Schulte-Stiftung

Bis 600 Euro pro Monat, wenn Eltern keine Akademiker sind: Unternehmer finanziert Studium

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Ingenieur und Erfinder: Der Lüdenscheider Unternehmer Siegfried Schulte unterstützt Studenten.

Lüdenscheid - Die wenigsten Studenten schaffen es, ihr Maschinenbau-Studium in der Regelstudienzeit durchzuziehen. Einige, weil sie nicht fleißig oder talentiert genug sind. Andere, weil ihnen das Geld für ein Vollzeitstudium fehlt. Für die macht sich ein Lüdenscheider Unternehmer stark.

Am Donnerstag empfingen Stifter Siegfried Schulte und sein Team wieder sieben dankbare Stipendiaten am Firmensitz an der Jüngerstraße. 

Unter ihnen ist die Lüdenscheiderin Alessia Dango (26), gelernte Werkzeugmechanikerin, im 5. Semester Maschinenbau mit Schwerpunkt Kunststofftechnik. Sie hatte „Lust auf Neues“, sagt sie. „Ich muss mir immer Ziele setzen.“ 

Der Vater Werkzeugmechaniker-Meister, die Mutter Hausfrau, vier Geschwister. Alessia kennt den Satz „Werd’ Werkzeugmacher, Lüdenscheid ist eine Hochburg dafür!“ Doch sie habe nach der Lehre das Gefühl gehabt, stehen zu bleiben. Also: Studieren! 

„Das ist kein Kredit, das ist ein Geschenk“

„Irgendwer sagte mir aber, ich hätte die besten Voraussetzungen, kein Bafög zu bekommen.“ Die junge Mechanikerin hörte in einem Beratungsgespräch von der Siegfried-Schulte-Stiftung und bewarb sich um ein Stipendium. Sie bekommt seitdem 600 Euro monatlich. 

Prof. Dr. Andreas Ujma von der Fachhochschule Südwestfalen, Vorstandsmitglied der Stiftung, betont: „Das ist kein Kredit, das ist ein Geschenk.“ Genau so empfindet Yasin Aktas (29) aus Köln die Zuwendung. Auch er wird mit 600 Euro pro Monat unterstützt. 

Kfz-Mechatroniker hat er gelernt, dann seinen Meisterbrief gemacht, ganz nach dem Vorbild des Vaters, ein Fahrzeugelektriker. Doch nach den ersten Berufsjahren überwog die Ernüchterung. 

Schrauben, tüfteln, Lösungen entwickeln, das hatte er gewollt. Aber: „Der Beruf wird mehr und mehr zu dem des Teileaustauschers.“ Das sei typisch für diese „Kauf- und Wegschmeiß-Gesellschaft“, sagt Yasin – und ist jetzt im 7. Semester Maschinenbau, Schwerpunkt Produktentwicklung und Konstruktion. 

"Ohne Stipendium hätte ich aufhören müssen"

„Im ersten Jahr des Studiums habe ich nebenher noch in einer Werkstatt gearbeitet. Da ist Vieles liegen geblieben an der Uni. Wenn ich das Stipendium nicht gekriegt hätte, hätte ich aufhören müssen zu studieren.“ 

Und da ist der 24-jährige Mendener Markus Monegel, wie Alessia als Werkzeugmechaniker fertig ausgebildet. „Ich habe mir gedacht, ich hole noch mehr aus mir raus, ich will gucken, wie weit ich komme.“ Markus ist schon weit gekommen: 5. Semester Maschinenbau, Schwerpunkt Fertigungstechnik. 

Markus Monegel ist Bafög-Bezieher, bekommt von der Stiftung deshalb monatlich „nur“ 300 Euro. Vorher hatte er es aus eigener Kraft schaffen wollen, hat auf 450-Euro-Basis gejobbt. „Aber dann hätte ich fürs Studium noch viel länger gebraucht.“ 

"Wir betreiben keine Begabtenförderung"

Seine Bewerbung um ein Stipendium der Siegfried-Schulte-Stiftung hatte Erfolg. „Das ist die schwierigste Aufgabe für mich bisher. Aber ich wachse an ihr.“ 

Der Stifter Siegfried Schulte, in Lüdenscheid „Sippi“ genannt, Ingenieur und Erfinder, im Neudeutsch ein Self-made-man, ist inzwischen 84 Jahre alt. Vorstand und Kuratorium der Stiftung erwarten von den Stipendiaten, „dass wir Leistung bringen“, sagt Yasin Aktas. Dr. Ujma schränkt ein: „Wir betreiben aber keine Begabtenförderung.“ 

Wichtiger seien andere Fördervoraussetzungen wie der zweite Bildungsweg oder die soziale Herkunft. Für Alessia Dango und ihre Kommilitonen ist die Haltung des Stifters „einmalig“, wie sie erklärt. 

„Er hat gesagt, wenn er es schafft, in seinem Alter noch in den Betrieb zu kommen, dann schaffen wir auch unser Studium.“ Ihre Dankbarkeit hat drei Namen: „Menschlich, einmalig und sehr schön.“

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