Lüdenscheider vor Gericht

"Abscheulich": 2000 Dateien mit Kinderpornos auf dem Computer

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Symbolbild

Lüdenscheid - Das Schöffengericht hat einen 48-jährigen Lüdenscheider wegen Besitzes von kinderpornographischen Dateien auf seinem Computer verurteilt. Er selbst fand harte Worte für sein Verhalten.

Eine unauffällige Wohnung. Ein Werkzeugmacher (48), geschieden, allein lebend, Vater einer erwachsenen Tochter, keine Vorstrafen. 

Am 13. Juni 2018 durchsuchen plötzlich Polizisten seine Wohnung und nehmen den Computer mit. Die Auswertung ist ergiebig: Die Fahnder finden Dateien mit mehr als 1200 Fotos und rund 700 Videofilmen. Zu sehen ist schwerer sexueller Missbrauch von kleinen Mädchen und Jungen. 

Klarer kann die Beweislage nicht sein. Strafverteidiger Dominik Petereit sagt: „Es gibt nichts zu beschönigen.“ Sein Mandant sei „irgendwann darauf gelandet, und dann ist das zum Selbstläufer geworden“. Der Angeklagte legt ein Geständnis ab. 

Er sagt, er habe mal eine Datei angeklickt, „und auf einmal gab’s ganz viele Filme und Fotos“. Es seien „immer neue dazu gekommen“, er könne sich das nicht erklären. „Ich hab’ Scheiße gebaut, das war richtig dumm von mir.“ 

Ermittlungshilfe von US-Organisation

Das Verfahren gegen den Lüdenscheider ist durch die Arbeit einer US-Organisation angerollt. Das National Center for Missing and Exploited Children (Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder), 1984 vom Kongress gegründet, versorgt das Bundeskriminalamt (BKA) mit Datenpaketen. 

Diese Zusammenarbeit und die wachsende Bereitschaft von Opfern, Kindesmissbrauch anzuzeigen, sorgt laut Staatsanwältin Ina Pavel für ständig steigende Fallzahlen. Auch für den Strafprozess gegen den Werkzeugmacher. 

Der Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsrichter Andreas Lyra, fragt ihn: „Wie wollen Sie zukünftig damit umgehen?“ Der Angeklagte beteuert: „Ich habe keinen Computer mehr zu Hause, und ich schaffe mir auch keinen mehr an. Damit ich nicht in Versuchung komme.“ 

Die Staatsanwältin merkt an: „Es fällt mir sehr sehr schwer zu glauben, dass Sie keine Therapie brauchen.“ Wenn es stimmt, was der 48-Jährige sagt, und er hat tatsächlich „nur“ drei bis vier Monate lang Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen, dann muss er bei der Menge des sichergestellten Materials nächtelang pausenlos vor dem Bildschirm gesessen haben, mutmaßt Ina Pavel. 

„Erschreckt, wie viel ich davon hatte“

Der Angeklagte sagt, er habe sich „erschreckt, wie viel ich davon hatte“ – und nennt das Material im Rückblick „abscheulich“. 

Für den Besitz kinderpornographischer Schriften sieht das Gesetz einen Strafrahmen zwischen Geldstrafe und drei Jahren Gefängnis vor. Richter Lyra sagt, man sei manchmal „schon überrascht“, weil der Strafrahmen für Tatbestände wie Betrug oder Körperverletzung bis fünf Jahre reicht. 

Staatsanwältin Ina Pavel spricht den Angeklagten direkt an: „Wenn es Leute wie Sie nicht gäbe, gäbe es keine Notwendigkeit, so was zu filmen.“ Denn auf jedem Video sei „übelst schwerer sexueller Missbrauch von Kindern“ zu sehen. 

Sie fordert eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten mit Bewährung und eine Geldbuße von 20 000 Euro an eine Kinderschutzorganisation. 

Das Gericht folgt dem Antrag – fast. 22 Monate mit Bewährung, so lautet das Urteil. Und 15 000 Euro Geldbuße: 5000 Euro an den Lüdenscheider Kinderschutzbund, 10 000 an den Göttinger Verein gegen Missbrauch.

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