Michael Streck: Johnson im Gegensatz zu Trump voll zurechnungsfähig

Lüdenscheider Stern-Reporter zum Brexit: "Wir reden ja nicht von Nordkorea"

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Michael Streck: "Ruhiger wird es für Harry und Meghan nicht.

Lüdenscheid - Am 31. Januar um Mitternacht verlässt Großbritannien die EU.  Darüber – und auch über den „Mexit“ von Prinz Harry und seiner Ehefrau Meghan – unterhielt sich LN-Redakteur Willy Finke mit dem aus Lüdenscheid stammenden Journalisten Michael Streck. Streck war von 2014 bis Ende 2019 Korrespondent des Magazins „Stern“ in London.

Die Übergangsphase endet am 31. Dezember. Danach drohen bei einer Nicht-Einigung zwischen Brüssel und London massive Erschwernisse beispielsweise beim Reisen. Sollte man einen Urlaub in Großbritannien besser noch dieses Jahr machen? 

Urlaub sollte man immer in Großbritannien machen, das Land bleibt ja auch nach dem Brexit schön. Ob es wirklich massive Erschwernisse beim Reisen geben wird, hängt von den Verhandlungen mit der EU ab. Aber Panik braucht niemand zu schieben. Wir reden auch nach dem 31. Januar nicht von Nordkorea. 

Werden sich Großbritannien und die EU bis Ende des Jahres auf eine endgültige Austrittsregelung verständigt haben oder fängt das Chaos dann erst richtig an? 

Das ist die Mutter aller Fragen. Es ist eigentlich unvorstellbar, dass sich Briten und EU in so kurzer Zeit auf ein derart komplexes Vertragswerk einigen können, ein vergleichbares Abkommen mit Kanada brauchte sieben Jahre. Johnson ist zwar fest entschlossen, den Deal bis Dezember durchzuprügeln, wird aber auch irgendwann kapieren müssen, dass das der Quadratur des Kreises gleichkommt. Sollte er wider Erwarten stur bleiben, krachen die Briten ohne Einigung raus. Und das hieße in der Tat größtes anzunehmendes Chaos. 

Als wer oder was wird Boris Johnson in die britische Geschichte eingehen? Ist er zurechnungsfähiger als Donald Trump? 

Ich vermute, dass er in die Geschichte als der Premier eingehen wird, der aus Großbritannien Little England gemacht hat, als Rammbock, der die Union zerstört hat. Irgendwann werden die Schotten ihr abermaliges Referendum bekommen und gehen. Und ganz ähnlich sieht es mit Nordirland aus. Süden und Norden Irlands werden auf Dauer vereinigt. Das wäre dann das Vermächtnis von Johnson. Der mag ruchlos sein und ein ebenso großer Lügner wie Trump. Aber er ist definitiv klüger als sein amerikanischer Bruder im Geiste und im Gegensatz zu dem auch voll zurechnungsfähig. Das ist ja auch das Traurige an der ganzen Geschichte.

Drücken Sie den Schotten die Daumen, das Vereinte Königreich zu verlassen? 

Beim ersten Referendum über die schottische Unabhängigkeit 2014 hielt ich das noch für eine Narrenidee, aber damals sprach auch noch niemand vom Brexit. Es mag immer noch eine Narrenidee sein, aber diesmal, ja, würde ich ihnen die Daumen drücken. 

Was würden Sie in Großbritannien dieses Jahr noch rasch kaufen? 

Tee. Hat aber nichts mit Brexit zu tun. Wir kaufen immer Tee, weil schlicht famos. 

Und jetzt noch eine Frage zum „Mexit“: Ist Prinz Harry der Pantoffelheld des britischen Königshauses? 

Er galt ja mal als Rebell, wurde dann handzahm und rebelliert nun wieder. Ob aus eigener Überzeugung oder eher, weil er unter der Knute von Meghan steht? Keine Ahnung. Ob die beiden sich damit einen Gefallen tun? Noch mal keine Ahnung. Ruhiger wird es für sie aber ganz gewiss nicht...

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