Immer wieder häusliche Gewalt: Bewährungsstrafe

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Symbolbild

Lüdenscheid - Ein Arbeiter aus der Kreisstadt muss sich unter anderem wegen häuslicher Gewalt vor dem Strafrichter verantworten. Das Verfahren endet für ihn glimpflich.

Es ist der 18. Polizeieinsatz in der Wohnung an der Kölner Straße, Mitte März. Häusliche Gewalt mal wieder. Eine 32-Jährige kriegt Schläge von ihrem Lebensgefährten (25). Sie soll ihre Mutter anrufen, um Geld für ihn zu besorgen, damit er seine Spielsucht befriedigen und Drogen kaufen kann. 

Das bringt ihm 30 Euro ein – und eine Anklage wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung. Das sind nicht die einzigen Anklagepunkte vor dem Schöffengericht.

Versteck im Kleiderschrank

Der Angeklagte, vorbestraft und erst seit kurzem wieder in Lohn und Brot, gibt sich geläutert. Er habe sein Leben geändert, sei seit Mai verlobt und freue sich auf das Baby. Seine Verlobte ist im achten Monat schwanger. 

Sie sitzt im Zeugenstand und beruft sich auf ihr Recht auf Aussageverweigerung. Kein Wort über Gewaltausbrüche oder blaue Flecken. „Sie ist beratungsresistent“, sagt ein Polizist. 

Einmal habe es ein zehntägiges Näherungsverbot gegeben. „Zwei Tage später haben wir ihn bei ihr im Kleiderschrank gefunden.“ Dass der Lüdenscheider zweimal ohne Fahrerlaubnis und bekifft am Steuer eines Autos erwischt wurde und dass er sich eines Tankbetruges und einer Beleidigung schuldig gemacht haben soll, das gibt er zu. 

Zu dem Übergriff auf seine Liebste sagt er zunächst nichts. Darüber, dass er ihr einmal schmerzhaft ins Gesicht gegriffen und sie verletzt hat, auch nicht. Strafverteidigerin Kirsten Petereit-Fredl regt ein Verständigungsgespräch mit den Richtern und dem Staatsanwalt an. Sie hat Erfolg. 

Der Vorsitzende Richter Thomas Kabus gibt nach dem Deal, der hinter verschlossenen Türen ausgehandelt wurde, bekannt: Im Fall eines Geständnisses gibt’s maximal ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung.

"Er hat sein Leben jetzt im Griff"

Jetzt gibt sich der werdende Vater einen Ruck. „Ja, es ist viel Scheiße passiert, ich hatte Geldprobleme, meinen Job und den Führerschein verloren.“ Aber das Problem mit der Spielsucht gebe es gar nicht. 

Die 30 Euro habe er trotzdem gebraucht. „Ich wollte meine Zigaretten rauchen.“ Seit der Verlobung lebe er drogenfrei. Seine Verteidigerin bekräftigt: „Er hat sein Leben jetzt im Griff.“ Doch der Staatsanwalt weiß mehr. 

Nach den jetzt angeklagten Vorfällen leitete seine Behörde drei weitere Strafverfahren ein, unter anderem wegen Betruges. Und wegen eines Drogendeliktes, die Anklage wurde im August erhoben. Kirsten Petereit-Fredl: „Davon weiß ich noch gar nichts.“ 

Richter Kabus nennt den Ausgang des Verfahrens „glimpflich“ Und ermahnt den Verurteilten. „Das muss aufhören!“ Neben der Bewährungsstrafe kassiert der 25-Jährige noch eine Sperre der Fahrerlaubnis für ein Jahr. 

Nach dem Prozess zwängt sich die hochschwangere Frau hinters Steuer eines Kleinwagens. Er nimmt auf dem Beifahrersitz Platz und zündet sich eine Zigarette an.

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