14-Jährige per Whatsapp bedroht: Mutige Schülerin identifiziert ihren Dealer

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Symbolbild

Lüdenscheid - Einem erheblich vorbestraften Drogendealer (23) droht eine lange Freiheitsstrafe. Er soll bewaffnet mit Marihuana gehandelt und "Gras" auch an Minderjährige abgegeben haben.

Die Justiz hatte dem Dealer im vergangenen Jahr eine Goldene Brücke gebaut. Zwar hatte er wegen bewaffneten Handels mit Drogen siebeneinhalb Jahre „kassiert“, aber immerhin die Chance, nach einer Therapie und der Hälfte der Zeit auf Bewährung freizukommen.

Aber, um im Bild zu bleiben: Statt den Weg über die Brücke zu gehen, hat er sich aufs Geländer gestellt und ist in den Abgrund gesprungen. Der 23-Jährige ist schon wieder angeklagt, wieder wegen Drogenhandels unter Waffen, diesmal außerdem noch wegen des Verkaufs von Marihuana an Minderjährige.

Teilgeständnis

„Es war falsch, dass ich weitergemacht habe nach der Verurteilung.“ Der Lüdenscheider gibt sich kleinlaut und wirkt nervös. Knapp 140 Gramm „Gras“ haben Polizisten am 4. Januar in seiner Wohnung am Vogelberger Weg gefunden. 

Der Beweis ist erdrückend. Dass er verkauft hat, um seinen massiven Konsum zu finanzieren, streitet er auch nicht ab. Aber dass in seiner Wohnung ein Baseballschläger lag, davon habe er nichts gewusst, sagt er. „Den hat ein Freund da hin gelegt, der während meines Urlaubs auf die Wohnung aufpassen sollte.“ 

Und an Minderjährige habe er, „so weit ich weiß“, nichts verkauft. Ein umfassendes Geständnis im Sinne der Anklage klingt anders. 

Strafverteidiger Frank Becker aus Hagen bittet um ein Rechtsgespräch abseits der Hauptverhandlung, um die Chance auf eine Verständigung mit der Kammer unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettina Wendlandt auszuloten. Doch es kommt keine Einigung zustande.

Zeugenaussagen

Ein Kripo-Beamter beschreibt, wie das neue Verfahren gegen den Verdächtigen angerollt ist. Eine 14-Jährige wurde demnach in der Schule mit einem Tütchen „Gras“ erwischt. Sie erkennt den Dealer auf einem Foto bei der Polizei. 

Weitere Jugendliche werden vorgeladen. Der 23-Jährige wird festgenommen. Er bleibt dabei. Man habe nicht sehen können, wie jung die Kiffer sind. Ein Richter sagt: „Ich habe mir einen der Jungs auf Facebook angesehen. Das ist ein Bubi!“ 

Der Polizist berichtet, der Lenneteich am Fuß des Vogelbergs sei „ein absoluter Drogenumschlagplatz“ gewesen. Seit der Lüdenscheider in U-Haft sitzt, „ist es deutlich ruhiger geworden“. Dafür hat eines der Mädchen Stress, als es bei der Polizei aussagt. 

Der Zeuge: „Sie kriegte WhatsApp-Nachrichten von einem ihr unbekannten Absender.“ So nach dem Motto „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“ Doch die 14-Jährige bleibt mutig. 

Auch im Gerichtssaal identifiziert sie den 23-Jährigen als den Dealer vom Vogelberg. Der wiederum bestreitet, sie zu kennen.

Fortsetzung

Der Prozess wird am 24. Juni um 9 Uhr im Saal 247 des Landgerichts fortgesetzt.

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