Einzug ins Altenheim oft erst mit 80

Lüdenscheider über 100, der älteste Mensch der Stadt ist sogar...

+

Lüdenscheid - Die Menschen werden immer älter, und das trifft auch auf die Lüdenscheider zu. Die älteste Bürgerin ist 107 Jahre alt, und Bürgermeister Dieter Dzewas war als Stadtoberhaupt in diesem Jahr auch zu einem 105. Geburtstag eingeladen. 16 Personen in Lüdenscheid sind derzeit 100 Jahre alt und älter. 

Das steigende Alter können auch die Seniorenzentren bestätigen. „Wir haben mehrere 100-Jährige in unserer Einrichtung – drei, um genau zu sein. Vor kurzem ist die Älteste mit 105 Jahren verstorben“, sagt Christian Apelt, Heimleitung des Awo-Seniorenzentrums Lüdenscheid. Und auch in der Einrichtung Johanniter-Stift Oeneking gibt es eine Dame über 100 Jahre sowie im Amalie-Sieveking-Haus, im Dietrich-Bonhoeffer-Haus und im Seniorenwohnheim Weststraße.

„Wir haben eine Dame hier, die ist 101 Jahre alt und eine weitere wird am 24. Dezember 100“, sagt Simone Traber, Pflegedienstleiterin des Seniorenwohnheims an der Weststraße.

Die übrigen Einrichtungen haben derzeit keine Bewohner in dem hohen Alter, können aber alle bestätigen: Alle paar Jahre kommt es vor, dass so ein Ereignis auch bei ihnen gefeiert werden kann. „Die Älteste bei uns im Haus Elisabeth ist 107 geworden. Sie ist vor drei Jahren gestorben. Aber sie war bis zum Ende ihres Lebens fit und hat sich an allen Aktivitäten im Haus beteiligt“, sagt Olga Merkel, Einrichtungsleiterin der Caritas-Einrichtung. Viele, die so alt würden, seien bis zum Ende fit und würden ihr Gedächtnis trainieren.

„Während meiner Ausbildung vor 15 Jahren habe ich eine Dame kennengelernt, die 102 Jahre alt geworden ist. Sie sagte zu mir: Solange man sich bewegt und selbstständig ist, bleibe man auch am Leben“, erinnert sich Olga Merkel. Allerdings seien es in den vergangenen zehn Jahren, die sie in der Einrichtung arbeitet, nur Frauen, die dieses Alter erreicht hätten.

Udo Terschanski, Einrichtungsleiter im Amalie-Sieveking-Haus und im Dietrich-Bonhoeffer-Seniorenzentrum, hat jedoch eine andere Erfahrung gemacht: „Wir hatten bis vor wenigen Wochen auch einen Mann im Amalie-Sieveking-Haus, der 100 Jahre alt geworden ist.“ Der Gesundheitszustand sei in diesem Alter sehr unterschiedlich, erklärt er zudem, da es sich um eine ganz kleine Gruppe handele. Diese Beobachtung machte auch Eva Manns, Einrichtungsleiterin des Johanniter-Haus Lüdenscheid und des Johanniter-Stift Oeneking. „Sowohl stark beeinträchtigte Senioren als auch Bewohner, die sehr fit waren, haben in unseren Einrichtungen so ein hohes Alter erreicht“, erklärt sie.

Dadurch, dass die Menschen immer älter werden, ist jedoch auch das Durchschnitts- und vor allem das Einzugsalter in den Senioreneinrichtungen gestiegen. „Früher lag das Einzugsalter durchschnittlich bei Ende 60, jetzt liegt es bei Anfang bis Mitte 80“, sagt Sigurd Lobe von der Seniorenresidenz Reseda-Lutea. Der Grund dafür liege seiner Meinung nach darin, dass die Personen heutzutage teilweise zuhause durch ambulante Pflegedienste betreut würden. Dadurch könnten sie länger in ihrem eigenen Heim bleiben, aber auf der anderen Seite gebe es mehr demente Heimbewohner als früher. Zudem sei es nicht die Mehrheit, die so alt werde. Viele sterben, bevor sie in ein Altenheim ziehen.

Dass sich das Alter beim Einzug in das Altenheim nach hinten verschoben habe, können auch die meisten anderen Einrichtungen bestätigen. „Vor 20 Jahren waren die Bewohner noch etwas fitter und jünger, wenn sie zu uns gezogen sind. Jetzt sind die meisten 80 bis 85 Jahre alt und Einzelne auch schon 90, wenn sie einziehen“, sagt Beate Meyer, Pflegedienstleiterin im Haus Toscana. So ist es auch im Haus Elisabeth. „Das Durchschnittsalter der Bewohner lag letztes Jahr bei uns bei 89 Jahren. Meistens kommen sie mit 80 Jahren ins Heim. Nur Vereinzelte schon mit 60, wenn etwas Gravierendes passiert ist, wie ein Schlaganfall zum Beispiel, und eine Pflege zuhause nicht möglich ist“, sagt Olga Merkel. Vor zehn Jahren habe das Alter beim Einzug hingegen noch bei 75 bis 78 Jahren gelegen.

„Das Alter an sich hat sich bei uns nicht stark geändert. Die Meisten sind zwischen 79 und 82 Jahren, wenn sie hier dauerhaft einziehen. Was sich jedoch geändert hat, ist der gesundheitliche Zustand“, sagt hingegen Christian Apelt (Awo).

Ein Nebeneffekt, der dabei Filiz Hamachers, Heimleiterin der Seniorenzentrums Hellersen, aufgefallen ist: „Die Verweildauer der Bewohner bei uns ist kürzer geworden. Es ist seltener geworden, dass jemand zehn bis 20 Jahre bei uns lebt“, sagt sie. Heute liege die Verweildauer oft bei bis zu fünf Jahren. Zudem hätten die Bewohner häufig chronische Erkrankungen und einige auch schon eine lange Pflegezeit im Eigenheim hinter sich. „Einige kommen auch nach akuten Verletzungen zu uns in die Einrichtung, zum Beispiel nach einem Sturz“, erklärt sie. Wenn sich die Person dabei zum Beispiel einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen habe, würden die Angehörigen oft merken, dass sie die Pflege selbst nicht mehr leisten können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare