"Ein komisches Schuljahr"

Abschluss in Corona-Zeiten im MK: Eltern fahren Schüler ins Zeugnis-Drive-in

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Ungewöhnliche Zeugnisvergabe: Nach Art eines Autokinos bekamen die Schüler ihr Abschlusszeugnis.

Lüdenscheid - „In Coronazeiten macht die Not erfinderisch.“ In zwei Etappen hieß Christiane Langs-Blöink, Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule (THR), Zehntklässler und ihre Eltern am Mittwoch zu einer außergewöhnlichen Zeugnisvergabe, die es so in der fast 75-jährigen Schulgeschichte noch nie gab, willkommen.

„Ein bisschen Autokino, ein bisschen warten wir darauf, dass wir auf die Fähre kommen“, beschrieb sie das Konzept, das es den Schülern trotz Pandemie und Abstandsregeln ermöglichte, gemeinsam mit ihren Eltern einen unvergesslichen, emotionalen Abschied von der Schule zu feiern. „Es sollte so spektakulär sein, dass ihr noch in 30 Jahren davon sprecht.“

Die Idee: die Familien nach Art eines Autokinos vom Fahrzeug aus an einem kleinen Rahmenprogramm teilnehmen zu lassen, die Jugendlichen klassenweise unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften auf der großen Eingangstreppe zu versammeln und ihnen dann einzeln die Zeugnisse mit einem Augenzwinkern auf einem silbernen Tablett zu überreichen. Ausgeklügelt hatte das Ganze, das bei 131 Schülern und nahezu ebenso vielen Fahrzeugen überraschend gut funktionierte, Petra Hering, Klassenlehrerin der 10c.

Tatkräftig standen ihr das Hausmeisterpaar Walter und Martina Geitz sowie Timo Rittberg als zweiter Hausmeister bei der Umsetzung ihres bis ins letzte Detail sorgsam geplanten Vorhabens zur Seite. Als Ordner, Einweiser, Verteiler von Nummern für die von der Gustavstraße her einfahrenden Fahrzeuge, Zeichengeber für die Ausfahrt über den Schulhof der benachbarten Grundschule Wefelshohl, Mitbringsel-Verteiler fürs Autokino-Feeling und vieles mehr war das gesamte Kollegium im Einsatz, damit die einmalige Zeugnisvergabe gelingen konnte.

Die Klassen 10a und 10b machten den Anfang. Als zweite Gruppe fuhren die Schüler der 10c, 10d und 10e mit ihren Familien vor. Entsprechend der Reihenfolge, wie die Schüler die Schule verließen, fuhren die Elternfahrzeuge vor und luden ihre Kinder wieder ein. Dank der Nummern der Fahrzeuge und entsprechender Einweisung in die durch Flatterband gekennzeichneten Fahrspuren funktionierte alles reibungslos.

Abschlussfeier in Corona-Zeiten: Zeugnis-Drive-in an der Theodor-Heuss-Realschule

Jeder wusste, wo er sein Fahrzeug abstellen musste und wann er losfahren musste, um die Jugendlichen nach Erinnerungsfotos durch zwei Fotografen und Spalier der Lehrer, die jeden Einzelnen mit einer Laolawelle verabschiedeten, einzusammeln. „James, den Wagen bitte!“, scherzte Schulleiterin Christiane Langs-Blöink. Damit auch diejenigen, die sich noch in der Warteschleife befanden oder weiter entfernt auf dem Schulhof parkten, das Geschehen ungestört mitverfolgen konnten, gab es eine Live-Schaltung, die an einem mobilen Endgerät im Fahrzeug verfolgt werden konnte.

Ein dickes Dankeschön ging an das Technik-Team, ohne dessen Know-how dies nicht möglich gewesen wäre. Insgesamt verabschiedete die THR 131 Schüler, darunter 118 mit einem Realschulabschluss, 70 davon mit Qualifikationsvermerk. Ohne Abschluss ging keiner der Schüler von der Schule ab. Die Klassenbesten und besonders engagierte Schüler zeichnete Christiane Langs-Blöink, die mit Blick auf Corona „ein komisches Schuljahr“ Revue passieren ließ, gesondert aus.

Auszeichnungen erhielten Batuhan Karakaya und Merve Tekir (10a), Lea Stellmacher und Irini Gkoutziou (10b), Amelie Grams und Ian Hellwig (10c), Susen Bursig und Lena John (10d), sowie Linn Kreisel und Lucy Koch (10e). Mit einem selbst komponierten Lied, das sie bewegend vortrug, machte Christiane Langs-Blöink ihren Abschlussklassen zudem noch ein besonderes Geschenk. „Besonders war dein Weg durchs Leben. Trau es dir zu – und Tränen gehören nun einmal dazu“, hieß es darin.

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