Prozess vor dem Landgericht

Mutmaßlicher Kinderschänder bricht sein Schweigen

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Symbolbild

Lüdenscheid - Im Missbrauchs- und Vergewaltigungsprozess gegen einen 32-jährigen Lüdenscheider hat der Angeklagte sein Schweigen gebrochen.

Die beiden Mädchen, deren Vater sie sexuell schwer missbraucht und sogar vergewaltigt haben soll, kommen um eine Zeugenaussage nicht herum. Der Angeklagte, ein 32-jähriger Lüdenscheider, hat am zweiten Prozesstag vor der 1. großen Strafkammer des Hagener Landgerichts zwar sein Schweigen gebrochen. streitet aber alle Vorwürfe ab.

„Ich habe nie so was begangen, und ich würde das auch nie tun.“ Er könne sich nicht erklären, warum seine Kinder sich „das alles ausgedacht“ haben, sagt er zu Richter Jörg Weber-Schmitz. Und: Er habe viele Freunde, „keiner traut mir das zu“. 

Einmal habe er sich nachts „gewisse Filme angeschaut“ und nicht gemerkt, dass die Kinder hinter ihm stehen. Die Frau, die den Familienvater angezeigt hat, ehemalige Freundin der Familie, berichtet im Zeugenstand über ein Gespräch mit einem der Mädchen. „Da war sie sechs oder sieben Jahre alt.“ 

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Das Kind habe erzählt, der Papa habe sie überall berührt „und wollte eklige Sachen von mir“. Der Intimbereich des Kindes sei stark gerötet gewesen. Später habe das Mädchen sich den Kopf geschoren und ihre Kleidung verschenkt, „alles Weibliche abgelegt und wollte nur noch Fußball spielen“. 

Etwa ein Jahr später untersucht die Kölner Rechtsmedizinerin Dr. Sibylle Banaschak, spezialisiert auf Kinderschutz, die Schwestern. Es gibt keinen eindeutigen Befund. „Aber der Rückschluss, dass da tatsächlich nichts war, ist nicht zulässig.“ Körperliche Verletzungen durch Missbrauch oder Vergewaltigung „heilen sehr schnell ab“. 

Eine Sozialpädagogin einer Kinderschutz-Ambulanz gibt Inhalte aus Gesprächen mit ihren Schützlingen wider. Eines der Mädchen habe „ohne zu zögern gesagt, ja, der Papa hat das gemacht“. Ihr Wissen über sexuelle Praktiken „ging deutlich über das normale Wissen einer Achtjährigen hinaus“. 

Außerdem wurden die Kinder monatelang in einer stationären Facheinrichtung für Diagnostik in Düsseldorf begutachtet. Eine Fachkraft fasst zusammen: „Es lagen posttraumatische Belastungsstörungen vor.“ Die Experten entscheiden, dass die Mädchen getrennt voneinander stationär untergebracht werden sollen. 

„Keinen schlimmen Verdacht“ hatte jedoch nach eigenen Worten die Mutter der Mädchen. Sie sagt aus, sie habe nichts mitbekommen. Nur einmal habe eines der Kinder gesagt: „Ich will nicht mehr zu Papa!“ Beim Kinderarzt sei „nie was aufgefallen“. 

Über die Behörden und ihren Ex-Mann sagt sie: „Das Jugendamt denkt, ich stecke mit dem unter einer Decke.“

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