniger, einmaliger Materialeinsatz: „Die Batterien fliegen alle in den Müll.“ 

Nach rund zweijähriger Entwicklungsarbeit konnten die Lüdenscheider ihre innovative Lösung vorstellen – eine Spülpistole, deren Antriebseinheit bis zu 150 Mal wieder aufladbar ist. Dieser Wert lasse sich noch erheblich steigern, ist Thiessies überzeugt. Doch zunächst wolle man Erfahrungen sammeln und auswerten. Die keimarme Antriebseinheit mit ihren Elektronikbauteilen lasse sich sicher in eine sterile Kunststoffhülle einsetzen. „Am Ende aller Tage können wir sortengerecht entsorgen“, so Thiessies. Und all das „made in Germany“. 

Bei der Entwicklung habe man viele Firmen im Umkreis eingebunden. „Da schlägt mein Herz für Südwestfalen“, sagt der Diplom-Ingenieur. „Hier gibt es so fantastische kleine mittelständische Unternehmen, da können wir auf der Weltbühne locker mitspielen.“ Und nicht nur das: Das Netzwerk hilft auch bei ehrgeizigen, innovativen Ideen. „Wir arbeiten mit vielen Lieferanten und Externen zusammen. Man muss gar nicht alles selber machen“, betont Thiessies, der ein Team von sechs festangestellten Mitarbeitern beschäftigt. 

Die Elektronik-Expertise habe man beispielsweise dazu geholt. Dadurch sei der Antrieb sehr effizient – und leise – geworden. 

Bei der Teamarbeit setzt der Lüdenscheider auch auf junge Leute, die manchen Input für alteingesessene Ingenieure lieferten. Drei Mitarbeiter hätten während der Entwicklung des Themas ihre Bachelor-Arbeit geschrieben. 

Seit September haben sie nun die Zulassung für dieses Medizinprodukt, ein Prozess, der bis zu zwei Jahre dauern könne. 

Auf der Medizin-Fachmesse Medica, die noch bis zum 21. November in Düsseldorf stattfindet, wollen die Lüdenscheider nun mit ihrem Produkt national und international durchstarten – sicherlich versehen mit zusätzlichem Schwung durch die Auszeichnung.

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