"Fürsorgliches Verhalten" belohnt

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Lüdenscheid - Das Schöffengericht hat einen 21-jährigen Lüdenscheider zu einer Bewährungsstrafe und Ableistung von  Sozialstunden verurteilt. Der Mann hatte eine 17-Jährige an seinem Joint ziehen lassen. Das Mädchen landete auf der Intensivstation.

Tatort ist der Schulhof eines Lüdenscheider Gymnasiums. 22. Mai 2017: Ein 21-Jähriger baut sich einen Joint mit einem Tabak-Marihuana-Gemisch und lässt eine vier Jahre jüngere Schülerin ein paarmal daran ziehen. 

Das Mädchen fällt darauf in Ohnmacht und landet auf der Intensivstation des Klinikums Hellersen. Der Gesetzgeber stuft die Abgabe von Drogen durch Erwachsene an Minderjährige als Verbrechen ein. Es droht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. 

Der Angeklagte neben Strafverteidiger Arnd Katzke wurde von der Polizei zum Gericht gebracht. „Ich hab’s leider ein bisschen verpeilt“, erklärt er auf die Frage, warum er nicht pünktlich erschienen ist. Ähnlich offen räumt er seine strafrechtliche Verantwortung gegenüber dem Schöffengericht sofort ein. „Ja, ich wusste, dass sie noch nicht 18 war.“ 

Als seine Bekannte bewusstlos zusammenbricht, handelt der Arbeitslose schnell. „Ich habe erst versucht, ihr was zu trinken zu geben.“ Dann ruft er einen Rettungswagen, steigt mit ein und fährt mit ihr ins Krankenhaus. 

"Sie hat mich ganz schön angemacht"

Ihre Mutter kommt ebenfalls dorthin. „Sie war nicht begeistert und hat mich ganz schön angemacht.“ Nach zwei Tagen darf die Patientin wieder nach Hause. Das Ermittlungsverfahren rollt an. 

Die 17-Jährige sagt im Zeugenstand, sie habe gewusst, was sie da inhaliert. Der Angeklagte habe sie aber nicht gedrängt, es mal zu probieren. „Ich bin selber schuld.“ 

Die Annahme eines minderschweren Falls, wie Rechtsanwalt Katzke es für seinen Mandanten anregt, kommt für die Staatsanwältin nicht in Frage. Sie plädiert auf ein Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung und die Ableistung von 50 Sozialstunden. „Er hat ja Zeit genug.“ Einzig sein „fürsorgliches Verhalten nach der Tat“ spreche für ihn. 

Doch die Richter unter Vorsitz von Andreas Lyra folgen der Argumentation des Verteidigers – und werten die Tat als minderschweren Fall. „Man muss ihm Respekt dafür aussprechen, dass er nach der Tat so gehandelt und dass er hier zu allem gestanden hat.“ 

Das Schöffengericht verurteilt ihn zu glimpflichen acht Monaten auf Bewährung und der Ableistung von 60 Sozialstunden. Das Urteil ist rechtskräftig.

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