Carbage Run

5200 km durch Skandinavien: Lüdenscheider bei verrückter Rallye - Video

+
Dicke Freunde, gerne unterwegs: Sascha Helbig (links) und Christian Hilbrandt.

Lüdenscheid - 5200 Kilometer in sechs Tagen. Mit einem Auto, das älter sein muss als Baujahr 2000 und nicht mehr gekostet haben darf als 500 Euro. Jeden Tag zwei kuriose Aufgaben erfüllen und möglichst mehr Punkte sammeln als die rund 250 Konkurrenzteams. Das war der Carbage Run 2019. Zwei Lüdenscheider waren verrückt genug und haben sich der Herausforderung gestellt. Sascha Helbig (37) und Christian Hilbrandt (30) sind gesund zurück – und zu 100 Prozent sicher: „Es war geil! Wir bereuen keine einzige Sekunde.“

Vor einer Autopanne haben die Freunde keine Angst. Der Eine ist Junior-Chef bei Autoservice Helbig an der Weststraße, der Andere sein Werkstattmeister – beide echte Schrauber. Ihren Wagen, ein Mercedes E320, Baujahr ‘98, haben sie von einem Lüdenscheider Gastwirt geschenkt bekommen. 

Sascha: „Die Karre war beim Tüv durchgefallen, ziemlich durchgerostet, Bremsleitung geplatzt, Auspuff kaputt und noch ein paar Sachen.“ Nach Feierabend basteln Sascha und Chris an dem Benz, bis der Tüv ihn durchwinkt – und lassen ihn zu. Kennzeichen: MK BK 1729. Das „BK“ steht für „Brüder Knallvoll“, der Kampfname des Duos für die Rallye.

Start in Kopenhagen

In den Kofferraum, auf den Rücksitz und in die Dachbox kommen die nötigsten Sachen: Luftmatratzen, Zwei-Mann-Zelt, palettenweise Dosenbier, Notstromaggregat, Sommerkleidung, 25 Armeekonserven und ein Schlauchboot. 

Mehr über den Carbage Run

Treffpunkt für die Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Kopenhagen. 450 Mannschaften rollen mit ihren Rostlauben an, 250 Teams davon nehmen an der Wertung teil, auch Sascha und Chris aus Lüdenscheid, der Rest fährt „for fun“ mit.

1. Etappe: Nach Karlstad

Die erste Etappe rüber nach Schweden ist etwa 560 Kilometer lang. Bis die „Brüder Knallvoll“ spätestens um 23 Uhr die Ziellinie überrollen, müssen sie zwei Aufgaben erledigt haben. 

Chris mag sich aber nicht die Haare weißblond färben. Also übernimmt sein Kumpel das – und besorgt sich nach langer Suche auftragsgemäß noch eine originale Ikea-Berufskleidung. 

5200 km durch Skandinavien: Lüdenscheider bei verrückter Rallye

In Schweden wohl kein Problem, dachten sie. Von wegen! Chris sagt: „In Deutschland gibt’s in jeder größeren Stadt einen Ikea, aber wir mussten stundenlang einen suchen.“ In der Kleinstadt Älmhult finden sie endlich einen – und auch eine zierliche Verkäuferin in der Ikea-Gartenabteilung, die ein gelbes Dress rausrückt, Kleidergröße S. 

Sascha grinst: „Das Ding war schon irre eng.“ Schnell ein Foto gemacht, ab nach Karlstad, der Jury den blondierten Schädel und die Ikea-Pelle vorzeigen – Etappe geschafft.

2. Etappe: Nach Vemdalen

Dass Chris Hilbrandt sich am Vortag gedrückt hat, rächt sich jetzt. Eine der Aufgaben des Tages lautet: „Macht ein Video von einem eurer Teammitglieder, das eine Dose Surströmming öffnet und einen Happen davon isst!“ Sascha Helbig lacht sich kaputt. „Das hätte ich nicht gepackt.“ 

Was ist eigentlich Surströmming?

Die Saison für den vergorenen Hering hat noch nicht begonnen. Entsprechend schwierig ist es, eine Dose davon zu aufzutreiben. In einem Tante-Emma-Laden in einem entlegenen Dörfchen werden sie fündig. Die Verkäuferin, eine ältere Dame, schwärmt ihnen vor, wie lecker Surströmming ist. 

In einem Wald halten sie an, Sascha bringt die Handykamera in Anschlag, Chris macht die Dose auf. Beide haben die Nase mit Panzerband abgeklebt. Das erste Fischstück fliegt Chris unter Würgen auf den Waldboden. 

Dann filmt Sascha, wie sein Kumpel zwei Esslöffel-Portionen von dem vergorenen Hering runterkämpft, blass, konzentriert, wild entschlossen. 

Die zweite Aufgabe des Tages ist unlösbar. Ein Foto von einem Koenigsegg schießen. Das ist ein handgearbeiteter Sportwagen, wird im Internet ab sechs Millionen Euro pro Exemplar gehandelt, „von dem gibt es in Schweden nur vier Stück“, hat Sascha bei Google recherchiert. Null Punkte also – für alle anderen Teams aber auch.

3. Etappe: Nach Farstad

Es geht Richtung Norwegen, neun Stunden Fahrt. Die Sommerklamotten reichen nicht mehr, es wird kalt, der Regen will einfach nicht aufhören. Die „Brüder Knallvoll“ müssen nachrüsten. Chris: „Ich habe mir die teuerste lange Unterhose meines Lebens gekauft“ – für 60 Euro. 

Vor dem Grenzübertritt die Erste Aufgabe des Tages: „Lasst euer Auto von einer Schwedin abschleppen (nicht mithilfe eines anderen Fahrzeugs!)“ Die Lüdenscheider erinnern sich an eine Odyssee zu Firmen, auf Bauernhöfe, durch Dörfer, um diese eine Schwedin zu finden. „Da war eine sehr Kräftige, aber die hatte keinen Bock.“ 

Vor einem Supermarkt sprechen sie ein Pärchen an. Der junge Mann zeigt auf seine Freundin. „Die macht das.“ Chris und Sascha bieten von ihren Vorräten vier Dosen Veltins an, der Handel ist perfekt. Bier ist teuer in Schweden. 

Sprit übrigens auch. Chris: „Wir haben auf der Tour so um die 600 Liter Super verbraucht, am billigsten war der Sprit für 1,70 Euro pro Liter.“ 

Norwegen ist bekannt für seine Fjorde, schreiben die Veranstalter. „Macht ein Foto von einem Teammitglied, das auf einem Fjord-Pferd sitzt!“ Suchen, finden, aufspringen, Bild schießen – irgendwie kriegt das Duo auch diesen Job erledigt.

4. Etappe: Nach Braskereidfoss

Kein Internet, Kälte, Wind, Schneefelder, eine Reifenpanne – aber ein möglichst großes Knäckebrot selbst backen. Das klappt am vierten Rallyetag mit eilig gekauften Zutaten und einem Gasgrill eher halbgut. Die Knäckescheibe brennt an, wiegt 2,2 Kilogramm, es gibt leichten Punktabzug. 

Außerdem muss das Team einen wilden Elch fotografieren, zusammen mit dem Auto. „Wir sind möglichst viel im Wald gefahren, plötzlich stand einer vor uns, 15 Meter weit weg.“ Sie wollen ihn gerade ablichten, „da guckte er nur blöd rüber und rannte weg“. Null Punkte.

5. Etappe: Nach Mantorp

Am letzten Tag geht’s nur noch drum, die Strecke bis zum Ziel zu schaffen – ohne Aufgaben. 1000 Euro Preisgeld kriegt der Sieger, die Zweit- und Drittplatzierten ein bisschen weniger. 

Chris Hilbrandt und Sascha Helbig sind weit vorne gelandet, aber sie ärgern sich. „Vierter zu werden, das ist echt Mist!“ Trotzdem: Sie hatten Spaß, sie wollen wieder antreten. 

Ihre Frauen, Carolin und Miriam, sind einverstanden. „Aber nächstes Jahr mit einem Diesel“, sagt Sascha. Es geht nach Montenegro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare