Lüdenscheider Schulleiter muss nicht ins Gefängnis

Justitia ruderte gestern ein großes Stück zurück.

LÜDENSCHEID/HAGEN ▪ Die Drohung eines zweieinhalbjährigen Gefängnisaufenthaltes für einen Lüdenscheider Schulleiter ist vom Tisch. In der Berufungsverhandlung wegen Falschaussage minderte die zweite Strafkammer des Landgerichts Hagen die Strafe auf neun Monate auf Bewährung. Darüber hinaus muss der 63-Jährige 6000 Euro an einen Verein gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen zahlen.

Gestritten wurde gestern lediglich noch um eine der beiden Falschaussagen, die dem Schulleiter nach dem Prozess gegen einen Arabischlehrer zur Last gelegt worden waren. Dieser war 2008 zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zwei Gerichte hatten es nach langen Prozessen als erwiesen angesehen, dass er Schülerinnen in dem von ihm gegebenen muttersprachlichen Ergänzungsunterricht in mindestens 75 Fällen sexuell missbraucht hatte. Kurz nach dem Urteil und seiner vorübergehenden Freilassung verlor sich die Spur des Verurteilten in Marokko.

Greifbar blieb der Schulleiter des Täters, der im Prozess bei seiner Zeugenaussage „aus falsch verstandener Solidarität bemüht war, dem Angeklagten ein Alibi zu verschaffen“, wie es der Vorsitzende Richter Krause gestern formulierte. Über das Aussageverhalten und eine vollmundige Ehrenerklärung des Zeugen gegenüber dem Angeklagten war das Gericht regelrecht „verärgert“ gewesen, wie die Vorsitzende Richterin gestern im Zeugenstand bestätigte. Unter anderem behauptete der Schulleiter, dass die Tür zum Klassenraum immer geöffnet und der Arabischlehrer in den Pausen auf dem Schulhof gewesen sei. Schon deshalb hätte er die ihm zur Last gelegten Taten nicht begehen können. Nach gegenteiligen Zeugenaussagen musste der Schulleiter diese Aussage zurücknehmen. Gestern verzichtete der Angeklagte darauf, sich hinsichtlich dieses Tatvorwurfes erneut mit „Missverständnissen“ herauszureden und gab die Falschaussage indirekt zu – allerdings nicht im Rahmen eines „von Reue getragenen Geständnisses“. Freigesprochen wurde er hingegen hinsichtlich einer weiteren zweifelhaften Aussage.

Deutliche Worte für das Fehlverhalten des Angeklagten fand der Vorsitzende Richter trotz des erheblich milderen Urteils: „Als Schulleiter hat er nicht nur eine Obhutspflicht für seine Lehrer, sondern auch für seine Schülerinnen.“ Ein Disziplinarverfahren läuft noch. ▪ thk

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