Jan Niklas Schwabecher feiert in Nicaragua

+
Jan Niklas mit seiner Gastfamilie.

LÜDENSCHEID/CORINTO - Der Lüdenscheider Jan Niklas Schwabecher (18) lebt seit August im zentralamerikanischen Staat Nicaragua. Dort absolviert er im Rahmen des Freiwilligenprogramms „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Freiwilliges Soziales Jahr.

An dieser Stelle berichtet er über sein Weihnachten:

"Dieses Jahr wird Weihnachten für mich ein wenig anders aussehen als in den 18 Jahren zuvor, da ich es zum ersten Mal außerhalb meiner Familie in Deutschland und in einem anderen Kulturkreis feiern werde. Dadurch wird es jedoch auf keinen Fall uninteressanter, denn es gibt einige Unterschiede zwischen der deutschen und nicaraguanischen Kultur. 

Der wohl größte Unterschied ist wahrscheinlich für uns Europäer das Klima. Hier ist es ganzjährig, also auch zu Weihnachten, sehr warm und es gibt daher natürlich keinen Schnee. Ist schon sehr ungewohnt im Dezember in Sommerkleidung herumzulaufen und gleichzeitig in den Supermärkten Weihnachtsmusik zu hören oder den Menschen beim Schmücken ihrer Häuser mit Lichterketten zuzusehen. 

In Nicaragua ist doch so vieles anders, aber sehr spannend! In Deutschland wird vor dem Weihnachtsfest neben den Adventssonntagen noch am 6. Dezember Nikolaus gefeiert. Dieses Fest gibt es hier nicht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine vorweihnachtlichen Geschenke gibt, ganz im Gegenteil! Am 7. und 8. Dezember wird die sogenannte „Griteria de la concepcion de la virgen Maria“ gefeiert. 

Dies bedeutet ungefähr die „Ankunft der Jungfrau Maria“. Hört sich jetzt vielleicht nicht besonders spannend an, aber die Art und Weise, wie dieses vorweihnachtliche Fest gefeiert wird, ist sehr ungewöhnlich für den deutschen Kulturkreis. Alles beginnt am Vormittag mit dem Abfeuern von Feuerwerkskörpern, wie es in Deutschland nur an Silvester der Fall ist. Am Abend wird in vielen Häusern der Stadt ein Altar aufgebaut. 

Dieser besteht aus verschiedenen religiösen Symbolen und einer Figur der Jungfrau Maria. Dazu wird alles noch mit Lichterketten und Blumen feierlich geschmückt. Anschließend kommen alle Menschen jeder Altersgruppe aus ihren Häusern und es findet eine Art Umzug in kleinen Gruppen, meistens Familien, durch die Stadt statt. An jedem Haus mit Altar wird dann ein Lied gesungen, um die Maria, die an diesem Tag für sehr viel Fröhlichkeit in der Stadt sorgt, zu preisen. 

Danach werden von den Hausbewohnern verschiedene Sachen verschenkt, angefangen bei Süßigkeiten, über Schmuck, bis hin zu Plastikbechern und –Tellern. Sie können sich bestimmt vorstellen, was für ein Berg von Gegenständen für mich nach zwei Stunden Umzug zusammengekommen ist. Ich finde, dieses Ritual erinnert ziemlich an Halloween, ist jedoch viel freundlicher, da wirklich alle Einwohner zusammen feiern und ich mich selbst als Ausländer dazugehörig und aufgenommen fühle. Das Fest klingt dann in der Nacht und auch noch am nächsten Tag mit viel Feuerwerk aus. 

Einige Tage vor Weihnachten wird dann noch eine weitere Ankunft gefeiert. Die Ankunft der Jungfrau „Hato“, die zwar die gleiche Person wie Maria ist, jedoch an diesem Tag anders dargestellt wird. Das Weihnachtsfest selbst ist dann doch schon recht ähnlich. Am 24. Dezember wird im Haus alles für den ersten Weihnachtstag am 25. Dezember vorbereitet. 

Es wird ein festliches Essen zubereitet und am späten Abend finden viele Gottesdienste statt. In der Nacht wird dann im Familienkreis mit viel Fröhlichkeit und auch kleinen Geschenken das meiner Meinung nach schönste Fest im Jahr gefeiert. Geschenke haben im Vergleich zu Deutschland jedoch keinen hohen Stellenwert. Viel wichtiger ist, dass die Familie gesund zusammensitzt und viel Freude herrscht. 

Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag gehen viele Menschen zum Strand oder verreisen für ein paar Tage, bis schließlich schon nach wenigen Tagen am 31. Dezember der Jahreswechsel gefeiert wird. Ich bin echt gespannt, wie das alles ablaufen wird. Trotzdem bin ich sehr glücklich, Teil dieses besonderen Festes in meiner Gastfamilie sein zu dürfen. In diesem Sinne ein frohes Weihnachtsfest mit viel Schnee und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare