"Abschmelzungskonzept": Erste Spielhalle geschlossen

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Lüdenscheid - Die Verhandlungen der Stadt über eine Verringerung der Anzahl von Spielhallen ziehen sich hin. Doch im Zuge des sogenannten Abschmelzungskonzepts hat der erste Betrieb jetzt geschlossen.

Die Anzahl von Spielhallen und Glücksspielautomaten in der Stadt dauerhaft zu reduzieren, ist offenbar ein mühsames Geschäft. 

Nachdem der Hauptausschuss der Stadt die Verwaltung im März ermächtigt hat, mit Spielhallenbetreibern sogenannte Abschmelzungskonzepte zu vereinbaren, ist nun der erste Standort verschwunden. Der Inhaber der Spielhalle an der Herderstraße, hinterm Haus der Gesundheit, hat seinen Betrieb geschlossen. 

Zeitlich hat die Stadtverwaltung nach Auskunft aus dem Rathaus keine Vorgabe, bis wann sie die Reglementierungen des Glücksspielstaatsvertrages erfüllt haben muss. Die Verhandlungen mit Vertretern der Branche „ziehen sich hin“, wie Martina von Schaewen vom Rechts- und Ordnungsamt sagt. 

Das Ziel sei, für die einzelnen Standorte „einvernehmliche Lösungen“ zu finden. Im Fall Herderstraße haben sich die Betreiber demnach auf einen Rückzug eingelassen, weil der nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtunternehmens betrifft. 

Die Schmidt-Gruppe Entertainment GmbH gilt als Muttergesellschaft einzelner Spielhallenunternehmen innerhalb der Schmidt-Gruppe. Mit Sitz in der brandenburgischen Stadt Zossen bei Berlin betreibt sie etwa 170 Spielstationen in Deutschland. 

In Lüdenscheid stehen nach von Schaewens Darstellung derzeit elf weitere Automatenstandorte mit insgesamt 365 Geräten zur Disposition. Konkret betroffen sind drei Stadtbezirke, nämlich die Innenstadt, das Bräucken und die Kluse. Dort liegen die Spielhallen zu dicht beieinander. 

Laut Glücksspielstaatsvertrag muss ein Mindestabstand von 350 Metern Luftlinie zwischen zwei Betrieben gewährleistet sein. Die betroffenen Inhaber haben allesamt Härtefallanträge gestellt. Ihnen hat die Stadt Gespräche angeboten, damit sie den Betrieb ihrer Spielhallen „geordnet zurückfahren“ können, um das gesetzliche Ziel der Eindämmung der Spielsucht zu erreichen. 

Neben der Umsetzung rechtlicher Bedingungen geht es für die Stadt in Sachen Abschmelzungskonzepte auch um Geld. Der Löwenanteil der Einnahmen wird nämlich bei einem erfolgreichen Ergebnis der Verhandlungen wegfallen. 

Wie die Stadtverwaltung mitteilt, verbuchte die Stadt im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Euro aus der Vergnügungssteuer. Ist die Dichte der Standorte erst einmal ausgedünnt, dürften die Einnahmen auf 600 000 Euro sinken. 

Das ist es den Verantwortlichen wert, wenn „der Spieltrieb der Bevölkerung“ dadurch in „kontrollierte Bahnen“ gelenkt wird.

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