So arbeiten die Sicherheitskräfte

Steinert-Kirmes: Kampf gegen Randalierer, Taschendiebe und Falschparker

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Vorsichtig tasten sich die Fahrer der schweren Einsatzwagen auf den vorgesehenen Rettungswegen über das Kirmesgelände vor.

Lüdenscheid - Sind die Rettungswege breit genug? Passen Drehleiter- und Rüstwagen der Feuerwehr zwischen den 118 Fahr- und Laufgeschäften, Schieß-, Imbiss- oder Getränkebuden hindurch? Sind die drei Zufahrten zum Festgelände frei? Wo sind die Brandschutz- und Sanitätswachen postiert? Schon Monate vor Beginn der BSV-Kirmes auf der Hohen Steinert beginnt die Koordination, um die Sicherheit der Kirmesbesucher zu gewährleisten.

Die Männer in ihren schweren Einsatzfahrzeugen tasten sich vor. Langsam um den Autoscooter herum, vorbei an den ausladenden Dächern der Losbude und dem Champignon-Stand – weiter am „Las Vegas“ und dem „Breakdancer“ entlang. Und hinterm Hellweg-Baumarkt wieder hoch über die enge Zufahrt zurück auf den Parkplatz. 

Feuerwehrsprecher Jörg Weber ist zufrieden. „Vor ein paar Jahren mussten mal ein paar Geschäfte verrückt werden. Diesmal nicht.“ Im Interesse der Schausteller und des Platzmeisters Jürgen Linnepe hat die Feuerwehr die übliche Breite der Rettungswege von 3,50 Meter auf „Es muss passen“ reduziert, sagt Weber. Der Platzmeister habe vorher mit Markierungsspray dafür gesorgt, dass die Schausteller ihre Geschäfte vernünftig aufbauen. 

Steinert-Kirmes 2019: Das müssen Sie wissen

Der STL hat für die freie Fahrt für Einsatzfahrzeuge Absperrgitter neben den Baumarkt gestellt, das Ordnungsamt hat für Halteverbotsschilder gesorgt. So können Falschparker nicht nur rigoros, sondern auch „rechtssicher abgeschleppt“ werden, sagt der Feuerwehrsprecher. Die Umfahrung des Baumarktes ist schon aus baurechtlichen Gründen sowieso immer Halteverbotszone. 

Weber: „Wir versuchen wirklich, auf alles vorbereitet zu sein.“

„Vor zehn Jahren war wesentlich mehr los“ 

Das gilt auch für die Arbeit der Polizei. Der Chef der Wache, Volker Mürmann, sieht in der größten Kirmes des Sauerlands allerdings kein wachsendes Problem – im Gegenteil. „Noch vor zehn Jahren war wesentlich mehr los.“ 

So viel, dass die Polizei sogar mit einer Mobilen Wache auf der Kirmes vertreten war. Abgesehen von kleineren Scharmützeln zwischen Betrunkenen oder einem Raubüberfall in der Nähe des Festgeländes sind die wilden Zeiten auf dem Rummel offenbar vorbei. 

Die Polizei kommt bei Bedarf, der Wachdienst zeigt auf Mürmanns Veranlassung mit Streifenwagen mehr Präsenz. „Aber wir haben keine Veranlassung, angesichts der ohnehin angespannten personellen Lage generell die Einsatzstärke zu erhöhen.“ 

Vor Beginn der Kirmes hat die Polizei nach Worten des Wachleiters Beratungsgespräche mit den Veranstaltern geführt. „Der BSV ist für Sicherheit und Ordnung auf dem Festgelände selbst verantwortlich.“ Es sei wie bei Fußballspielen in den Stadien. Ausgebildetes und zugelassenes Sicherheitspersonal müsse vor Ort sein. 

Teil der polizeilichen Beratung ist, wie auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Sternplatz, auch die Prävention im Hinblick auf mögliche Anschläge. So steht in der Hauptzufahrt oberhalb des Festzentrums als Barriere ein schwerer Wagen, um zu verhindern, dass jemand mit einem Auto auf den Platz rast. 

Mehr Polizei nur für die Königsparade

Nur für die Königsparade der Schützen in der Innenstadt hat die Polizei am vergangenen Wochenende ihre Einsatzstärke aufgestockt. Nach einem Vorfall, bei dem in Menden ein älterer Autofahrer beim dortigen Schützenumzug in eine Menschenmenge gefahren ist, sind Anforderungen an mehr Sicherheit auch hier verstärkt worden. Mürmann: „Nun fährt am Ende des Zuges vorsorglich extra ein Wagen hinterher.“ 

Alle Sicherheitsmaßnahmen der zahlreichen beteiligten Behörden und Verbände zu koordinieren, das ist der Job von Martin Haase, der im Rathaus die Stabsstelle Krisen- und Veranstaltungsmanagement im Rats- und Bürgermeisteramt leitet. 

Nach der Massenpanik bei der Duisburger Love-Parade, bei der vor neun Jahren 21 Menschen ums Leben kamen und 541 weitere schwer verletzt wurden, gelten für die Behörden bei großen Freiluftveranstaltungen laut Haase verschärfte Bestimmungen. Auch die Erfahrungen aus dem Unfall, bei dem am 29. Mai 2010 eine Gondel des Karussells „Commander“ auf der Hohen Steinert während der Fahrt abgerissen und in die Zuschauermenge gestürzt war, fließen in das aktuelle Sicherheitskonzept ein. 

Nach Einschätzung der Feuerwehr und der Polizei erfüllen alle Vorkehrungen ihren Zweck. Gegen betrunkene Randalierer, Taschendiebe oder Falschparker scheint jedoch kein Kraut gewachsen zu sein. Zumindest nicht vorbeugend.

Zahlreiche Behörden und Organisationen beteiligt

Die größte Kirmes des Sauerlands erfordert alljährlich ein ganzes Bündel von Sicherheitsmaßnahmen. Damit die Besucher des Rummels vor Gefahren geschützt sind, arbeiten zahlreiche Organisationen an den Vorbereitungen und während der Kirmes eng zusammen: die Feuer- und Rettungswache mit Brandschutz- und Sanitätswachen, die Polizei, aus der Stadtverwaltung das Rechts- und Ordnungsamt, die Abteilung Bauservice sowie die Verkehrplaner; außerdem das Rote Kreuz (DRK), die Johanniter Unfallhilfe (JUH) und das Technische Hilfswerk (THW). Koordiniert wird die Arbeit in der Stabsstelle Krisen- und Veranstaltungsmanagement im Rathaus.

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