„Passiert ist nichts“

Lüdenscheider Schulen schlagen Digitalisierungs-Alarm

Die digitale Ausstattung der Schulen geht nicht mit der erforderlichen Geschwindigkeit voran, kritisieren Pädagogen. Für Distanzunterricht fehlten Geräte, in den Schulen die Infrastruktur.
+
Die digitale Ausstattung der Schulen geht nicht mit der erforderlichen Geschwindigkeit voran, kritisieren Pädagogen. Für Distanzunterricht fehlten Geräte, in den Schulen die Infrastruktur.

Mit einem dramatischen Appell wandten sich die Schulleiterinnen und Schulleiter der weiterführenden Schulen Lüdenscheids am Donnerstag in Wort und Schrift an die Kommunalpolitiker des Schulausschusses. Das Ziel des Vorstoßes: die digitale Ausstattung der Schulen zu beschleunigen. Die Politik, so trug BGL-Schulleiter Dieter Utsch im Namen der Kollegen vor, müsse die Verwaltung dringend in die Lage versetzen, schneller auf Herausforderungen zu reagieren.

Lüdenscheid - „Wir haben einen Zustand exakt wie im März 2020“, stellte Utsch fest. Unabhängig davon, was alles im Hintergrund laufe: „Passiert ist nichts.“ Man habe aber auch feststellen können, dass die Verwaltung am Limit arbeite. Daher, so die Schlussfolgerung der Pädagogen, müsse die Politik der Verwaltung schnelleres Handeln ermöglichen. Denn: „Die Politik vergibt Aufgaben. Wir glauben, dass wir ganz dringend einen Masterplan zur Digitalisierung von Schulen in Lüdenscheid brauchen.“

„Für uns wäre es ein Signal“, fügte Utsch hinzu, wenn eine entsprechende Aufgabe vergeben werde. Ein wichtiges Signal, dass sich die Situation auf absehbare Zeit verbessern könnte und nicht erst in vielen Jahren. Denn, so Utsch weiter: „Wenn am 15. 2. irgendwer in NRW Hybridunterricht will, dann sind die Schulen in Lüdenscheid dazu nicht in der Lage. Dann werden nur noch mehr Schüler abgehängt.“

Tausende von Schülerinnen und Schülern sowie das Lehrpersonal an den weiterführenden Schulen hätten gerade in dieser Zeit erheblich darunter zu leiden, dass es an einer den Erfordernissen entsprechenden digitalen Ausstattung der Schulen fehle. Es fehle an vielem, zum Beispiel an Hardware für bedürftige Kinder, weil die Bestellungen aus dem November, noch nicht da seien. „Woran liegt es denn, dass wir erst im November die Aufträge herausgegeben haben und nicht schon im Sommer“, fragte Christiane Langs-Blöink nach, Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule: „Uns läuft die Zeit weg.“ Es fehle aber auch an verlässlicher Wartung digitaler Technik durch den Schulträger, es fehlten Lehrer-iPads, Datenleitungen und in fast allen Schulen eine digitale Infrastruktur mit WLAN-Abdeckung.

Masterplan und Lösungen gefordert

Weiter heißt es in der Anfrage: „Die Gespräche mit den Verantwortlichen im Schulverwaltungsamt zeigen, dass vielfach die notwendigen personellen Ressourcen fehlen, teilweise die fachliche Expertise.“ Ein Masterplan, so betonte auch Christiane Langs-Blöink, könne vor allem der Priorisierung dienen. Und damit, so die Hoffnung, der Beschleunigung von Maßnahmen. „Wir Schulen fordern Sie, liebe Politiker, auf, Lösungen zu suchen. Denn das brauchen wir.“ Gerne auch, so hieß es, unter Einbeziehung des vorhandenen Fachwissens aus den Schulen.

Drei Fragen stellten die Schulleiter den im Rat vertretenen Parteien abschließend: „Welche Ziele streben Sie mit Ihrer Digitalisierungspolitik im Bereich Schule in Lüdenscheid an? Welche konkreten Maßnahmen werden Sie gegenüber der Verwaltung bis zum Juni 2021 beauftragen? Wie wollen Sie gegenüber der Verwaltung, dem Land und dem Bund bezüglich der Digitalisierung in den nächsten Monaten auftreten?“

Zum Thema gehöre das Regionale 2025-Projekt „Lernfabriksken“ zum Wunsch-Lernort von Schülern, sagte Langs-Blöink noch. Auch deshalb brauche man dringend einen digitalen Masterplan, „damit wir uns dieses Regionale-Projekts als würdig erweisen“.

Ins Detail ging zudem eine Anfrage von CDU-Ratsherr Norbert Adam zum digitalen Unterricht. Die Höhe und die Verwendung von Fördermitteln waren der eine Komplex. Der andere: Ob und was die Schulverwaltung im vergangenen Dreivierteljahr getan habe, um den Schulen bei der Vorbereitung zu helfen und technische Voraussetzungen zu schaffen. Und: „Wie sieht die weitere Planung der Verwaltung aus, um allen Schulen digitalen Unterricht zu ermöglichen und damit Chancengleichheit herzustellen?“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare