„Genürsel“ mit 52 Stichworten

In Lüdenscheid geboren: Der Autor Sven Himmen.

Lüdenscheid - Schuld ist eigentlich seine Frau. So schreibt’s zumindest der gebürtige Lüdenscheider Sven Himmen in seinem frisch erschienenen Buch „Genürselte Spritzbuben mit Kranzbinden“. Und was da im Titel so verdreht rüberkommt, zieht sich durch das gesamte, 230 Seiten starke Werk.

Sven Himmen wurde 1984 in der Bergstadt geboren, machte hier sein Abitur und wanderte dann ab nach Frankfurt. Dort schloss er eine Lehre zum Industriekaufmann ab, wollte sich allerdings fortan den kreativen Dingen widmen. Sein Versuch, in der Graffiti-Szene Fuß zu fassen, endete nach eigenen Aussagen damit dass er zwar Kontakte in die Lüdenscheider Szene pflegte, sein einziges öffentliches Werk allerdings in der Toilette einer spanischen Discothek zu bewundern ist.

Inzwischen studierte er Germanistik, zeichnet Comics über drei Pinguine und veröffentlicht Bücher – so wie „Genürselte Spritzbuben“. 52 Geschichten bietet das Buch, so viele Wochen wie das Jahr 2013, in dem die Texte entstanden.

Himmen nennt sie „Skizzen“ wie die eines Malers in seinem Skizzenbuch, quasi klassische Textskizzen, die am Ende für ein zusammenhängendes Buch glatt gebügelt wurden. Also was steht denn nun drin im „Genürsel“? Den Inhalt der 52 Textskizzen in Worte zu fassen, ist nicht einfach. Sven Himmens Frau warf Anfang 2013 52 Karten in eine Kiste, versehen mit ebenso alltäglichen wie unzusammenhängenden Begriffen wie Wand, Monster, Höhle, Kreditkarte, Geld, Romantik, Schlaf oder Verkleidung. Sven Himmen nahm sich jede Woche eine dieser Karten vor und schrieb rund um den Begriff eine kleine Geschichte. Mal kürzer, mal länger, mal abschweifend, mal nachvollziehbar, mal als Erinnerung an sein Idol, den Turtle Donatello, mal über Sterne, die Stadt, den Eiterfluss oder auch Dietmars Gestank beim Käsefest. Hier und da streute Himmen Lokalkolorit ein. Der Besuch bei Leffers zum Beispiel – „Was für ein schlimmer und abscheulicher Ort“ – oder seine ersten Jahre an der Tinsberger Grundschule. Die Ich-Erzählung endet damit, dass sich der Autor nicht sicher ist, dass das „Genürsel“ das erste und letzte seiner Art ist oder sich zu einer jährlichen Reihe entwickelt. Als Nürsel wird übrigens im Sauerland allgemein das Letzte bezeichnet, was vom einem Apfel übrig bleibt. Himmen hat das Wort auf einen Bleistift übertragen - einen „Stiftnürsel, der gern nürselt und dabei ein wahres Genürsel produziert“, wie Himmen schreibt. Wer also Lust auf Genürsel hat:

„Genürselte Spritzbuben mit Kranzbinden“, Textskizzen aus dem Jahr 2013, Sven Himmen, 236 Seiten, 12,99 Euro,

ISBN-10: 373920544X

ISBN-13: 978-3739205441

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