Familieneinkommen durch Drogenverkäufe aufgebessert: Letzte Chance für süchtigen Dealer

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Symbolbild

Lüdenscheid - Das Schöffengericht hat ein junges Paar aus Lüdenscheid verurteilt, das das Familieneinkommen mit dem Verkauf illegaler Drogen aufbessern wollte.

Ein junges Pärchen (28/29) betritt den Gerichtssaal, schüchtern, fast brav. Die beiden haben ein kleines Kind zusammen, Verwandte begleiten die Angeklagten. Es steht viel auf dem Spiel: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar illegalen Drogenhandel vor. 

Im November 2017 erwirbt der 29-Jährige 50 Gramm Marihuana von einem Dealer, um den Stoff gewinnbringend weiter zu verkaufen. Seine Partnerin knüpft per Smartphone Kontakte zu Kunden und macht sich mitschuldig. Der Staatsanwalt sagt: „Sie wollten ihr Familieneinkommen durch Drogenverkäufe sichern.“ 

Das ist gewerbsmäßiger Handel. Die Strafverteidiger Dirk Löber und Dominik Petereit haben ihren Mandanten geraten, mit der Justiz zu kooperieren und Geständnisse abzulegen. Eine Hausdurchsuchung hatte den Verdacht erhärtet. Die Beweislast ist erdrückend. 

Vor einem Jahr hatte das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Andreas Lyra die Sache bereits klären wollen. Lyra: „Aber wir hatten eine relativ schlanke Beweissituation und sind nicht weiter gekommen.“ Nun ist die Lage anders, der Dealer ist bekannt und inzwischen verurteilt. Der Weg für eine Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten ist frei. 

Für den 29-Jährigen ist die Angelegenheit dennoch unerfreulich. Während der Staatsanwalt für die Lebensgefährtin eine Bewährungsstrafe von 13 Monaten beantragt, droht dem Angeklagten der Gang ins Gefängnis. 

Denn einen Monat vor dem verbotenen Drogenerwerb wurde er bereits wegen einer ähnlichen Tat zu 16 Monaten verurteilt – und stand zur Tatzeit unter Bewährung. Damals ging es sogar um 400 Gramm „Gras“. Eine erneute Verurteilung bedeutet den Widerruf des alten Bewährungsbeschlusses plus die neue Strafe. 

Die Richter verhängen 20 Monate „ohne“ gegen den Mann. Doch er sagt, er habe selbst „viel gekifft“ und mit dem Handel seinen Konsum finanzieren wollen. Das bringt ihm doch eine letzte Chance ein. Die Vollstreckung der Strafe kann zurückgestellt werden – wenn er sich um eine Therapie bemüht. Er beteuert: „Damit habe ich schon angefangen.“

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