Für die neue Dauerausstellung

Museen brauchen 850 000 Euro

+
Schon im Herbst 2019 war klar, dass auf "Mondfieber" die Ausstellung über die Beteiligung heimischer Firmen an der Rüstungsindustrie folgt.

Lüdenscheid – Friedlich ist am Sonntagnachmittag „Friedliches Lüdenscheid?“ zu Ende gegangen. Noch immer fanden sich Besucher ein, die die Ausstellung mit Exponaten aus der Rüstungsindustrie im heimischen Raum sehen wollten. Im Grunde eine Doppelausstellung, wenngleich auch nicht nebeneinander, sondern nacheinander.

Der Wanderausstellung „Mondfieber“ gehörte am 2. September letzten Jahres der Aufschlag. Wie so oft, trug das Museumsteam rund um die Stelltafelausstellung auch Exponate aus dem heimischen Raum zusammen. Und die Lüdenscheider gaben gern, was sich aus den „Mondfieber“-Jahren noch finden ließ.

Für das Museumsteam um Kuratorin Ursula Delhougne hieß es nach dem Abbau von „Mondfieber“ weiterforschen. Denn die Folgeausstellung sollte „Friedliches Lüdenscheid?“ werden, ein provokanter Titel, war doch die heimische Beteiligung an der Rüstungsindustrie lange Zeit totgeschwiegen worden zugunsten eines Bildes der friedlichen Knopfstadt Lüdenscheid.

Nach einer Pause öffnete am 23. November die Ausstellung „Friedliches Lüdenscheid?“. Stahlhelme, Torpedobatterien, die Spitze einer V 2-Rakete, Arbeiterinnen, die Kriegsgerät verpacken, Pokale einschmelzen für die Rüstung. 6000 Besucher kamen zu „Mondfieber“ und „Friedliches Lüdenscheid?“ in die Museen – „eine sehr respektable Zahl, über die ich mich freue“, sagt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox. Die Altersstruktur der Besucher – queerbeet. Unter ihnen seien auch viele bekannte Lüdenscheider gewesen, „die Interesse an diesem Aspekt der Stadtgeschichte hatten. Man hat das an den vielen Diskussionen im Anschluss an die öffentlichen Führungen gemerkt“, so Kuratorin Ursula Delhougne.

Rund 50 begleitete Sonntags- und Schulführungen wurden angeboten, die letzten am Sonntagnachmittag. Einige der Exponate aus „Friedliches Lüdenscheid?“ verschwinden nicht ganz. Denn die Präsentation wurde mit Blick auf die Neukonzeption der Dauerausstellung in den Museen an der Sauerfelder Straße aufgebaut.

Dieser Teil der Stadtgeschichte soll seinen Platz in der neuen Dauerausstellung bekommen, um die sich das Museumsteam in diesem Jahr kümmert. Bereits im Haushalt 2018 wurden Rücklagen in Höhe von 1,5 Millionen Euro gebildet für die geplante Dauerausstellung. Mit der Verabschiedung des Haushaltsplanes im vergangenen Dezember ist es nun (fast) amtlich, dass Lüdenscheid eine neue Dauerausstellung bekommen wird – fast, da die Kommunalaufsicht den Haushalt noch genehmigen muss.

Ist das geschehen, kann sich der Museumsleiter auf die Akquise-Tour begeben. Immerhin müssen 850 000 Euro Drittmittel eingeworben werden. Ein enormer Planungsaufwand, Entwicklung und über Monate rauchende Köpfe, sogar die Runderneuerung an der einen oder anderen Stelle steht für das Team auf dem täglichen Programm. Wechselausstellungen in der gewohnten Form seien, so Dr. Trox, nicht durchführbar. Dankbar sei man, dass das Team der benachbarten Galerie hilfreich mit eingreift, damit die Wechselausstellungsräume in den Museen nicht verwaisen. So wird beispielsweise im Geschichtsmuseum eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Reinhard Schmidhagen aufgebaut.

Trox: „Das passt ja auch thematisch in unseren Bereich.“ Die Ausstellung wird mit Zuwendungen der Gemeinde Schalksmühle, aus der der Künstler stammt, mitfinanziert. Schmidhagen, 1914 in Schalksmühle geboten, war ein deutscher Maler und Holzschneider des Spätexpressionismus. Der Künstler ist heute noch bekannt durch seine ergreifenden Holzschnitte, die sich mit den Gräueln des Krieges befassen. Der Zyklus „Guernica“ war 2014 bereits einmal im Geschichtsmuseum zu sehen. Die Ausstellung wird am 15. März eröffnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare