Erfolgreiche Berufung erspart das Gefängnis

LÜDENSCHEID  - Vielleicht hatte er ja seriöse Absichten. Aber der Drang, alles verfügbare Geld in Spielautomaten zu stopfen, war offenbar doch unüberwindbar. Und so fing sich ein 45-Jähriger wegen gewerbsmäßigen Betruges in fünf Fällen eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ein. Doch der Berufungsrichter am Landgericht hatte ein Einsehen.

Einen Getränkegroßhandel mit einem Kiosk wollte der gelernte Schneider, geschieden und Vater zweier erwachsener Kinder, eröffnen. Also fuhr der Lüdenscheider mit seinem Formular zur Gewerbeanmeldung nach Hagen, bat beim Ratio-Großhandel um eine Einkaufsberechtigung und vereinbarte gleich die Bezahlung per Bankeinzug. Es dauerte fünf Einkäufe, und es kostete fast 22 000 Euro, bis der Schwindel aufflog: Der Mann hatte gar kein Geld auf dem Konto. Die Strafanzeige kam, 500 Euro zahlte er schnell noch zurück, aber dann meldete er Insolvenz an.

Das Schöffengericht in Hagen verurteilte den Betrüger im August des vergangenen Jahres zu einer Strafe, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Ab einem Strafmaß von zwei Jahren muss die Haft verbüßt werden. Immerhin hat der Angeklagte ganze Wagenladungen Schnaps und die Zigaretten verkauft und das Geld für sich eingestrichen anstatt seine Schulden zu begleichen.

Doch Rechtsanwalt Andreas Trode aus Iserlohn macht strafmildernde Umstände geltend, denen sich auch Richter Kaiser nicht verschließen mag. Neben dem dummen und fast krankhaften Drang, den Profit von Spielhallen und Automatenaufstellern zu maximieren, wirkt sich auch die Tatsache positiv aus, dass der verschüchtert wirkende Lüdenscheider weder vor noch nach seiner betrügerischen Shopping-Tour im Ratio straffällig geworden war. Dazu wertet das Gericht auch die Sozialprognose für den Angeklagten positiv: Er geht einer regelmäßigen Arbeit nach, für rund 1000 Euro im Monat, als Aufsicht in einer Spielhalle.

Der Berufungsrichter stuft die kriminelle Energie im Angeklagten zwar als „nicht unerheblich“ ein, berücksichtigt aber Rechtsanwalt Trodes Argumente. Dessen Mandant muss nun doch nicht ins Gefängnis. 22 Monate mit Bewährung, so lautet das Urteil. - von Olaf Moos

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