Missbrauchsprozess: Widersprüche und fehlende Puzzleteile

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Symbolbild

Lüdenscheid - Die juristische Lage im Missbrauchsprozess vor dem Hagener Landgericht ist noch unübersichtlich

Die Richter der 1. großen Strafkammer haben immer noch kein komplettes Bild von den Vorgängen in der Familie des Angeklagten. Viele der Puzzleteile fehlen, andere passen nicht, die Indizienlage ist alles andere als eindeutig. 

Die Prozessbeteiligten warten gespannt auf die Aussagen der Töchter des Angeklagten (32). Doch zum Gesamtbild des Falles könnten auch zwei Frauen beitragen, die sich bei Gericht gemeldet haben. 

Eine der Zeuginnen will laut Richter Jörg Weber-Schmitz eine Aussage über ihre Zeit in der Wohnung der Familie machen. Sie habe während wiederholter Klinikaufenthalte der Mutter geholfen, den Haushalt mit den Kindern zu bewältigen. 

Die andere Frau hat die Hauptverhandlung bereits mehrere Tage im Zuschauerraum verfolgt und will nun im Zeugenstand etwas klarstellen. Nach ihren Worten hat die Mutter der Mädchen eine Falschaussage gemacht, als sie sagte, sie habe nichts mitbekommen. Vielmehr habe sie von dem Missbrauch gewusst. 

Ob das stimmt, wird das Gericht noch zu klären haben. Klar ist hingegen, dass die beiden Kinder eine Odyssee erlebten, nachdem das Jugendamt sie aus ihrer Familie geholt hatte. Neben Untersuchungen in der Gerichtsmedizin oder einem mehrmonatigen stationären Aufenthalt in einer diagnostischen Facheinrichtung für gewaltgeschädigte Kinder in Düsseldorf landeten die Schwestern auch bei einer Familie in Engelskirchen im Oberbergischen. 

Das Ehepaar, das ehrenamtlich in der „familiären Bereitschaftsbetreuung“ arbeitet, trat gestern zwar in den Zeugenstand. Seine Aussagen aber erwiesen sich als wenig ergiebig bei der Suche nach der Wahrheit. 

Denn über auffällige Vorkommnisse bei den leiblichen Eltern haben die Mädchen ihren Pflegeeltern offenbar nichts konkretes erzählt.

Der nächste Prozesstag findet am 4. Juni um 9.30 Uhr im Saal 201 des Hagener Landgerichts statt.

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