Lüdenscheider Tafel geht immer öfter das Essen aus

Zu wenig Händler und Märkte unterstützen die Lüdenscheider Tafel, die nicht mehr alle Bedürftigen satt machen kann.

LÜDENSCHEID - „Es tut uns leid, wir haben nichts mehr.“ Immer öfter ist dieser Satz an der Ausgabestelle der Lüdenscheider Tafel zu hören. Dann müssen Kleinstrentner, allein erziehende Mütter mit ihren Kindern, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger ohne die erhoffte Lebensmittelspende nach Hause gehen. Ist der Essensmangel absehbar, erhalten Bedürftige nicht einmal mehr den Ausweis, der zum Empfang berechtigt.

Dabei gibt es gerade jetzt Zuwachs: Drei bis vier neue Gesichter sehen die Ehrenamtlichen der Tafel an jedem der beiden Ausgabetage. „Gerade musste ich einer Witwe absagen, die eine Mini-Rente hat und nach dem Ausweis fragte“, schildert Tafel-Vorsitzende Ursula Schwarzkopf bittere Momente. Auf höchstens 65 Hilfsbedürftige sei die Tafel eingestellt, „es sind 80 – bei steigender Tendenz“.

Der Grund für die Lebensmittelknappheit liege aber vor allem darin, dass die Lüdenscheider Tafel bewährte Lieferanten aus Nachbarstädten verliert. Jüngstes Beispiel: In Iserlohn hatte sich eine Tafel neu gegründet, im Oktober folgt eine in Letmathe. Der dortige Real-Markt, seit Jahren großzügiger Spender für Lüdenscheid, will jetzt den Iserlohnern helfen. Und die baten die Lüdenscheider, ihnen die Anlaufstelle künftig allein zu überlassen. „Das haben wir schweren Herzens getan“, sagt Schwarzkopf. „Was sollten wir machen?“

Die Zahl der Adressen, die von Abholern aus der Bergstadt angefahren werden, geht damit weiter zurück. Ersatz zu finden unter Supermärkten, Bäckereien, Getränke- und Drogeriemärkten, Reformhäusern oder Wurst- und Fleischwarenherstellern, wird schwieriger: Obwohl die Tafel-Fahrer aus dem Verkauf genommene Waren so abholen, dass sie Betriebsabläufe nicht stören, hört Schwarzkopf nicht selten: „Das machen wir grundsätzlich nicht“ oder „Wir haben nichts übrig, wir disponieren gut.“ Wird ihr dann doch von Containern voller Lebensmittel dort erzählt, kann sie nur noch den Kopf schütteln.

Die Tafel bekommt auch von anderer Seite Druck. Ihr Mietkostenzuschuss, bisher aus einer Spende finanziert, wird zwar von der Stadt übernommen, doch die setzt auch hier ihre 20-prozentige Kürzung für freiwillige Leistungen an. Aus 8 500 Euro werden damit 6 800. Woher sie die Differenz nehmen soll, weiß Ursula Schwarzkopf noch nicht.

Kontakt für Lebensmittel- und Sachspender sowie interessierte Fahrer oder Helfer: Tel. 02351/ 96 29 74.

Spendenkonto-Nummer: 147 850, Bankleitzahl: 458 500 05, Sparkasse Lüdenscheid.

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