Ein Platzverweis und viele Zweifel

Lüdenscheid - Ein 28-jähriger Lüdenscheider muss sich vor dem Strafrichter wegen des Vorwurfs des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs verantworten. 

Andreas Trode, Strafverteidiger aus Iserlohn, ist in Justizkreisen und bei der Polizei bekannt für eine gewisse Unnachgiebigkeit. Da nimmt der Rechtsanwalt oft auch keine Rücksicht auf die Berufsgruppe der Polizisten. 

„Das sind auch Menschen“, sagt er zu Strafrichter Lyra. Und meint: Auch Vollzugsbeamte leisten sich im Zeugenstand Erinnerungslücken, Irrtümer und mitunter fahrlässige oder sogar bewusste Falschaussagen. 

Ob das im aktuellen Fall auch so ist, bleibt noch zu klären. Angeklagt ist ein 28-jähriger Arbeiter. Er soll Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet und Polizisten tätlich angegriffen haben. 

Die nach wie vor offene Frage lautet, ob die Diensthandlung der Polizisten überhaupt rechtmäßig war. 

Halloween-Nacht, 1. November 2017: Vor dem Brauhaus Schillerbad gerät der Angeklagte kurz mit einem Passanten zusammen. Beamte im Sondereinsatz greifen ein, ziehen den rabiaten Passanten aus dem Verkehr und erteilen dem 28-Jährigen einen Platzverweis. 

Der Angeklagte sagt, einer der Beamten habe ihm erlaubt, nach Ende der Party wiederzukommen. „Ich wollte dem DJ im Brauhaus beim Aufräumen helfen.“ Am frühen Morgen kehrt er also zurück, die Polizisten sind noch da. 

„Da ist er ja wieder“, soll einer gerufen haben. Ob es einen neuerlichen Anlass für einen Platzverweis gegeben hat, ist noch nicht geklärt. Klar ist, dass der 28-Jährige an Händen und Füßen gefesselt im Einsatzwagen landet. 

Die Polizisten behaupten, er habe um sich getreten und Beleidigungen ausgestoßen, ein Arzt attestiert ihm später einen verstauchten Fuß. Der Beschuldigte streitet den Vorwurf ab. 

Trode nennt den Vorgang „schlicht und einfach Willkür“ und die Tatsache, dass entgegen der Vorschrift in der Strafprozessordnung keiner der Polizisten im Ermittlungsverfahren als Zeuge vernommen wurde, „eine Sauerei“. 

Der Verteidiger: „Die Beamten kommen hier einfach hin, dann wird das runterreferiert und fertig“. Richter Andreas Lyra will weitere Polizisten als Zeugen laden.

Der Prozess wird am 11. September um 9 Uhr fortgesetzt.

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