Schüler schnuppern ins Berufsleben - weltweit

LÜDENSCHEID - Polizist, Kindergärtnerin, Journalist – Berufe gibt es viele. Da fällt die Wahl nicht immer leicht. Um schon vor dem Schulabschluss Entscheidungshilfen zu bekommen, absolvieren viele Schüler ein Betriebspraktikum. Die Schulen lassen ihren Schülern die freie Wahl der Branche.

Von Chantal Schnitzler

Der 15-jährige Sandro Steglich absolviert sein Praktikum bei der Polizei: „Meine Erwartungen werden auf jeden Fall erfüllt.“

Sandro Steglich ist einer der Praktikanten, die in den Polizeiberuf reinschnuppern dürfen, und er ist sichtlich zufrieden mit dieser Entscheidung. Der 15-jährige Schüler des Bergstadt-Gymansiums erhofft sich durch sein Betriebspraktikum, einen Einblick in die Arbeiten der Polizei zu erhalten und auch selbst Aufgaben praktisch durchführen zu können. Außerdem motivierten ihn der vielfältige Arbeitsalltag in diesem Beruf und viel “Action” dazu, sich für ein Praktikum bei der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis zu bewerben.

Der Beruf des Polizisten erfreue sich mit durchschittlich 160 Berwerbern für ein Betriebspraktikum pro Jahr alleine in der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis großer Beliebtheit, betont Pressesprecher Dietmar Boronowski. Die Kreispolizeibehörde bietet jährlich 80 Schülern die Gelegenheit, den Polizeivollzugsdienst zu erforschen.

„Meine Erwartungen werden auf jeden Fall erfüllt”, freut sich Sandro Steglich. Täglich arbeitet er rund sieben Stunden in einer immer wechselnden Umgebung. Seine Aufgaben bestehen beispielsweise darin, die Jungen und Mädchen eines Kindergartens über die Verkehrsregeln aufzukären und bei Kontrollgängen und Wohnungsdurchsuchungen mitzuwirken. Selbständigkeit ist dabei jedoch nicht gefragt. Sandro Steglich werden die Vorgehensweisen der Beamten nur gezeigt und erklärt, eigenstängig führt er diese nicht durch. Mit seinen derzeitigen Kollegen komme er gut klar und das Arbeitsklima sei generell sehr locker, erklärt der Praktikant. „Es ist nicht immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit.” Aber hochmotiviert ist Sandro Steglich auf jeden Fall, wie er betont.

Das ist nicht immer so bei Praktikanten, wie Dietmar Boronowski erklärt: „In wenigen Ausnahmefällen sind einzelne Praktikanten außerodentlich desinteressiert, was dazu führen kann, dass das Praktikum vorzeitig von uns beendet wird.”

Sandro Steglich sieht sein Interesse am Polizeiberuf bestätigt und kann sich durchaus vorstellen, zukünftig in dieser Branche zu arbeiten. Er hält Praktika für sinnvoll, um Gewissheit über die eigene Karrierelaufbahn zu gewinnen und einen Einblick in die Berufswelt zu erhaschen.

Betriebspraktikum im Kindergarten

Katja Meier im Praktikums-Einsatz - im evangelischen Kindergarten „Unterm Himmelszelt“ am Bierbaum.

In einem ganz anderen Berufsfeld ist Katja Meier zurzeit tätig. Die 16-jährige Schülerin des Bergstadt-Gymansiums absolviert ihr 17-tägiges Betriebspraktikum im evangelischen Kindergarten „Unterm Himmelszelt“ am Bierbaum. Eigentlich wollte Katja Meier ein Praktikum in der Psychiatrie oder bei einem Psychiater machen – das war jedoch aufgrund der Altersbeschränkung für solche Maßnahmen nicht möglich. „Ich wollte aber unbedingt mit Menschen arbeiten. Deshalb mache ich jetzt ein Praktikum im Kindergarten.“ Die Wahl war richtig. „Meine Vorstellungen werden bestätigt und ich fühle mich sehr wohl hier“, erklärt die Schülerin. Außerdem haben sich ihre Befürchtungen, es könne wegen der Kinder sehr stressig werden, nicht bestätigt. Ihr achtstündiger Arbeitstag besteht daraus, morgens die Getränke der Kinder vorzubreiten, die Erzieherinnen in vielerlei Hinsicht zu unterstützen und die Mädchen und Jungen zu beschäftigen und auf sie aufzupassen. In der Mittagszeit ist Katja Meier für die “Schlafwache” zuständig. Nachdem alle Kinder am Nachmittag nach Hause gegangen sind, stellt sie alle Stühle hoch und fegt die Räume durch.

Die Praktikantin erklärt: „Vielfältig ist mein Arbeitsalltag nicht, aber die Erzieherinnen geben sich alle Mühe, ihn trotzdem interessant zu gestalten.” Von ihren Kolleginnen sei sie gut aufgenommen worden und auch an Hilfsbereitschaft fehle es bei den Dreien nicht, bemerkt die Schülerin. Das Arbeitsklima sei dadurch herzlich und familiär.

Obwohl sie ihre Arbeit im Kindergarten gerne tut und alle – Kinder und Kolleginnen lieb gewonnen hat, sagt Katja Meier: „Der Beruf als Erzieher ist nichts für mich, aber die Arbeit mit Kindern bereitet mir viel Freude.”

Hier finden Sie ein Video zum Praktikum bei den Lüdenscheider Nachrichten

Arbeitsaufenthalt in Übersee

Aber nicht nur in Lüdenscheid und Umgebung können Schüler Praktika absolvieren. Das zeigt das Beispiel von Lena Hildenbrandt. Die Lüdenscheider Schülerin erforscht zurzeit in Medford/Oregon in den USA die Holzverabeitungsbranche.

Die 16-Jährige ist in dem Betrieb „Bierson Corporation“ untergekommen, welcher Möbelteile anfertigt. Das Unternehmen gehört langjährigen Freunden ihrer Familie und schon im vergangenem Sommer wurde ihr – wenn auch nur kurz – die Firma vorgestellt. Lena Hildenbrandt erwartet sich von ihrem Betriebspraktikum, einen Einblick in die Alltagssituation der Firmenmitarbeiter zu erhalten und gegebenenfalls Unterschiede zu deutschen Betrieben zu sehen. Außerdem stelle die Zeit im Ausland eine Möglichkeit dar, ihre Englischkenntnisse aufzubessern, bemerkt Lena Hildenbrandt.

„Mir wird alles gut erklärt und die Mitarbeiter versuchen mich als vollwertiges Firmenmitglied in Aufgaben einzubinden”, erzählt Lena Hildenbrandt sichtlich begeistert. Zu dem für sie verantwortlichen Firmenleiter David Casebier hat sie ein gutes Verhältnis und es liegt in seinem Interesse, der Praktikantin alle Vorgänge in der Firma nahe zu bringen und ihren Alltag vielfältig zu gestalten. Ihre Aufgaben bestehen beispielsweise darin beim Zuschneiden von Laminatfolien zu helfen, Adressaufkleber an Paletten, die zum Versand fertig sind, anzubringen und Aktenschränke zu sortieren. Selbstständigkeit ist vor allem bei Telefonaten und dem Aussortieren von Aufträgen oder Zeichnungen gefragt.

„Ich kann vorstellen, in diese Branche, aber vor allem in die USA zurückzukehren“, erklärt Lena Hildenbrandt abschließend.

Rubriklistenbild: © Chantal Schnitzler

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