Novelis: Kritik und Unverständnis gegenüber Schließungsplänen

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Dunkle Wolken über dem Novelis-Standort an der Wiesenstraße: Dort will der Konzern im Sommer nächsten Jahres die Produktion einstellen.

Lüdenscheid - Die für Sommer 2020 geplante Schließung des Novelis-Werks an der Wiesenstraße stößt auf offene Kritik und Unverständnis.

Der Verlust von 200 Arbeitsplätzen am Standort Lüdenscheid ist nach den Worten der Ersten Bevollmächtigten der IG Metall, Gudrun Gerhardt, „für die Region schmerzhaft“. 

Dr. Karl Heinz Blasweiler, stellvertretender Chef der Stadtverwaltung, äußert sich „sehr überrascht. Wir hatten keinerlei Hinweise oder Anhaltspunkte, die auf eine Schließung hingedeutet hätten“. 

Kevin Dewald, der für die IG Metall die Novelis-Beschäftigten betreut, sagt: „Wir erwarten insbesondere von tarifgebundenen Unternehmen, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um Beschäftigung und Standorte zu sichern. Dazu hätte es auch gehört, mit uns über Alternativen zu einer Werksschließung zu sprechen. Dies ist nicht geschehen.“ 

Er werde „zeitnah mit dem Betriebsrat und unseren Mitgliedern schauen, wie es weitergeht und in welcher Form Ansprüche bis zur Werksschließung geltend gemacht werden können“, so Dewald weiter. 

Zweite schlechte Nachricht in wenigen Tagen

Gudrun Gerhardt weist ergänzend auf die kürzlich angekündigte Schließung der Unternehmensgruppe Georg Fischer in Werdohl hin, wo rund 300 Beschäftigte ihren Job verlieren werden. 

Novelis sei zwar kein klassischer Automobilzulieferer wie Fischer. „Allerdings befindet sich die energieintensive Produktion von Aluminiumerzeugnissen ebenso vor einem Wandel wie die gesamte Automobilindustrie. 

Dabei spielt nicht nur die hohe Energielast eine Rolle, sondern auch die Akzeptanz von Aluminiumprodukten wie der in Lüdenscheid hergestellten Alu-Folie in privaten Haushalten.“ Hier sei „hautnah“ zu erleben, dass „der ökologische Wandel auch Arbeitsplätze kosten kann“, sagt Gudrun Gerhardt.“ Hinzu kämen Konflikte im Handel insbesondere zwischen den USA und Ostasien. 

Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (SIHK) hält sich zwar mit Äußerungen über unternehmerische Entscheidungen zurück. Doch ihr Lüdenscheider Geschäftsstellenleiter Claus Hegewaldt bezeichnet die Nachricht als „herber Schlag für den Wirtschaftsstandort Lüdenscheid und für die Mitarbeiter sehr schlimm“. 

"Auch Zulieferer und Handwerksbetriebe betroffen"

Es sei zu hoffen, dass die Betroffenen angesichts der „allgemein guten Beschäftigungslage“ schnell neue Arbeit finden. Aber auch Zulieferer oder Handwerksbetriebe seien durch die Schließung des Werks betroffen. 

Wichtig ist aus SIHK-Sicht nun, dass das Areal an der Wiesenstraße „in Zeiten knapper Gewerbeflächen“ auch nach dem Rückzug von Novelis gewerblich genutzt werde, so Hegewaldt. Angesichts der Diskussion über die direkte Nachbarschaft von Industrie und Wohnbebauung seien sicher auch Unternehmen vorstellbar, die „ohne Emissionen oder Immisionen“ arbeiten. 

Nach dem LN-Bericht über die bevorstehende Novelis-Schließung legt das Unternehmen in einer Stellungnahme Wert auf die Feststellung, dass der Aufsichtsrat seine Zustimmung noch nicht erteilt hat. „Aufsichtsrat, Wirtschaftsausschuss und Betriebsrat wurden (...) von den Plänen informiert.“ 

Zustimmung des Aufsichtsrates steht noch aus

Die Zustimmung des Aufsichtsrats sei „noch ausstehend“, Verhandlungen mit dem Betriebsrat würden aufgenommen. 

Die Stadt hat nach Worten Karl Heinz Blasweilers – „anders als bei familiengeführten heimischen Unternehmen“ – gegenüber einem internationalen Konzern „keine Möglichkeiten“, Entscheider in persönlichen Gesprächen zum Umdenken zu motivieren, sagt der stellvertretende Verwaltungschef. 

Auch die IG-Metall-Bevollmächtigte erwartet nichts Gutes „für die kommenden Wochen und Monate“. Gudrun Gerhardt: „Die abgeschwächte Konjunktur und der Wandel in der Industrie werden uns vor eine harte Probe stellen. Wirtschaft und Politik müssen nun dringend an den Tisch, um über Maßnahmen zu diskutieren, die zum Beispiel in Kurzarbeitsphasen oder im Umfeld von Werksschließungen Qualifikation und Beschäftigung bringen können.“ 

Die Gewerkschaftschefin weiter: „Unsere Region ist nun mal von industrieller Wertschöpfung geprägt, von der viele Familien durch ihre Arbeit finanziell abhängig sind. Die Menschen haben zu Recht hohe Erwartungen, dass nun was passiert. Es bringt nichts, auf den Moment zu warten, an dem es vorbei ist.“

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