Die platzende Fliegerbombe als Spielzeug

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Torpedobatterien, Stahlhelme, Klappspaten und die Spitze einer V2 sind ab Sonntag in den Museen zu sehen.

Lüdenscheid – Das Zentrum der Ausstellung „Friedliches Lüdenscheid?“ beherrscht die Spitze einer V2-Rakete, ausgeliehen aus dem Bunkermuseum Hagen. Torpedobatterien, der klassische Stahlhelm, Abzeichen, Klappspaten, viele Fotografien und Dokumente, aber auch ein Bilanzbuch, aus dem hervorgeht, welche Rücklagen gebildet werden für den Fall, dass man sich weigert, Teil für die Militärindustrie herzustellen.

Die Ausstellung, die am Sonntag um 11.30 Uhr in den Museen der Stadt an der Sauerfelder Straße eröffnet wird, katapultiert den Besucher zurück in eine Zeit, in der Lüdenscheid alles andere als friedlich war. Im Anschluss an die Mond-Ausstellung wurde der Teil des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe abgeräumt.

An seine Stelle treten nun die heimische Industrie und ihr Anteil an Zulieferteilen für die Kriegsmaschinerie. „Bestimmte Themen wurden in den 60er-Jahren verdrängt und in den 80-Jahren beschwiegen“, sagt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox mit Blick auf „Friedliches Lüdenscheid?“. Es sei eine aberwitzige Grundannahme, dass hier in der Region nur beschauliche Knopfproduktion stattfand: „Gerade in unserer Elektro- und metallverarbeitenden Region hatten natürlich die wesentlichen, tonangebenden Firmen ihren Anteil. Für ein geschichtshistorisches Museum geht das nicht, dass bestimmte Teile der Stadtgeschichte ausgeblendet werden.“

Auch mit Blick auf die geplante neue Dauerausstellung trug das Team, allen voran Ursula Delhougne als wissenschaftliche Mitarbeiterin, Exponate und Dokumente – auch anhand des Kriegstabebuches des Rüstungskommandos Lüdenscheid – zusammen. Die Ausstellungsstücke machen deutlich, inwieweit Lüdenscheid in die Produktion von Waffen und Zubehörteilen involviert war. „Es geht nicht um irgendwelche Schuldzuweisungen“, macht der Museumsleiter beim ersten Rundgang deutlich, „fünf oder sechs Jahre lang war diese Produktion wichtig, für die Region, für Arbeitsplätze, für Familien unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft. Fast alle hier mussten damit umgehen, und das konstruktiv darzustellen, ist Aufgabe der Ausstellung. Busch-Jäger gehört zu den Wirtschaftsfunktionären dieser Zeit.“

Spielzeug für den deutschen Jungen: Die platzende Fliegerbombe.

In einer Vitrine ist „Die platzende Fliegerbombe“ als Spielzeugnachbau für den deutschen Jungen ausgestellt. Auf einem Podest daneben steht der Holzkoffer, mit dem eine Zwangsarbeiterin 1943 nach Lüdenscheid kam. Der zweite Teil der Mond-Ausstellung zielte ohnehin seit Wochen bereits auf die Beteiligung der Lüdenscheider Industrie ab. Dieser Teil begleitet die Besucher auch weiterhin. Einen ganz besonderen Bereich haben sich die Ausstellungsmacher für den Schlussraum aufgehoben. Dort sind unbekannte Flugobjekte gelandet.

Wesentlichen Anteil an dem Raum hat der UFO-Forscher Hans-Werner Peiniger, der im Rahmen der Ausstellung am 16. Januar zu einem Vortrag in den Museen erwartet wird. Peiniger leitet die GEP (Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens) mit Sitz in Lüdenscheid, die größte der drei bundesdeutschen Gesellschaften dieser Art. „Hans-Werner Peiniger hat Fälle dargestellt, in denen Menschen glaubten, ein UFO gesehen zu haben. Er hat schon tausende solcher Phänomene überprüft“, so Delhougne. Die Ausstellung „Friedliches Lüdenscheid?“ ist bis zum 9. Februar in den Museen zu sehen. Der Eintritt zur Vernissage ist frei.

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