Lüdenscheider ist neuer Vize der EKD

Jochen Bohl (rechts) ist neuer EKD-Vize.

LÜDENSCHEID ▪ Der gestern zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählte Jochen Bohl (siehe Mantelteil) leitet seit 2004 die sächsische Landeskirche mit knapp 800 000 Mitgliedern. Der 60-Jährige muss Strömungen vom sehr fromm geprägten Erzgebirge bis zum eher bürgerlich-liberalen Leipzig zusammenhalten.

Zu den zentralen Aufgaben einer Kirche zählt der Bischof vor allem die Mission und Gewinnung neuer Anhänger für den Glauben. „Jeder Mensch braucht mehr als Brot zum Leben“, lautet einer seiner wiederkehrenden Sätze.

Bohl, der sich beim Joggen an der Elbe fit hält, wurde in Lüdenscheid geboren. Er studierte Theologie, war Pfarrer im Kirchenkreis Dortmund-Süd und leitete das Evangelische Jugendwerk an der Saar. Anfang der 90er-Jahre unternahm er zudem einen kurzen Ausflug in die Politik und war vorübergehend stellvertretender Landesvorsitzender der saarländischen Grünen.

Nach Sachsen kam der verheiratete Vater dreier erwachsener Söhne 1995, um das regionale Diakonische Werk zu leiten. Von dort gelang ihm der Aufstieg in das Dresdner Bischofsamt. Obwohl die Landeskirche eher bodenständig geprägt ist, setzte er sich bei der Wahl gegen zwei gebürtige Sachsen durch. Bis zu seiner Wahl in den Rat der EKD 2009 war Bohl Stellvertreter des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands.

Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn gehört die Einweihung der Dresdner Frauenkirche 2005. Bohl leitete damals den weltweit beachteten ersten Gottesdienst in dem Gotteshaus. Auch ein zweiter großer Auftritt führte den in Fremdsprachen versierten Bohl in die Frauenkirche. Anfang Juni 2009 zeigte er US-Präsident Barack Obama den Innenraum und betete mit ihm vor dem Altar.

Auch auf EKD-Ebene ist der Rat von Bohl gefragt. Unter anderem arbeitete er am Zukunftspapier „Kirche der Freiheit“ mit und war bis 2009 Mitglied der Steuerungsgruppe für den EKD-Reformprozess. Wer dem neuen stellvertretenden EKD-Ratsvorsitzenden begegnet, erlebt ihn als sehr geradlinig. Besonders deutlich hat er immer wieder den besonders in Sachsen erstarkten Rechtsextremismus angeprangert. ▪ epd

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