Nachbarn, die sich gut verstehen

„Ich wollte nur Erde verfüllen“: Mit dem Mini-Bagger durch Nachbars Garten

Supernachbar umgestaltung garten lüdenscheid
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Jürgen Manß (rechts) freut sich mit seinem Nachbarn Markus Moll, wie schön der Garten nach der Umgestaltung geworden ist. Im nächsten Jahr geht’s weiter - mit Pflanzen, Beleuchtung und kleiner Terrasse direkt hinter dem Haus.

Nachbarn, die sich gut verstehen, sind Markus und Silke Moll sowie Jürgen und Daniela Manß schon seit zehn Jahren. Die steil ansteigenden Gartengrundstücke der beiden Familien, die Haus an Haus an der Ecke Rathmecker Weg/Kaukenberger Weg wohnen, sind lediglich durch einen niedrigen, mittlerweile wie eine Schiebetür verschiebbaren Holzzaun getrennt.

Lüdenscheid - Molls wohnen seit 25 Jahren am Rathmecker Weg, die Familie Manß ist seit zehn Jahren am Kaukenberger Weg zu Hause. Baumaßnahmen im Garten, die sich von drei Tagen zu drei Monaten ausweiteten, schweißten die beiden Familien jetzt noch enger zusammen. So sehr, dass Markus und Silke Moll ihre Nachbarn zu Super-Nachbarn erklärten und prompt den Zuschlag erhielten.

„Wir haben davon nichts gewusst“, erzählt Jürgen Manß schmunzelnd. Seinem Nachbarn mit einem Mini-Bagger Zufahrt zu dessen Garten über das eigene Grundstück zu erlauben, war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Mehr noch: Er ermutigte ihn sogar, über das zunächst kleine Vorhaben hinaus das steile Gartengrundstück nach der Devise „Jetzt ist der Bagger einmal da“ komplett umzugestalten.

„Eigentlich wollte ich nur Erde verfüllen“, erzählt Markus Moll. „Daraus ist eine Großbaustelle geworden.“ 15 Tonnen Bruchstein, 43 Treppenstufen, Rollrasen und Split sind über das Grundstück von Jürgen und Daniela Manß bewegt worden. Der eigene Zugang zum Garten wäre für den Mini-Bagger viel zu schmal gewesen. Größer hätte der Bagger auch auf dem Nachbargrundstück, durch dessen Tor er so gerade hindurchpasste, nicht sein dürfen.

„Wenn man einmal zugange ist, sollte man das auch ausnutzen“, meint Jürgen Manß, der inzwischen den Bagger „übernommen“ hat und für eine Drainage tiefe Gräben um sein eigenes Haus ausgehoben hat. Von Mai bis Ende Juli widmete sich Markus Moll mit Nachbars Hilfe der schweißtreibenden Umgestaltung seines schwer zugänglichen Gartengrundstücks. Das Ergebnis ist, obwohl noch viel zu tun ist, schon jetzt bemerkenswert.

„Ich habe meinen Nachbarn sogar den Urlaub verdorben“, meint er entschuldigend.

Geduldig ertrugen Jürgen und Daniela Manß den Baulärm, der vom Nachbargrundstück ausging, selbst in den schönsten Wochen des Jahres, die sie coronabedingt zuhause verbrachten. „Es war immer Krach“, erzählt Daniela Manß augenzwinkernd. Statt sich zu beklagen, kochte sie ihrem Nachbarn immer wieder mal einen Kaffee.

Zugute halten Jürgen und Daniela Manß ihren Nachbarn, dass sie ihren Garten nach jedem Arbeitseinsatz picobello sauber und ordentlich hinterließen. Auf dem der Einfachheit halber zur Schiebetür umfunktionierten Gartenzaun stand immer ein Tablett mit Flaschenöffner und Erfrischendem für ein kleines Schwätzchen.

Als Dankeschön für ihre Geduld und Hilfsbereitschaft luden Markus und Silke Moll ihre Nachbarn jüngst ins Restaurant zum Essen ein. Der Zufall wollte es, dass auch andere Super-Nachbarn dort einen gemütlichen, genussvollen Abend verbrachten.

„Wir haben sehr viel gelacht“, erzählen die beiden Familien begeistert, die den gemeinsamen Restaurantbesuch auf alle Fälle wiederholen möchten. „Wir waren die letzten, die gegangen sind.“ Es sei eigentlich schade, dass sie sich nicht schon viel früher einmal einen derart geselligen Abend zu viert gegönnt hätten. „Man nimmt sich zu wenig Zeit dafür.“

Die vergangenen drei Monate hätten sie zusammengeschweißt, finden beide Familien. „Man kommt sich automatisch näher und lernt sich anders kennen.“ „Ich freue mich doch auch, wenn ich sehe, wie schön das geworden ist im Vergleich zu früher“, sagt Jürgen Manß.

Fertig sind die Molls mit der Umgestaltung ihres Gartens noch lange nicht. „Nächstes Jahr geht’s weiter.“ Pflanzen und Beleuchtung fehlen noch. Überdies soll noch eine kleine Terrasse direkt hinterm Wohnhaus entstehen.

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