Europawahl: Das sagen Lüdenscheider Politiker zum Ausgang

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Symbolbild

Lüdenscheid - Auf der einen Seite: herbe Verluste für die Sozialdemokraten, deutliches Minus für die Union, leichter Rückgang für die Linken. Auf der anderen Seite: Traumergebnis für die Grünen, kräftiger Zuwachs bei den Liberalen, Plus für die AfD.

Das Wahlverhalten der Lüdenscheider bei den Europawahlen entspricht im Wesentlichen dem Deutschlandtrend. Führende Kommunalpolitiker schätzen die aktuelle Lage ihrer Parteien und deren Chancen bei den Kommunalwahlen im September 2020 ein.

"Eine einzige Katastrophe"

Fabian Ferber (SPD-Stadtverbandsvorsitzender) sieht die Verantwortung für die Verluste seiner Partei unter anderem in einem schlechten Wahlkampf. „Die Kampagne war eine einzige Katastrophe.“ 

Inhaltlich seien zentrale Inhalte als „Wischi-Waschi“ verstanden worden, etwa das Nein zum Upload-Filter auf europäischer Ebene und gleichzeitig das Ja der Spitzenkandidatin Katarina Barley. Ferber: „Spitzenkandidatin und gleichzeitig Bundes-Justizministerin zu sein, das hat uns in eine Glaubwürdigkeits-Falle geführt.“ 

Und in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen werde die SPD nur noch als Anhängsel der CDU wahrgenommen, so der Parteichef weiter. Seine Forderung: „Die SPD braucht unverbrauchte Köpfe!“ Und: „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und eine zweite grüne Partei werden wollen.“ 

Auf örtlicher Ebene sei seine Partei allerdings „so gut aufgestellt wie keine andere“. Das hätten viele Bürger am Wahlstand auf dem Sternplatz geäußert. Fabian Ferber: „Wir müssen unseren Laden hier sauberhalten!“

"Die CDU stahlt nix aus, was sexy ist"

Ralf Schwarzkopf (Vorsitzender der Ortsunion) freut sich über die hohe Wahlbeteiligung in Lüdenscheid und darüber, „dass die Extremen nicht so stark geworden sind wie befürchtet“. CDU-Spitzenkandidat Weber habe nun große Chancen, zum EU-Kommissionspräsidenten gewählt zu werden. 

Trotzdem hätte im CDU-Ergebnis „mehr Musik“ drin sein müssen, so Schwarzkopf. Das Ergebnis zeige, dass die Berliner GroKo „null Ausstrahlungskraft“ habe. Und die Verluste offenbarten, dass „die CDU nix ausstrahlt, was sexy ist“. 

Das Beispiel des Youtube-Videos von „Rezo“ müsse jedem Demokraten ein „mulmiges Gefühl“ bereiten und mache deutlich, wie sich Kommunikation verändert hat.

"Positiveres Ergebnis gewünscht"

Jens Holzrichter (FDP-Ratsfraktionschef) freut sich, „dass es besser geworden ist“, hält das Stimmenplus in der Kreisstadt aber für „nicht so spektakulär. Wir hätten uns ein positiveres Ergebnis gewünscht“. 

Für erfreulich hält der Liberale die Tatsache, dass viele junge Leute zur Wahl gegangen seien. „Gleichzeitig ist es aber schon traurig, dass wir eine Wahlbeteiligung von rund 60 Prozent als etwas Besonderes feiern.“ 

Ein Wermutstropfen ist für Holzrichter das Abschneiden der AfD. „Jede einzelne Stimme für die ärgert mich.“ Mit Blick auf die Kommunalwahlen hofft der Fraktionschef, dass der Aufwärtstrend für seine Partei anhält.

"Jetzt nicht größenwahnsinnig werden!"

Otto Bodenheimer (Fraktionssprecher Bündnis90/Die Grünen) verfolgte in Kiel mit „quietschfidelen Enkelkindern“ die „traumhaften“ Resultate. „Für uns ist das ein toller Erfolg und eine späte Genugtuung, denn jahrelang wurden wir nur als ökologische Spinner abgetan.“ 

Jetzt gehe es darum, nach dem Erfolg nicht größenwahnsinnig zu werden, sondern ihn in vernünftige Sachpolitik – auch vor Ort – umzusetzen. Den jungen Menschen empfahl er, sich in demokratischen Parteien zu engagieren und dort für Veränderungen einzutreten.

"Rechtsruck in Europa ist ein Weckruf" 

Michael Thomas-Lienkämper (Fraktionschef Die Linke) macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Unser Programm war nicht kantig und nicht klar genug, unser Spitzenduo für Europa vielleicht zu unbekannt.“ 

Die Kommunalwahlen 2020 seien „kein Selbstläufer, wir müssen uns noch mehr anstrengen und noch deutlicher herausstellen, was uns von anderen Parteien unterscheidet“. Auch mit Blick auf einen weiteren „Rechtsruck in Europa“ müsse die Wahl vom Sonntag als „Weckruf“ verstanden werden. 

Auch Schüler stimmten ab

Zahlreiche Schüler weiterführender Schulen in Lüdenscheid haben auf Initiative des Stadtjugendrings ebenfalls probehalber abgestimmt. Sie „wählten“ die Grünen als stärkste Partei vor der SPD und der CDU.

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