Drei Ausgaben der „Lüdenscheider Zeitbilder“

Quellen über den Ersten Weltkrieg

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Drei Sammelbände der Lüdenscheider Zeitbilder gehören den Museen der Stadt.

Lüdenscheid - Drei Sammelbände mit insgesamt 32 Ausgaben der „Lüdenscheider Zeitbilder“ sind ab heute Teil des virtuellen Museums. Diese Zeitschrift ist LN-Lesern als Quelle für die Geschichte der Stadt Lüdenscheid im Ersten Weltkrieg bekannt.

Seit dem 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Auszüge daraus, um an das Geschehen jener Zeit zu erinnern. Die Zeitbilder sind ein Beispiel dafür, wie historische Dokumente selbst zu einem Ausstellungsstück werden – jenseits dessen, was Historiker aus ihren Inhalten schließen können. Aber nichtsdestotrotz beruht der Wert der „Lüdenscheider Zeitbilder“ vor allem auf ihrer Nutzung als historische Quelle, die wiederum in den Kontext ihrer Entstehung eingebettet werden muss. 

Dazu zählt zunächst der Erste Weltkrieg mit seinen Feindbildern, dem Geschehen an der Front und dem Schicksal der Soldaten. Aber auch das Leben an der sogenannten Heimatfront, das während des Kriegsverlaufs von wachsender Not geprägt war, spielt eine große Rolle. Um die Quelle zu bewerten, muss die Person des Herausgebers, seine gesellschaftliche Stellung und politische Haltung miteinbezogen werden.

Erste Ausgabe erschien am 15. März 1915

In diesem Fall war der Herausgeber Artur Schweriner, der 1912 aus Berlin nach Lüdenscheid zog, um das „Lüdenscheider Tageblatt“ herauszugeben und der sich in der jüdischen Gemeinde engagierte. Vor und während des Ersten Weltkrieges war seine politische Haltung dem Linksliberalismus zuzuordnen. Nach der Kriegseuphorie zu Beginn wurde Schweriner, wie viele andere, etwa in der Mitte des Krieges dann zum Kriegsgegner. 

Am 15. März 1915 erschien die erste Ausgabe der „Zeitbilder“ (LZ), nachdem Schweriners „Lüdenscheider Tageblatt“ aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach den ersten Kriegsmonaten aufgegeben werden musste. Bei den LZ handelte es sich um eine Zeitschrift, die zwar „Halbmonatsschrift“ hieß, aber letztlich in größeren Abständen bis 1918 erschien. Vorbilder für die „Zeitbilder“ gab es auf dem Berliner Zeitungsmarkt, den Schweriner bestens kannte, wie der Lüdenscheider Historiker Dr. Dietmar Simon weiß. Zum Beispiel hieß die Beilage der „Vossischen Zeitung“, für die Schweriners Bruder Oskar arbeitete, ebenfalls „Zeitbilder“. Simon arbeitet seit längerem gemeinsam mit Jürgen Hartmann aus Rheine an einer Biografie Schweriners, die möglicherweise noch 2018 abgeschlossen werden soll.

Früh vor Antisemitismus gewarnt

Klischees der in den Zeitbildern verwendeten Fotos soll Schweriner laut Simon schon 1915 der Stadtverwaltung zum Kauf angeboten haben – dies habe der damalige Bürgermeister Jockusch aber abgelehnt. Aus heutiger Sicht bedauerlich, da diese Bilder nun nicht mehr verfügbar sind, höchstens als Kopien aus den „Zeitbildern“. Nach dem Krieg brachte Schweriner 1920 eine Sammelausgabe der LZ in gebundener Form heraus, gedruckt in der Lüdenscheider Druckerei Carl von der Linnepe (wie schon im Krieg). 

Diese ist heute gelegentlich in Antiquariaten verfügbar. Bei den Bänden in den Lüdenscheider Museen kann es sich durchaus um früher erstellte Sammelbände handeln. Schweriner brachte während des Ersten Weltkrieges außerdem eine verkürzte Extrablatt-Ausgabe des Tageblatts namens „L.T. am Abend“ heraus, hauptsächlich mit Kriegsmeldungen. Nach seiner Lüdenscheider Zeit ging Schweriner wieder nach Berlin. Noch in Lüdenscheid hatte er 1919 vor den Gefahren des Antisemitismus gewarnt. 1933 emigrierte Schweriner in die USA, wo er 1941 starb.

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