Schüler treffen Überlebende des Holocaust

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Aufmerksam lasen die Holocaustüberlebenden (vorn, 2. bis 4. von links) die Inschrift der Gedenktafel.

Lüdenscheid - „Wir sind das Land, das viel Leid gebracht hat. Darüber tragen wir Schmerz. Es ist eine große Ehre für uns, dass Sie trotzdem gekommen sind“. Diese Worte sprach Pastorin Monika Deitenbeck-Goseberg anlässlich des Besuchs von zwanzig Holocaust-Überlebenden aus Israel sowie fünf Angehörigen von Zwangsarbeitern, die im Rahmen von „Marsch des Lebens“ in die Bergstadt gekommen waren.

Begrüßt wurden sie unter großer Anteilnahme aus der Bevölkerung im ehemaligen Betsaal der Lüdenscheider Juden, heutige Stadtbücherei. Anschließend wurden an der Gedenktafel der Stadtbücherei Blumen niedergelegt, eingerahmt von einer Ansprache, die Hella Goldbach von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hielt und einem Liedvortrag mit Rüdiger Drallmeyer.

Das Vergangene könne niemals ganz von uns durchdrungen werden, Gespräche müssten unter der Bedingung stehen, dass das Geschehene nicht vergessen werde, zitierte sie den Gründungsvater der Jerusalemer Universität Gershom Schalom.

Schabbat-Essen  bei der Freien Evangelischen Gemeinde

Von der Stadtbücherei ging es gemeinsam zum Brunnen am Sternplatz, wo Matthias Wagner vom Ge-Denk-Zellen Verein im Gedenken an das Schicksal der Zwangsarbeiter erstmals zwischen den Städteplatten für Myslenice und Taganrog Blumen niederlegte. Den Abschluss bildete ein Schabbat-Essen bei der Freien evangelischen Gemeinde Börsenstraße.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Tanja Tschöke sowie Matthias Wagner gingen auf das dunkle Kapitel Lüdenscheids im Dritten Reich ein. Tschöke: „Das Grauen des Naziregimes bekommt durch Ihren Besuch ein Gesicht und kann uns helfen, Geschichte besser zu begreifen“. MdL Dr. Arnulf von Auer, verantwortlich für die Initiative „Marsch des Lebens“, erinnerte an die entsetzlichen Todesmärsche.

Sehr emotionale Momente

Untergebracht sind die Gäste in Hagener Familien, die Türen und Herzen öffneten, wodurch Begegnungen möglich wurden ohne Groll, Hass und Bitterkeit. Das Miteinander mit den Holocaust-Überlebenden wurde auch in Lüdenscheid für alle Teilnehmer zu einer besonderen Zeit mit sehr emotionalen Momenten. Bewegt von dem von der Kirchen-Crew Oberrahmede vorbereiteten Essen, beschenkt mit einem Gemälde für die Gruppe von Kristin Hartmannsberger, griff der Holocaust-Überlebende Jakov Khelmer zum Mikrofon: „Israel wird weiter blühen, wenn es in Deutschland solche Menschen gibt“.

Viele Schüler waren zum Empfang gekommen, interessiert, offen, fragend. Die Gespräche an den Tischen wurden zu einer Bereicherung für Jung und Alt. Ergreifend war auch der Gesang von Björn Bergs und Kiki Langebartels, die begleitet von Markus Opderbeck am Klavier israelische Lieder anstimmten. - Von Yasmin Alijah

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