Lüdenscheider Schädelfund wird untersucht

+

LÜDENSCHEID - Für viele offene Fragen sorgt weiterhin der Fund eines halben menschlichen Schädels im Wald zwischen der Neuenhofer Straße und Am Schäferland. Eine Kindergruppe hatte dort am Nachmittag bei einem Ausflug die grausige Entdeckung gemacht. Dazu zählten auch ein Fußwurzelknochen, ein Schuh und ein Gürtel.

Lesen Sie auch:

Kindergruppe entdeckt Schädel im Wald

Die LN wollten wissen, was nun passiert, nachdem die Funde aus Lüdenscheid ins Dortmunder Institut für Rechtsmedizin gebracht wurden. Dort würden aufgefundene menschliche Überreste „absolut vordringlich“ untersucht, erklärte gestern der Dortmunder Rechtsmediziner Dr. Eberhard Josephi. Über den Einzelfall dürfe er allerdings keine Auskunft geben, stellte er klar. Grundsätzlich hätten alle Untersuchungen in solchen Fällen naturgemäß das Ziel, die betreffende Person zu identifizieren und herauszufinden, wie sie zu Tode kam.

Das beginne mit der Bestimmung von Geschlecht, Lebensalter und Liegezeit. So seien etwa die Augenbrauenwülste bei Männern ausgeprägter als bei Frauen, auch über das Lebensalter könnten Knochen noch Auskunft geben. Ein wichtiges Indiz sei, falls noch vorhanden, das Gebiss, dessen Status auch in Fachzeitschriften für Zahnärzte veröffentlicht werden könne. Eine andere Möglichkeit der Identifizierung biete der Abgleich der DNA. Dafür könne man entweder Mundspeichelproben bei Angehörigen von Langzeitvermissten nehmen oder die gefundene DNA unmittelbar mit Proben aus Zahn- und Haarbürsten von Vermissten vergleichen.

Bei einer Übereinstimmung könne die Identifizierung rasch erfolgen, wobei die Abgleiche mehrere Wochen in Anspruch nähmen. Deutlich länger dauere es, wenn die Dortmunder Rechtsmedizin andere Institute oder das Landeskriminalamt einschalten müsse, falls weitergehende Untersuchungsmöglichkeiten als die eigenen nötig sind.

Dass in Wäldern sterbliche Überreste gefunden werden, sei nicht allzu selten, erläuterte Dr. Josephi weiter. Dahinter könnten Suizide stehen, unbemerkte Unglücksfälle, aber auch Verbrechen. Daher würden Knochen auch daraufhin begutachtet, ob sie Spuren von äußeren Verletzungen oder gar Zerteilungen aufweisen. Wenn Überreste verstreut gefunden würden, sei dies im Wald meist das Werk von Tieren. - Thomas Hagemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare