Rotlicht-Milieu ohne Wattebäuschchen

LÜDENSCHEID - Im Rotlicht-Milieu wird „nicht gerade mit Wattebäuschchen geschmissen“, sagt Strafrichter Thomas Kabus. Davon weiß die Angeklagte ein tränenreiches Lied zu singen. Die 48-Jährige muss sich wegen des Vorwurfs der falschen Verdächtigung verantworten. Dass sie sich mit einer Strafanzeige von ihrem Geschäftspartner aus dem Nachtclub befreien wollte, droht sich nun zu rächen.

Von Olaf Moos

Denn der Partner, ein Hüne von Mann, lange Haare, Typ Motorrad-Macho, gerät nach der Anzeige ins Visier der Ermittler. Er kennt das schon, war schon angeklagt und auch schon eingesperrt. Fünf Rippen soll er der Frau gebrochen haben, ihren kleinen Pudel mit einem Elektroschocker bearbeitet, unter Drogen randaliert oder immer wieder die Kasse geräubert haben. In der Strafanzeige landet nur die Geschichte mit den Rippen. Zwei Tage später zieht sie die Anzeige zurück. Er habe sie gar nicht geschlagen, sie sei nur gestürzt, schreibt sie in einem Brief an die Polizei. Und hat nun selbst eine Anklage am Hals.

Strafverteidiger Dominik Petereit rät seiner weinenden Mandantin, die Flucht nach vorne anzutreten. Es wird ein Rückzug vom Rückzug. „Doch, er hat mich gezwungen, diesen Brief zu schreiben.“ Da sei sie aber schon nicht mehr in dem Bordell gewesen.

Ein Polizist berichtet, die Frau habe Angst gehabt. Und er kenne den Mann von Rotlichtkontrollen. „Da waren schon mehrere Vorfälle, wir haben ihn oft vorgeladen, aber er ist nie erschienen.“

Vor Gericht erscheint er – und nimmt betont lässig auf dem Zeugenstuhl Platz. Die Angeklagte vermeidet den Blickkontakt. „Ich habe diese Frau niemals angepackt“, brummt er auf die Frage des Richters. Gut, er habe mal „aus Wut einen Tisch weggetreten und einmal auch einen Schrank“. Sie sei ja jeden Abend volltrunken gewesen, die Bordell-Chefin, und habe seinen Ruf ruiniert. Und außerdem: „Wenn ich eine Frau zusammentrete, sind nicht nur ein paar Rippen angeknackst.“ Aber er schlage keine Frauen, „da bin ich gar kein Typ für“.

Der Richter und die junge Staatsanwältin glauben aber der Frau. Über die Rippenbrüche gibt es ein ärztliches Attest aus dem Klinikum. Die Aussage des Kripo-Beamten tut ein übriges. Und die Beteuerungen der Angeklagten klingen glaubwürdig in den Ohren des Richters. Rechtsanwalt Petereit lächelt: Freispruch erster Klasse.

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